„Heute ist ein guter Tag!“ Mit diesen Worten leitete Walter Roth, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Freiburg, am Samstagnachmittag in der Stadthalle in Endingen die Pressekonferenz ein, in der den Medien, aber auch den Bürgerinnen und Bürgern von Endingen mitgeteilt wurde, dass ein Tatverdächtiger festgenommen worden ist. Ein 40-jähriger rumänischer Lkw-Fahrer wird verdächtigt, am 6. November 2016 die 27-jährige Carolin G. in einem Wäldchen zwischen Endingen und Bahlingen am Kaiserstuhl vergewaltigt und getötet zu haben. Außerdem soll er im Januar 2014 die 20-jährige französische Austauschschülerin Lucile aus Lyon am Inn-Ufer in Kufstein sexuell missbraucht und mit einer Eisenstange erschlagen haben. Der Mann sitzt seit Freitagnachmittag in Untersuchungs-Haft. Er bestreitet, die Taten begangen zu haben.
Entscheidend für das „kriminalistische Meisterstück“, wie Polizeipräsident Bernhard Rotzinger aus Freiburg den Erfolg bezeichnete, waren DNA-Spuren, die Eisenstange, mit der Lucile erschlagen worden ist, monatelange akribische Arbeit und die intensive Zusammenarbeit mit der Polizei in Österreich. Die wurde im Januar aufgenommen, als sich herausstellte, dass DNA-Spuren des Täters an der Leiche von Carolin G. mit Täterspuren an Lucile in Kufstein übereinstimmten. Damit lag der Verdacht nahe, dass die Frauen Opfer des gleichen Täters wurden.
Die Ermittler setzten ein Puzzlestück nach dem anderen zusammen. Die Eisenstange, mit der Lucile erschlagen worden ist und die aus dem Inn geborgen werden konnte, ist eine Lkw-Hubstange, mit der das Führerhaus nach vorne gekippt werden kann. Damit rückten Lkw-Fahrer in den Fokus der Ermittler. Als sie die Stange schon bald einem bestimmten Fabrikat zuordnen und aus 50 000 Lkw-Maut-Daten herausfiltern konnten, wann Lastwagen dieses Fabrikat zur tatrelevanten Zeit in Tatortnähe unterwegs waren, wurde die Spur konkreter. Über das Abfragen von Speditionen kamen die Ermittler dem Tatverdächtigen auf die Spur. Dass das Handy des Mannes am 6. November 2016 zur Tatzeit in der Funkzelle am Tatort eingeloggt war, erhärtete die Spur.
Am Mittwoch dieser Woche suchten Polizeibeamte den 40-jährigen Rumänen auf und nahmen eine Speichelprobe. Am Freitag stand fest, dass „tatrelevante Spuren an den Opfern mit seiner DNA übereinstimmten“, sagte Richard Kerber, Leiter der Sonderkommission „Erle“, die zur Aufklärung des Mordes an Carolin G. eingerichtet worden ist. „Um 13.40 Uhr kam dann die Nachricht: Es handelt sich um den Spurenleger.“ Er sei daraufhin an seinem Arbeitsplatz in einer Spedition festgenommen worden. Das Amtsgericht Freiburg hat Haftbefehl erlassen wegen des Verdachts der Vergewaltigung und des Mordes.
„Ich hoffe, dass unsere Region wieder zur Ruhe kommt und das verletzte Sicherheitsgefühl heilen kann“, sagte Polizeipräsident Bernhard Rotzinger. Seit der Tat befindet sich Endingen im Ausnahmezustand. Der wird sich durch die Festnahme des Tatverdächtigen nicht einfach so auflösen. Doch in der Stadthalle, in die etwa 100 Endinger gekommen waren, war die Erleichterung zu spüren, dass der Fall vermutlich geklärt ist. Viel Dank ging an die Endinger, die die Polizeibeamten bei ihren Ermittlungen unterstützten. Gut 4300 Spuren seien eingegangen und untersucht worden, unzählige Telefongespräche seien geführt worden. „Die tiefe Betroffenheit der Bevölkerung und der unbedingte Wille zu helfen, war unbeschreiblich“, sagte Richard Kerber. Spur 4334 führte zum Erfolg und ist als Festnahme dokumentiert. „Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen.“