O du fröhliche: In vielen Familien ist dieses Lied etwas ganz Besonderes. Wie könnte es da in der Großfamilie Hammer anders sein, die so sehr für den Glauben an Gott und für die Musik lebt.
Wenn diese Familie zu Adventskonzerten einlädt, ist immer wieder zu hören, dass das zum Advent gehört. „Jetzt wird’s Weihnachten“, sagt eine Frau im Publikum. Das kann nicht nur an der Stimmgewalt der drei Hammer-Generationen im Altarraum liegen: Da liegt mehr in der Luft. Vorher haben Familienmitglieder noch ein bisschen gefrotzelt, durchaus auch am Mikrofon, wie es Menschen tun, die sehr vertraut miteinander sind – und die Gemeinde hat gelacht. Jetzt, am Ende des Konzerts, wird es überall ganz still, ganz feierlich. „O du fröhliche“ singen sie, zunächst die Hammer-Familie, dann alle miteinander.
Weihnachtslied (zum Herunterladen) Ein Lied geht um die Welt

Crailsheim

Der Waisenvater

Mal ganz grob geschätzt und von Redaktionsmitgliedern bestätigt: Nach dem erhebendsten, innigsten Weihnachtsmoment gefragt, dürften die meisten christlich geprägten Hohenloher das Anstimmen von „O du fröhliche“ nennen, dieses Jubellieds, das von Gnade und Erfüllung kündet. Dabei beginnt die Geschichte dieses Liedes so traurig.
Johannes Daniel Falk hatte sieben Kinder. Durch eine Typhusepidemie wurden ihm vier genommen. Es gelang dem von Haus aus mitfühlenden Publizisten, seinen Schmerz in etwas Schönes umzuwandeln: Er beschloss, so viele Kinder wie möglich zu retten, und er baute in Weimar eine Zuflucht für die Waisen seiner Zeit auf, die unter anderem als Folge der Völkerschlacht in immer größerer Zahl verelendeten. Sein „Rettungshaus“ wurde wegweisend. Es ist anzunehmen, dass der später immer wieder „Waisenvater“ genannte Falk für eben diese Kinder im Jahr 1815 zur Melodie eines alten Marienlieds das „O du fröhliche“ schrieb. In drei Strophen hat er sich den drei großen Kirchenfesten gewidmet, Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Überdauert hat nur die erste Strophe; ein Mitarbeiter hat später die zwei anderen, heute gesungenen Strophen geschrieben und das mehr denn je mit Weihnachten verbundene Lied vollendet.
Jetzt singen es die Hammers. Pfarrer Hans-Gerhard Hammer und seine Frau Elisabeth haben vier Söhne: Thomas, freier Musiker, Matthias, Pfarrer in Rot am See, Markus, Pfarrer in Hengstfeld, und Johannes, Lehrer mit Ausbildungsschwerpunkt Musik, sowie die ebenso gerne und gut singenden Ehefrauen Eva, Silvia, Iris und Miriam, wobei Miriam Hammer trotz ihrer schönen Stimme bei den Hammer-Konzerten in die zweite Reihe tritt, um mit einer Powerpoint-Präsentation für Licht, Atmosphäre und Liedtexte zu sorgen.

Schrozberg

Hans-Gerhard und Elisabeth wollten immer eine ganze Fußballmannschaft an eigenen Kindern; zusammen mit den Wahltöchtern und zwölfeinhalb Enkeln, von denen einige bereits mitsingen, ist dieses Ziel in der nächsten Generation längst erreicht. Rebekka und Tabita singen bei den Großen mit; Silas, Levi, Noel, Jana, Phil und Thea sowie Jona singen als kleiner Kinderchor alte Kinderlieder wie „An der Ecke steht ein Schneemann“. Dafür gibt es stets genauso viel Beifall wie für die anspruchsvollen Choräle und Chorsätze der Erwachsenen – einfach weil die Steppkes so goldig sind.
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie „Weihnachtslied“
Hammers mögen’s gerne klassisch: „Ich steh an deiner Krippen hier“ von Bach darf in einem Hammer-Konzert ebenso wenig fehlen wie Philipp Nicolais „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ im Bachsatz oder das eher neuzeitliche „Wir grüßen den, der zu uns kommt“ von Gerhard Schnitter. Auch Geheimnisvolles aus dem Volksmund wird gesungen, „In die dunkle Nacht“ etwa, oder auch eigene Titel wie „Und dort in der Ferne da siehst du ein Licht“.
Es gibt wenige Familien, die so bewandert sind in der geistlichen Musik wie die Hammers, die immerhin drei Pfarrer und zwei Berufsmusiker stellen. Dass „O du fröhliche“ für sie alle ein ganz besonderer Titel ist, spricht für sich: „Seit der Kindheit, wenn ich im Heimatort den Christbaum mit 300 Kerzen leuchten sah, gehört „O du fröhliche“ für mich zur Weihnachtszeit“, sagt Vater und Großvater Hammer. „Da geht einem das Herz über, weil man sich so an der Geburt Jesu freut.“ „Welt ging verloren, Christ ist geboren“ – auch diese Liedzeile hat es ihm angetan. „Die Gegenströmung, dass Gott in eine verlorene Welt seinen Sohn hereingibt, ist doch ein Riesenzeichen seiner Liebe.“
Gesungen wird dieses Lied jedes Jahr auch am zweiten Weihnachtstag, wenn die ganze Hammerfamilie in Großaltdorf zusammenkommt, wenn die drei Pfarrer kräftemäßig am Ende sind, und dann endlich Zeit ist für die eigene, ganz private Weihnachtsfreude.
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