Sport Niemals aufgeben: schon gar nicht beim Stairrun

Tobias Keck und Max Packeiser aus Blaubeuren haben ein weiteres Mal den Berliner Stairrun bewältigt. 
Tobias Keck und Max Packeiser aus Blaubeuren haben ein weiteres Mal den Berliner Stairrun bewältigt.  © Foto: Tobias Keck
Blaubeuren/Berlin / Peter Schumann 01.06.2018

Genau 39 Etagen, 770 Stufen und 110 Höhenmeter: Das sind die nackten Zahlen des Stairruns, den der Blaubeurer Feuerwehrmann Tobias Keck zusammen mit Max Packeiser bewältigt hat. Mit Atemschutzgerät und entsprechender Kleidung, alles zusammen etwa 20 Kilo schwer. Für jeden Feuerwehrmann schon eine Herausforderung, für Tobias Keck eine unvorstellbare Anstrengung. Denn das linke Bein des 23-Jährigen ist nach einem schweren Motorradunfall nicht mehr belastbar, die Nerven sind tot, Keck kann das Bein quasi nur versteift benutzen. Die Treppen schafft er, indem er mit seinem gesunden Bein zwei Stufen nimmt, und das linke Bein dann nachzieht. „Die letzten Stockwerke musste ich Pausen einlegen, mein rechter Oberschenkel war total hart“, schildert er die Strapazen. Doch er gibt nicht auf. Mit Packeiser im Rücken – „falls ich stürze, kann er mich auffangen“ – schafft das Team die 39 Etagen in 15 Minuten. Damit lassen die beiden 40 Teams hinter sich.

Es ist nicht das erste Mal, dass Tobias Keck und Max Packeiser am Stairrun in Berlin teilnehmen. Bereits 2014 gelang den beiden im Kampf gegen internationale Teilnehmer und hauptamtliche Feuerwehrkräfte auf Anhieb eine Platzierung im vorderen Drittel der Treppenläufer. Eine Platzierung, die sich die Blaubeurer nicht erträumt hätten und die zur Grundlage wird für zukünftige Wettkämpfe. Nach seinem schweren Unfall und der Rückkehr ins „normale“ Leben wollte Keck zeigen, dass er so eine Leistung noch einmal vollbringen kann. Dafür hat er fast ein ganzes Jahr hart trainiert, zusätzlich zu seinen Stunden bei der Physiotherapie. „Ich wollte es mir beweisen, dass ich da noch einmal hochkomme“, sagt er rückblickend.

Das sieht im Juni 2014 noch ganz anders aus. Eine Autofahrerin übersieht den begeisterten Motorradfahrer. Beim Zusammenstoß wird Keck durch die Luft geschleudert und landet schwer verletzt in einem Acker. Die Feuerwehrkräfte in Blaubeuren erfahren am Abend von dem Unfall und müssen zunächst sogar um das Leben des jungen Mannes bangen.

Mehrere Operationen prägen den einjährigen Aufenthalt im Krankenhaus, begleitet von ersten Prognosen. Schnell wird klar, Keck wird nicht mehr so wie früher gehen können. Der Nervenschaden am Lendenwirbel und die Verletzungen im Beckenbereich sind zu groß. Seine Ausbildung kann er nicht zu Ende bringen, auch die aktive Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr scheint zu Ende. „Die Ärzte sagten mir, es sei ihnen niemand bekannt, der mit diesem Verletzungsmuster jemals wieder laufen kann, und das wollte ich nicht akzeptieren.“

In den Alltag zurückgekämpft

Keck kämpft sich in den Alltag zurück, steckt mit seinem Lebenswillen andere Jugendliche an, die wie er plötzlich im Rollstuhl sitzen und damit nicht fertig werden. „Da haben sich viele hängen lassen.“ Er lernt Schritt für Schritt, wieder zu gehen. Zunächst mit Gehhilfe, dann eigenständig. Heute sieht man ihm seine Behinderung erst auf den zweiten Blick an. Für ihn ist es wichtig, dass die eigene Botschaft nicht verloren geht: niemals aufgeben und gemeinsam unterwegs zu sein. Das kommt auch zum Ausdruck, wenn Tobias Keck bis heute seinen Dienst in der Feuerwehr Blaubeuren tut. Zwar ist eine Teilnahme bei Einsätzen nur bedingt möglich, aber er übernimmt an vielen Stellen neu Verantwortung. So entsendet ihn die Blaubeurer Feuerwehr an die Landesfeuerwehrschule nach Bruchsal, wo er am Lehrgang zum Ausbilder für Feuerwehrkräfte teilnimmt. Er wird künftig Nachwuchsfeuerwehrkräfte ausbilden und weiterhin ehrenamtlich aktiv bleiben.

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