Dettingen ist der Shooting-Star

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  • IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp und Beatrix Andriof haben gestern die Ergebnisse der Standortzufriedenheitsumfragen vorgestellt. 1/2
    IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp und Beatrix Andriof haben gestern die Ergebnisse der Standortzufriedenheitsumfragen vorgestellt. Foto: 
  • Für viele Unternehmen in der Region sind die aktuellen Internetübertragungsraten zu gering. Sie fordern daher einen Ausbau der Breitbandversorgung mit Glasfaserkabeln. 2/2
    Für viele Unternehmen in der Region sind die aktuellen Internetübertragungsraten zu gering. Sie fordern daher einen Ausbau der Breitbandversorgung mit Glasfaserkabeln. Foto: 
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Der Strukturwandel ist bewältigt, die Region zwischen Echaz, Neckar und Eyach erlebt derzeit ein kleines Wirtschaftswunder. „Wir haben heute zukunftsträchtige Branchen über alle Kreise hinweg“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp. Tübingen habe sich hier unter anderem durch Biotechnologie und Medizintechnik einen leichten Vorsprung erarbeitet.

Nach fünf Jahren hat die IHK Reutlingen wieder ihre Mitglieder befragt, wie zufrieden sie mit dem Standort sind. Über 12 000 Unternehmen in den drei Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb wurden angeschrieben, über 2250 haben den Fragebogen mit seinen 27 Fragen beantwortet.

Klares Standortbekenntnis

Das Resultat: Die heimischen Unternehmen sind mit dem Standort zufrieden, die Standortzufriedenheitsumfrage ergab wie auch 2012 als Gesamtnote eine 2,2. Was den IHK-Hauptgeschäftsführer besonders freut: 75 Prozent der beteiligten Unternehmen würden den Standort weiterempfehlen. „Das werten wir als klares Standortbekenntnis“, freut sich Beatrix Andriof, Leiterin Volkswirtschaft und Fachkräftesicherung bei der IHK Reutlingen. 28 Prozent der Unternehmen sagen, dass sie in den kommenden Jahren hier flächenmäßig erweitern wollen. Diese Ergebnisse zeigten, so Epp, das Potenzial, das die Region als Wirtschaftsstandort habe.

Am stärksten hat die Region gegenüber 2012 beim Image zugelegt. Die Unternehmen sind zufrieden mit den kulturellen, sportlichen und sonstigen Freizeitangeboten, den Einkaufsmöglichkeiten und auch der Sicherheit, auch wenn die Zahl der Einbrüche in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Ebenfalls geschätzt wird die sichere und zuverlässige Stromversorgung. Vor fünf Jahren gab es hier nach dem Wechsel zur rot-grünen Landesregierung 2011 durchaus Bedenken auf Unternehmerseite.

Wo Stärken sind, gibt es auch  Defizite. Vor allem bei Infrastrukturthemen sehen die Betrieb Nachholbedarf. Die Top-5-Liste der Schwächen führt die Breitband-Versorgung an. Hier ist die Diskrepanz zwischen der Wichtigkeit für die Unternehmen einerseits und der tatsächlichen Zufriedenheit andererseits am größten. Eine Durchleitungsgeschwindigkeit von 50 Megabit/Sekunde sei nicht nicht zeitgemäß. „Wir brauchen Glasfaser.“ Bei der Breitbandversorgung fordert die IHK mehr Geschwindigkeit beim Ausbau und auch den Mut, neue Verlegetechnologien zu nutzen.

Bemängelt wird auch das Fehlen beruflich qualifizierter Fachkräfte, zu wenig Wohnraum, hohe Kosten für Gewerbeimmobilien sowie die Erreichbarkeit über die Straße. „Wir haben Luft nach oben und müssen die bestehenden Probleme angehen“, mahnt der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Was die Straßenanbindung angeht, fordert die IHK alle Beteiligten auf, die Planungen schneller voran zu treiben, um die wichtigen Strecken wie die vierspurige B 27 oder die Achse Reutlingen-Albaufstieg-Engstingen in den kommenden Jahren zu realisieren. Dazu gehört auch die Südostumfahrung von Orschel-Hagen, wie die Dietwegtrasse jetzt offiziell genannt wird. Laut Epp war es ein Fehler des Reutlinger Gemeinderats, 2007 die Planungen einzustellen. Immerhin wurden jetzt nach der Aufnahme der Trasse in den „Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes“ 350 000 Euro an Planungsleistungen bereitgestellt.

Bevölkerung wächst stark

Seit 2012 sind 22 000 Frauen und Männer, darunter 7000 Flüchtlinge, neu in die Region gezogen, was die Lage auf dem Wohnungsmarkt verschärft hat. Beim Thema Wohnraum plädiert die IHK dafür, Wohnungen auch im ländlichen Raum zu suchen.

Kritisch betrachtet die Kammer die Entwicklung bei den Gewerbeflächen. Im Vergleich zur Vorgängerumfrage von 2012 hat die Region sowohl bei der Verfügbarkeit sowie den Kosten von Gewerbeflächen schwächer abgeschnitten. Angesichts der Tatsache, dass über ein Viertel der Unternehmen an ihrem Standort erweitern möchte, gewinne die Ausweisung von Gewerbeflächen immer mehr an Bedeutung, betonte Epp. Er plädierte für ein Umdenken bei den Bürgern: Gewerbeflächenentwicklung nach dem Sankt-Florian-Prinzip – grundsätzlich ja, aber bitte nicht vor meiner Haustüre – funktioniere nicht mehr. „Ein starker Industriestandort braucht breite gesellschaftliche Unterstützung, dafür müssen sich beide Seiten bewegen“, unterstrich der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Wie die Kommunen im Einzelnen bewertet wurden, wollte Epp noch nicht verraten, da diese Auswertung noch nicht abgeschlossen sei: Nur eines: „Dettingen ist der Shooting-Star.“ Die Ermsgemeinde hat unter allen Kommunen am besten abgeschnitten.

Bei der IHK-Standortzufriedenheitsumfrage wurden insgesamt 27 Kriterien aus den Themenfeldern Infrastruktur & Verkehr, Fachkräfte & Bildung, Standortattraktivität und Kosten abgefragt. Die teilnehmenden Unternehmen konnten dabei direkt angeben, wie zufrieden sie mit der Situation in ihrer Gemeinde sind und welche Standortfaktoren für sie die höchste Wichtigkeit haben. Die Umfrage erfolgte im ersten  Quartal 2017 mit Unterstützung des EWAS-Instituts aus Hannover.
Gleichzeitig wurde die Befragung auch in den IHK-Bezirken Bodensee-Oberschwaben und Ulm gemacht. Somit liegen Daten für den gesamten Regierungsbezirk Tübingen vor.

In der Region Neckar-Alb wurden 12 472 Betriebe angeschrieben, davon haben 2256 geantwortet, das entspricht einer beachtlichen Rücklaufquote von rund 18 Prozent.

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