Mit Architekten professionell energetisch sanieren

Das 1962 erbaute Haus am Rand von Ulm erhielt nach Süden hin ein zusätzliches Stockwerk, wobei der Halbgeschossversatz entsprechend der Hanglage erhalten blieb. Geheizt wird zukunftsweisend mit Holzpellets und Solarthermie. Architekt: Michael Hamm, Ehingen Foto: Herbert Geiger, Ehingen
Das 1962 erbaute Haus am Rand von Ulm erhielt nach Süden hin ein zusätzliches Stockwerk, wobei der Halbgeschossversatz entsprechend der Hanglage erhalten blieb. Geheizt wird zukunftsweisend mit Holzpellets und Solarthermie. Architekt: Michael Hamm, Ehingen Foto: Herbert Geiger, Ehingen
KNO 24.03.2012
Dämmen wird vorgeschrieben. Wie aber sind geforderte und geförderte Maßnahmen so umzusetzen, dass sich die Haus-Nutzer dann auch wohlfühlen? Hier helfen Architekten.

Geht es nach dem Willen der Regierung, heißt es: An die Fassaden, dichten, dämmen! Um Umwelt und Klima zu schützen, gilt es die CO2-Emissionen zu reduzieren. So sind private Immobilienbesitzer dazu verpflichtet, bei ihren Gebäuden Energie einzusparen beziehungsweise regenerative Energien einzusetzen - in Übereinstimmung mit der Vorgabe im Grundgesetz, dass Eigentum verpflichtet. Hinzu kommt, dass jedes Mitglied der Solidargemeinschaft seinen Teil zum Schutz der Umwelt zu leisten hat. Und schließlich geht es auch darum Mietern und Wohnungseigentümern geringere Heizkosten zu verschaffen.

Doch wie lässt sich verhindern, dass ganze Straßenzüge plötzlich ihre individuellen Gesichter verlieren und in ein uniformes Einerlei abdriften? Denn unabhängig von einem noch so frischen Fassadenanstrich strahlen die mit dickem Dämmstoff verpackten Häuser oft etwas Stumpfes, Unlebendiges aus.

Hinzu kommt der demografische Wandel, die immer älter werdende Gesellschaft: Ebenfalls per Gesetz sind Immobilienbesitzer dazu verpflichtet, im Rahmen ohnehin fälliger Umbauten dafür zu sorgen, dass die Wohnungen mindestens eines Geschosses barrierefrei zu erreichen sind. Konkret gilt dies für Gebäude mit mehr als vier Wohnungen und nur, sofern es keinen unverhältnismäßigen Mehraufwand für den Bauherrn mit sich bringt. Auch dafür gibt es Förderprogramme.

Die Herausforderung besteht nun darin, die geforderten und geförderten Maßnahmen so umzusetzen, dass sich die Nutzer auch wirklich wohlfühlen; dass ihr Domizil individuellen Ansprüchen genügt und dabei Charme und Lebendigkeit ausstrahlt.

Architektinnen und Architekten unterstützen Bauherren dabei, für ihr vorhandenes Gebäude eine passende Lösung zu finden. Es geht darum, das eine zu tun ohne das andere zu lassen: im Sinne der Nachhaltigkeit aufrüsten, ohne es an Respekt für das Bestehende fehlen zu lassen.

Insbesondere bei denkmalgeschützter Substanz ist eine sensible Vorgehensweise gefragt. Im Zuge der Detailplanung arbeitet der Architekt Lösungen heraus, um etwa ungünstig plump erscheinende Dämmpakete an Traufen und Ortgängen zu verstecken.

Die Baukosten bei solch einer Sanierung liegen zwar etwas höher, dafür bieten denkmalgeschützte Häuser oft ganz eigene Vorteile: Durch den Bestandsschutz ist gewährleistet, dass in der überlieferten Dichte genutzt und die geschützte Substanz zu Wohnzwecken ausgebaut werden darf. Das heißt: Es können auch relativ kleine, oft erfreulich zentral gelegene Grundstücke sehr intensiv genutzt werden. Kurze Wege zum Einkaufen, zu Behörden, zu Schulen und sonstigen Einrichtungen machen das tägliche Leben in der Stadt attraktiv. Das Auto wird oftmals überflüssig.

Viel Potenzial liegt in der Innenausgestaltung. Bei älteren Häusern können beispielsweise die zu unterschiedlichen Zeiten entstandenen Wandoberflächen in die Materialwahl mit einbezogen werden - Sandsteinmauerwerk aus dem 18. und Ziegelmauerwerk aus dem 20. Jahrhundert kombiniert mit zeitgemäßen Holzakustik-Schiebewände. Ohnehin eignet sich der Baustoff Holz besonders gut zur Erstellung energieeffizienter Architektur. Mit Linoleum belegte Arbeits- und Ablageflächen können farbige Akzente setzen. Und selbst ein mehrstöckiger Altbau lässt sich fürs Alter nachhaltig ertüchtigen: Hier stellt ein diskret integrierter Aufzug oft die richtige Lösung dar, um den Bewohnern beschwerliches Treppenlaufen zu ersparen.

Typische Nachkriegshäuser weisen oft einen zweckmäßigen, aber sehr kleinteiligen Grundriss auf. Um auch tragende Wände entfernen zu können, bietet es sich an, durchgehende Stahlträger einzuziehen, die große Spannweiten ermöglichen. Beim Konzept des offenen Wohnens fließen Küche, Flur, Wohn- und Essbereich räumlich ineinander, es entsteht ein großzügiger Grundriss, der gleichzeitig die Barrieren reduziert. Mittels zusätzlicher Eckfenster lässt sich solch eine neue Struktur auch an der Fassade ablesen, darüber hinaus entstehen neue Ausblicke. Großflächige Verglasungen nach Süden und eine gute Fassadendämmung runden das Konzept aus energetischer Sicht ab.

Durch die Dämmung der Gebäudehülle erhöhen sich die Temperaturen der Wandoberflächen und sorgen - gemeinsam mit einer ständigen Frischluftzufuhr durch die Lüftungsanlage - für ein angenehmes Raumklima.

Jenseits aufgeklebter Dämmplatten schlägt der Architekt gegebenenfalls individuelle Lösungen vor. So ist es möglich, vorhandene Bausubstanz mit einer zweiten wärmegedämmten Fassade sowohl im Wand- als auch Dachbereich zu umhüllen. Der so entstandene Luftkollektor liefert die benötigte Energie. Oder es wird zukunftsweisend mit Holzpellets und Solarthermie geheizt. Um CO2-neutrale Energie zu gewinnen, eignet sich die Installation einer Photovoltaikanlage.

Der Architekt kennt gestalterische Kniffe. So muss sich die Anlage nicht notwendigerweise auf dem Dach befinden, falls sie dort optisch stört, sondern kann auch in Klapp-Fensterläden integriert werden. So lassen sich oft mit einfachen, aber klugen baulichen Eingriffen und schönen architektonischen Details gleichermaßen wirtschaftliche wie zeitgemäße Wohn- und Arbeitsräume schaffen.