Merklingen/Laichingen / JOACHIM STRIEBEL  Uhr
Nachdem alle Mediziner, die auf der Laichinger Alb mit dem ASB Notarzteinsätze fahren, gekündigt haben, ist nun der Notarztdienst selbst in Not. Es hat ein Zerwürfnis mit dem ASB-Vorsitzenden gegeben.

Wenn auf der Laichinger Alb bei einem Notfall ärztliche Hilfe nötig ist, rückt neben einem Rettungswagen des DRK Laichingen oder des ASB Merklingen ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) des ASB aus. Der Fahrer holt den diensthabenden Arzt in dessen Praxis oder zu Hause ab, um ihn an den Einsatzort zu fahren. In der Regel ist das von einem Rettungsassistenten gesteuerte Notarztfahrzeug bei der ASB-Wache in Merklingen stationiert, manchmal auch bei der kleinen Außenstelle in Laichingen, etwa wenn ein dort wohnender Arzt Wochenenddienst hat. Nun soll das NEF aber grundsätzlich von Laichingen aus ausrücken. Denn ein vom Bereichsausschuss für den Rettungsdienst in Auftrag gegebenes Gutachten hat ergeben, dass von Laichingen aus mehr Menschen innerhalb der angestrebten Hilfsfrist von zehn Minuten erreicht werden können.

Für die in Laichingen praktizierenden und wohnenden Ärzte ändert sich dadurch nichts. Sie werden nach wie vor vom ASB-Fahrer abgeholt. Schwierig wird es für die anderen: Sie sollen sich in einer noch zu schaffenden kleinen Notarzt-Wache in Laichingen aufhalten. Das betrifft etwa eine Ärztin, die in Berghülen wohnt, einen in Merklingen niedergelassenen Arzt und Dr. Michael Gösele, der als Oberarzt im Bezirkskrankenhaus in Günzburg arbeitet und in seiner Freizeit von seinem Wohnort Nellingen aus Notarztdienste versieht.

Mit der Anwesenheitspflicht könnten er und die Kollegen die Dienste nicht mehr leisten, verdeutlicht Gösele, der auch Sprecher der siebenköpfigen Notärzte-Gruppe ist. "Die Änderung ist für uns nicht einzusehen", sagt Gösele, zumal das bisherige System "ausnahmslos funktioniert". Eine Anwesenheit auf der Wache komme nicht in Frage, zumal durchschnittlich nur zweieinhalb Einsätze in 24 Stunden anfallen. "Wir Ärzte leisten diesen Dienst in unserer Freizeit, nebenher zu einem 100-Prozent-Job", sagt Gösele. Er und seine Kollegen haben ihre Notarzt-Verträge mit den Kostenträgern, also den Krankenkassen, zum 31. Dezember 2015 gekündigt und dies auch dem zuständigen Bereichsausschuss für den Rettungsdienst mitgeteilt (wir berichteten).

Gösele ärgert sich über Inhalt und Art einer Versammlung, zu der der Vorsitzende des ASB Alb & Stauferland, Lutz Schönefeld, und der stellvertretende ASB-Landesgeschäftsführer Daniel Groß eingeladen hatten. Obwohl die Ärzte bisher "lückenlos rund um die Uhr alles gemeistert" hätten, werde über deren Köpfe hinweg entschieden. "Eine Geringschätzung", sagt Gösele. Eigentlich hätte der Bereichsausschuss, der das Gutachten in Auftrag gegeben hatte, informieren sollen, nicht der ASB. Es seien keine Daten und Fakten auf den Tisch gelegt worden, berichtet Gösele. Nach dem "unglücklich verlaufenen" Treffen und einer E-Mail des ASB-Vorsitzenden, die "unter die Gürtellinie" gegangen sei, hat der Arzt Dienste abgegeben. Abgelehnt hat er auch das ihm vom Landesverband angebotene Amt des verantwortlichen Ausbildungsarztes beim ASB Alb & Stauferland in Merklingen.

Zur Auseinandersetzung mit Gösele wollten sich Lutz Schönefeld und Daniel Groß am Donnerstag nicht äußern. "Uns geht es um die Sache", sagte Groß. Zum geplanten Konzept sagte er: "Es ist nicht so, dass wir uns das ausgedacht haben." Es sei Folge des vom Bereichsausschuss in Auftrag gegebenen Gutachtens zur Verbesserung der Notarztversorgung im Alb-Donau-Kreis. Ziel des ASB sei, mit den bisherigen Notärzten weiterzuarbeiten, nicht etwa mit ortsfremden Honorarkräften, sagt Groß, fügt aber hinzu: "Wenn es für einen nicht mehr passt, dann ist das eben so."

Die Kündigung der Notärzte von der Laichinger Alb lässt beim Bereichsausschuss für den Rettungsdienst die Alarmglocken schrillen. "Ich werde umgehend ein Gespräch mit den Notärzten führen", sagt der Vorsitzende Dr. Götz Hartung, ebenso wolle er mit den Verantwortlichen des ASB Alb & Stauferland sprechen. Er bestätigt, dass sie vom Bereichsausschuss den Auftrag hatten, die örtlichen Ärzte zu informieren. "Wir müssen dafür Sorge tragen, dass die notärztliche Versorgung gewährleistet ist", sagt Hartung. "Welche Lösung unterm Strich herauskommt, vermag ich nicht zu sagen." Auf der Laichinger Alb sei es nicht so einfach, Notärzte zu bekommen.