Einmal auf der Bühne eines richtigen Theaters sitzen und spielen. Das ist der Traum vieler junger Musiker. Für jene des Sinfonieorchesters des Weißenhorner Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums ist er am Samstag in Erfüllung gegangen. Sie bestritten nämlich auf der Bühne des Großen Hauses unter der Leitung ihrer Dirigentin Karoline Mauer den Auftakt des Kinderkonzertes: mit Filmmusik aus "Rocky".

Doch die jungen Musiker standen schon zuvor im Rampenlicht, als Thomas Acker von der Jeunesses Musicales und Gottlob Schmücker als Vertreter der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) die Urkunden der Aktion "Tutti Pro" übergaben: Die Ulmer Philharmoniker sind nun offiziell Pate der Weißenhorner Schüler. Und das ist nicht die erste Patenschaft für die Profis aus dem Theater - auch die Humboldt-Sinfonietta ist ein Patenkind.

Paten kümmern sich um die ihnen Anvertrauten. Im Klartext heißt das: Die Musiker der Philharmoniker unterrichten die Schüler, coachen bei den Proben des Schülerorchesters schon mal die einzelnen Stimmgruppen, helfen bei der Suche nach einem guten Lehrer oder einem geeigneten Instrument, geben Ratschläge - etwa zur Berufswahl. Was man von einem Paten eben so erwartet. Und Paten besucht man auch: Die Schüler sind bei Proben der Philharmoniker stets willkommen - und wenn Platz im Orchestergraben ist, dürfen sie auch bei Aufführungen ganz nah dran sein.

Das tun die Philharmoniker schon seit einiger Zeit auch in Weißenhorn. Die Urkunde gab es aber erst jetzt: "Da muss man in Vorleistungen, erst wenn alles läuft, wird alles offiziell bestätigt", erklärt Kirsten Jacobs-Brannath. Die Geigerin ist seit zehn Jahren die Kinder- und Jugendbeauftragte der Philharmoniker und koordiniert die Einsätze der Musiker, denn die Orchester-Patenschaften sind nur ein Teil der Aktivitäten für junge Hörer und Musiker.

"Alles begann mit den Kinderkonzerten", erzählt die Musikerin. "Die gibt es zwar schon lange, aber sie liefen meist linkshändig so nebenher. Die waren früher die Aufgabe der Kapellmeister. Mancher hatte Lust darauf, und mancher eben nicht . . .". Nach einem besonders lieblosen Konzert beschlossen die Orchestermusiker, sich künftig der Kinderkonzerte anzunehmen und für kontinuierliche Qualität zu sorgen - in der Person Kirsten Jacobs-Brannaths. "Ich habe schon immer Unterricht gegeben. Und ich habe das gerne getan", sagt die Geigerin.

Sie mag es, Kinder an die Welt des Theaters und der Musik heranzuführen. "Bis diese Kinder mal unsere Abonnenten werden, bin ich schon lange in Rente", sagt sie. Aber man müsse Basisarbeit leisten: "Wer bis zum zwölften Lebensjahr keine Affinität zu Kunst, Musik und Theater entwickelt, tut sich später relativ schwer damit." Weil das so ist, gehen Musiker auch in Schulklassen, um ihre Instrumente vorzustellen: "Tönendes Klassenzimmer" heißt diese Aktion, für die sich Schulen bewerben können.

Auch mit Kammermusik-Programmen sind die Musiker in höheren Klassen unterwegs, zeigen schon mal, wie ein Beethoven-Quartett klingt, wenn man das Cello weglässt. Diese Reihe koordiniert Konzertmeister Tamás Füzesi. Rund 50 solcher Schulbesuche machen die Musiker pro Jahr. Das entspricht zwei Diensten des kompletten Orchesters. "Das tun meine Kollegen unentgeltlich, aber nicht umsonst", sagt Kirsten Jacobs-Brannath.

Apropos Kinderkonzerte: Die werden in der kommenden Spielzeit exklusiv im Podium stattfinden. Auch deshalb, weil heuer die ersten beiden Termine im Großen Haus vormittags vor weitgehend leeren Stuhlreihen stattfanden. Der familienfreundliche Termin am frühen Samstagabend war dagegen ausverkauft. Und da waren nicht nur die Gymnasiasten aus Weißenhorn dabei. Über ein Dutzend Talente aus den von den Philharmonikern betreuten Programmen waren auch später dabei, spielten mit den Profis die Live-Begleitung des Chaplin-Klassikers "The Floorwalker" und John Williams "Star Wars"-Vertonungen und erfüllten sich ihren Traum, mal auf der Bühne eines richtigen Theaters zu musizieren.

Sinfonietta