Es war gewissermaßen die „Geburtsstunde Entenhausens“: Am 29. August 1951, also vor 65 Jahren, kam das erste Micky-Maus-Heft in deutscher Sprache an die Kioske. Von den rund 300 000 Exemplaren der anspruchsvoll gestalteten deutschen Erstausgabe wurde allerdings nicht mal die Hälfte verkauft. Der Rest ging als kostenlose Werbeexemplare an Schulen oder in den Reißwolf. Dann aber entwickelte sich das Heft schnell zur beliebtesten Kinderzeitschrift in Deutschland.

75 Pfennige kostete „Micky Maus – Das bunte Monatsheft“ seinerzeit. Gedruckt wurde es im damals einzigartigen Vierfarb-Kupfertiefdruck bei W. Girardet in Essen. Wer heute noch ein Heft der Erstausgabe besitzt, erhält dafür von Sammlern – je nach Zustand – 6000 Euro und mehr. Am Kiosk kostet das aktuelle „Micky Maus Magazin“ 3,50 Euro.

Schon im ersten 32-seitigen Heft tauchen neben Micky auch Donald Duck, dessen Vetter Gustav, Tollpatsch Goofy, Donalds Augenstern Daisy, der treue Hund Pluto und Donalds drei Neffen auf. Die hießen allerdings damals nicht Tick, Trick und Track, sondern Rip, Rap und Rup. Die Übersetzungen der Comics aus der Disney-Produktion stammten bis 1988 von Erika Fuchs (1906-2005) aus Schwarzenbach an der Saale, die bis dahin Chefredakteurin der Micky Maus war.

In den meisten anderen europäischen Ländern war Donald die Titelfigur der Disney-Hefte. In Deutschland jedoch war Micky wesentlich bekannter. Der Grund: Die ersten Micky-Maus-Filme wurden schon 1930 in Deutschland gezeigt – 1928 hatte Disneys Micky Maus in dem Tonfilm „Steamboat Willie“ das Licht der Comic-Welt erblickt.

Donald kam in einer Nebenrolle 1934 im Zeichentrickfilm „Die kluge kleine Henne“ das erste Mal vor. 1935 aber stoppte Walt Disney den Export seiner Trickfilme in das von Nazis geführte Deutschland.

Am Anfang waren die Micky-Maus-Comics in Deutschland nicht unumstritten. Im Land der Dichter und Denker sahen nicht wenige Kritiker in Comics „Schundhefte“ und fürchteten einen Verfall der deutschen Sprache. 

Andere warnten vor Analphabetentum im Zusammenhang mit dem Konsum der bunten Bilder-Geschichten und wollten deren Erscheinen sogar gerichtlich verbieten lassen. Das alles hat das Micky-Maus-Magazin überlebt. Der Kunstdidaktiker Dietrich Grünewald von der Universität Koblenz schätzt an den Comics aus Entenhausen, dass kleine Leser am Vorbild von Micky und seinen Freunden „Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein lernen“. Und sie würden erfahren, dass man als Kind „nicht alles immer hinnehmen muss“.

Seit 1957 erschien das Micky-Maus-Magazin wöchentlich, seit einigen Jahren gibt es 41 Ausgaben pro Jahr, die jeweils freitags an den Kiosken zu kaufen sind. 1991 lag die Druckauflage des Heftes noch bei über einer Million Exemplaren, verkauft wurden davon rund 650 000 Stück. Aber das ist lange her.

Die Generation YouTube liest weniger Zeitschriften. Nach Angaben des Verlags werden aktuell pro Heft nur noch 85 000 Exemplare verkauft. Erreicht würden wöchentlich etwa 576 000 Kinder pro Heft, hieß es unter Bezug auf die Kids-Verbraucheranalyse des Verlags von 2015. Bei Zeitschriften für Sechs- bis 13-Jährige liegt demnach das Micky-Maus-Magazin noch immer vorn.

Auch Gerhard Severin vom Erika Fuchs Museum im oberfränkischen Schwarzenbach merkt, dass sich das Medienverhalten der Kinder und Jugendlichen verändert hat: „Fest steht, dass bei Führungen von Schulklassen auf die Frage nach dem Umgang mit Comics nur wenige Schüler dazu noch einen Zugang haben“, sagt er. Auf der anderen Seite, beobachtet Severin, „sitzen dann aber alle Schüler in der Bibliothek und sind vertieft gerade in die Comics über Entenhausen“. Für ihn ist klar, dass die gedruckten Geschichten der Einwohner Entenhausens „trotz Internet und Playstation weiterleben“ werden: „Dieser Ort fasziniert immer noch alle Generationen.“