"Der Verbraucher hätte nichts dagegen, wenn der Liter Frischmilch mehr kosten würde", ist Martin Wolf überzeugt. Der 25-jährige Landwirt hatte gestern früh seine 60 Kühe gemolken und war dann mit 160 PS unter der Traktorhaube von Börslingen nach Ulm zur Demo gefahren. Anlass war weniger der Tag der Milch als vielmehr der Frust vieler Kollegen über den gesunkenen Milchpreis auf bundesweit rund 30 Cent. "Das ist ein Ramschpreis für ein so hochwertiges Produkt wie die Milch", sagte Wolf.

25 Traktoren flankierten auf dem Marktplatz die Demo, an der rund 150 Landwirte und ihre Familien aus den Kreisen Alb-Donau, Ostalb und Reutlingen teilnahmen sowie Funktionäre des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) und Politiker. "Wir brauchen wieder Marktrahmenbedingungen", forderte der BDM-Landesvorsitzende und Unterweiler Landwirt Karl-Eugen Kühnle vor dem Hintergrund, dass vor Kurzem die Milchquotenregelung abgeschafft wurde. Aber selbst bei den großen Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern, die daraufhin auf bis zu 2000 Kühe aufgestockt hätten, werde es jetzt eng.

Der Ulmer Landtagsabgeordnete Jürgen Filius (Grüne) ist ebenfalls gegen zu große Betriebe. "Die Klasse, nicht die Masse muss belohnt werden - 35 Cent Erzeugerpreis pro Liter Milch sind das Minimum." Und Michael Hauser, der als Pfarrer des Hauses der Begegnung und Befürworter regionaler Produkte am Rednerpult stand, appellierte an die Landwirte, sie sollten doch auf Bio umstellen.

Das hat Andreas Häußler (22) aus Schwörzkirch bei Ehingen bereits getan. Er ist zwar zufrieden mit dem Biomilchpreis von 48 Cent, nahm aber aus Solidarität an der Demo teil. "Unter der Überproduktion leidet die ganze Landwirtschaft."

2014 wurden in der EUt 6,5 Millionen Tonnen mehr Milch produziert als zuvor. Nur die Hälfte wurde auf dem Markt untergebracht. "Der Rest liegt irgendwo als Milchpulver oder Butter", sagte BDM-Sprecher Hans Foldenauer. Auslöser einer Krise "sind wir in der EU". Daher müsse man die Milch-Produktion wieder zeitlich befristet deckeln, appellierte er an alle Marktakteure.

"Ich kann zu dem Preis schon melken, aber die Frage ist, wie lange ich das noch will", sagte Martin Schwarz (52), der in Langenau 40 Milchkühe im Stall hat. Er hat den Tierbestand zwar sukzessive aufgestockt. "Aber meine Frau geht halbtags arbeiten, sonst wäre es knapp."

Ulrike Gaugler (50) aus Ellwangen-Rattstadt melkt täglich 50 Kühe. Sie sieht nicht ein, dass ein Liter Milch, der allein sehr gut nährt, so wenig kostet wie eine Flasche Mineralwasser. Ihr Mann Peter ergänzte, dass er zwar auch Bullen mästet, "aber die Milch liegt uns am Herzen". Und Sohn Jakob (11) weiß jetzt schon: "Nur wenn der Milchpreis so gut ist, dass was verdient ist, übernehme ich den Hof."

Wo kaufen Sie Ihre Milch?

"Der Aufwand ist zu groß und es gibt zu viele Hygienevorschriften", sagt Horst Richter (51) aus Holzheim. Dies ist ein Grund, warum seine Bekannten, die Milchviehbetriebe haben, die Milch nicht direkt ab Hof verkaufen. Er selbst würde mehr Geld für Milch ausgeben, wenn die Bauern dafür besser bezahlt würden. So aber kauft er seine Milch im Supermarkt. Auch Michael (30) und Rebecca (26) aus Günzburg kaufen ihre Milch in Discountern, achten aber auf bestimmte Marken-, Fair Trade- und Premiumprodukte.

Bereits mehr Geld für Milch - sie braucht bis zu einem Liter pro Tag - gibt Regina Barthold (68) aus Langenau aus. Sie kauft Biomilch für 1,10 Euro oder Heumilch für rund 1,40 Euro. Für Heumilch werden die Kühe nur mit Grünfutter, Heu und Getreide gefüttert.