Das Jahr ist zwar noch brandneu, doch die Sorgen und Probleme sind die gleichen geblieben wie in den vergangenen zwölf Monaten. Das ist in Metzingen genau so wie überall auf der Welt. Was die Kelternstadt indessen von vielen anderen unterscheidet, sind die Ressourcen, auf die sie zurückgreifen kann, um die Probleme zu lösen. Wirtschaftlich und finanziell steht die Kommune bestens da, wie Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler am Sonntag während des Neujahrsempfangs der Stadt ausführte. Die Verschuldung beispielsweise hat Metzingen in den vergangenen zehn Jahren um beinahe 80 Prozent reduziert. Obwohl gleichzeitig kräftig investiert worden ist, etwa in die Sieben-Keltern-Schule oder ins städtische Kanalnetz.

Gut aufgestellt ist Metzingen indessen nicht allein auf dem Feld der Ökonomie, sondern auch im sozialen Bereich. Die vielen engagierten Bürger seien das eigentliche Kapital der Kommune, betonte der Oberbürgermeister. Die intakte Metzinger Stadtgesellschaft, die anpackt, zusammenhält und zusammenarbeitet, sei eine hervorragende Basis, um für die kommenden Generationen so viel wie nur irgend möglich aus den vorhandenen Chancen zu machen.

Trotz dieser positiven Ausgangslage blickt der Oberbürgermeister mit einer gewissen Sorge auf aktuelle Entwicklungen. Woher, so fragt sich Ulrich Fiedler, kommt die stetig steigende Unzufriedenheit der Deutschen, warum wirkt die Gesellschaft erschöpft und suhlt sich leidenschaftlich in Pessimismus?

Eine alles erklärende Antwort hat der Metzinger OB indessen nicht. Einige Ursachen für das Gefühl mancher Bürger, ihnen entgleite die Kontrolle über ihr Leben, hat er aber ausgemacht. Dazu gehören globale Phänomene wie Terror, Flucht und zunehmende Digitalisierung ebenso wie der Versuch, alternative Wirklichkeiten zu erschaffen. Gerade die sich rasant verbreitenden Fake News sieht Fiedler als große Bedrohung für die Gesellschaft. Wie schnell sich falsche Nachrichten ihren Weg bahnen, sei im vergangenen Jahr auch in Metzingen erlebbar geworden: „Das ist schon erschreckend.“ Angesichts der Gefahren, mit denen sich die Zivilgesellschaft konfrontiert sieht, rief Fiedler die Bürger dazu auf, weniger zu schimpfen und lieber gemeinsam anzupacken, damit sich die Dinge in die richtige Richtung bewegen. Radikale Parteien zu wählen, reiche jedenfalls nicht aus, um Probleme zu lösen, betonte Fiedler unter dem Beifall der Anwesenden.

Um der wachsenden Verdrossenheit entgegen zu wirken, will auch die Stadt ihren Beitrag leisten, sagte Fiedler. Zum einen sollen die Anstrengungen beim Bau von bezahlbarem Wohnraum forciert werden, zum anderen möchte Metzingen die zunehmenden Verkehrsprobleme lösen. Er müsse, so Fiedler, selbstkritisch eingestehen, dass die Fortschritte beim Wohnungsbau bislang überschaubar seien, obwohl das Thema seit Jahren ganz oben auf der städtischen Agenda stehe. Allerdings genüge es nicht, nach Stadt oder Staat zu rufen, um Verbesserungen zu erreichen: „Es ist unsere gemeinsame Aufgabe dafür zu sorgen, dass die Menschen ein angemessenes und bezahlbares Dach über dem Kopf finden.“ Nur dann lasse sich ein funktionierendes Gemeinwesen und eine intakte Gesellschaft gewährleisten.

Fiedler appellierte daher an alle, leerstehende Häuser und Wohnungen zugänglich zu machen. Ebenfalls bat er Grundstücksbesitzer darum, Bauplätze zur Verfügung zu stellen. Auch die Metzinger Unternehmer nahm Fiedler in die Pflicht, Wohnungen zu schaffen. Nur wenn es genügend Wohnraum in der Stadt gebe, ließen sich auch dauerhaft ausreichend Fachkräfte finden.

Um des zunehmenden Verkehrs Herr zu werden, seien ebenfalls alle Bürger gefordert, betonte Fiedler. Selbstredend brauche die Region die Regionalstadtbahn, Metzingen müsse zudem den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und die Bedingungen für Radfahrer wesentlich verbessern. Gleichwohl müsse jeder einzelne sein Verhalten überdenken. Um auf diesem Gebiet voranzukommen, wolle die Stadt nun in einen intensiven Dialog mit ihren Bürgern treten. Ziel sei es, gemeinsam Lösungen für eine verbesserte Mobilität zu finden.

All jene, die die Stadtpolitik bislang vom heimischen Sofa aus betrachtet haben, lud Fiedler ein, sich bei der Kommunalwahl am 26. Mai um ein Mandat zu bemühen oder zumindest ihre Stimme abzugeben. In diesem Zusammenhang lobte der Oberbürgermeister insbesondere die Mitglieder des Jugendgemeinderates, die sich im vergangenen Jahr intensiv in die Diskussion um die Zukunft der Metzinger Bäder eingebracht hatten: „Da war von Politikverdrossenheit nichts zu spüren.“