Frauenhandball Mit Herz und Leidenschaft zum Erfolg

SG-Kapitänin Karolina Kudlacz-Gloc geht unerschrocken ins Duell mit Isabell Kaiser und Maike Schirmer (recht). Links eilt mit Friederike Gubernatis noch eine dritte Buxtehuder Spielerin herbei.
SG-Kapitänin Karolina Kudlacz-Gloc geht unerschrocken ins Duell mit Isabell Kaiser und Maike Schirmer (recht). Links eilt mit Friederike Gubernatis noch eine dritte Buxtehuder Spielerin herbei. © Foto: Martin Kalb
Andreas Eberle 02.01.2018

Eine Reaktion hatte Trainer Martin Albertsen von den Handballerinnen der SG BBM Bietigheim vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen den Buxtehuder SV gefordert. Und so eine bekam er am Samstagabend in der Ludwigsburger MHP-Arena auch zu sehen. Mit der bisher besten Abwehrleistung in dieser Saison bezwang der deutsche Meister aus dem Enztal den Pokalsieger aus Niedersachsen mit 26:21 (14:12) und rehabilitierte sich so eindrucksvoll für das peinliche 24:24-Unentschieden drei Tage zuvor beim Aufsteiger HSG Bensheim/Auerbach. Wider Erwarten sind die Bietigheimerinnen nun sogar auf dem zweiten Platz ins neue Jahr gegangen. Denn der bisherige Tabellenvize TuS Metzingen kassierte im Derby gegen Göppingen eine sensationelle 28:32-Niederlage und rutschte auf Rang drei ab. Unangefochtener Spitzenreiter mit nun 18:0 Punkten bleibt der Thüringer HC.

Das SG-Ensemble war gegenüber dem Katastrophenauftritt in Bensheim nicht wiederzuerkennen. Der Defensive attestierten Albertsen und sein Buxtehuder Kollege Dirk Leun unisono sogar Champions-League-Format. Torhüterin Tess Wester präsentierte sich in WM-Form und glänzte mit zahlreichen Paraden, die neu formierte Abwehr packte beherzt zu und verschaffte sich so Respekt. Und im Angriff führte Cecilie Woller, die Vertreterin der verletzten Kim Naidzinavicius, exzellent Regie, auch wenn die 25-jährige Dänin im Abschluss kaum in Erscheinung trat. Dafür sprang das Quartett Angela Malestein, Karolina Kudlacz-Gloc, Fie Woller und Charris Rozemalen in die Bresche und erzielte 22 der 26 Bietigheimer Treffer. Auch vom Siebenmeter-Strich zeigte sich der Meister abgezockt: Kudlacz-Gloc (5) und Malestein (3) verwandelten alle acht Siebenmeter souverän.

Dass Martine Smeets kurzfristig ausgefallen war, fiel nicht weiter ins Gewicht. Die niederländische Linksaußen hatte sich im Training einen Bänderriss zugezogen. „Nach dem Spiel in Bensheim waren wir alle frustriert und mit uns selbst unzufrieden, weil wir nicht gebracht haben, was wir können. Da gab es auch intensive Gespräche. Heute hat jede ihr Herz mit aufs Feld gebracht“, sagte Kreisläuferin Antje Lauenroth.

Der BSV, der Anfang September bereits das Supercup-Finale gegen Bietigheim klar mit 22:30 verloren hatte, enttäuschte dagegen mit einem biederen Auftritt. Ein Totalausfall war die deutsche WM-Teilnehmerin Friederike Gubernatis. Auch Emily Bölk und Lone Fischer, ihre Kolleginnen aus der DHB-Auswahl, kamen nicht auf Touren. Torfrau Antje Peveling, die sechsfache Torschützin Jessica Oldenburg und Kreisläuferin Isabell Kaiser waren bei den Norddeutschen die einzigen Aktivposten.

Torfrau Wester erzielt ein Tor

Von der ersten Minute an, nachdem die starke Ersatzkapitänin Kudlacz-Gloc das 1:0 erzielt hatte, lag die SG BBM in Führung. Bereits nach 136 Sekunden nahm Gästecoach Leun beim Stand von 3:0 seine erste Auszeit, doch die verpuffte wie alle anderen, die folgten. Beim 6:5 (13.) und 14:13 (33.) war Buxtehude zumindest noch auf ein Tor dran, aber den Ausgleich schaffte der Pokalsieger nie. Nach einem 5:1-Lauf, bei dem sich auch Wester mit einem Wurf ins leere BSV-Gehäuse in die Torschützenliste eintrug, führte die Spielgemeinschaft gar schon mit 22:15 (46.). Das 26:21 am Ende spiegelte die Kräfteverhältnisse nach den 60 Minuten in der MHP-Arena treffend wider.

„Ich hatte heute auf dem Feld immer das Gefühl, dass ich mich auf jede andere verlassen kann. Mit Leidenschaft, Herz und einer deutlichen Leistungssteigerung haben wir das Spiel gewonnen“, stellte Lauenroth zufrieden fest.

In der Zuschauergunst steht SG auf Platz zwei

1248 Fans haben im Schnitt die bisherigen fünf Bundesliga-Heimspiele der SG BBM Bietigheim gesehen. Damit belegt der deutsche Meister in der Publikumsstatistik den zweiten Platz. Der Zuschauerkrösus ist die TuS Metzingen mit ihren durchschnittlich 1988 Besuchern. Die Rekordmarke von 5740 Fans im Heimspiel am Samstag gegen Göppingen in der Stuttgarter Porsche-Arena hievte die „Tussies“ auf Rang eins. Die drittmeisten Zuschauer hat der VfL Oldenburg mit durchschnittlich 1238 Besuchern, gefolgt von Buxtehude (1220), Bensheim/Auerbach (1212), Neckarsulm (1157) und Göppingen (1020). Der Spitzenreiter Thüringer HC steht mit 1016 Fans nur auf Platz acht und damit im Mittelfeld der Zuschauertabelle. Schlusslicht ist der TV Nellingen, der gerade einmal 595 Besucher in der Sporthalle Ostfildern begrüßen darf. ae

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