Ein Countdown wie beim Raketenstart: Als Schlagzeuger Sascha Madsen am Samstag die Bühne der Werkhalle des Roxy betrat, war das für die rund 1200 Fans beileibe noch nicht das ersehnte Startsignal. Sascha von der niedersächsischen Indie-Rock-Band Madsen, die sich vor 15 Jahren nach dem Familiennamen der drei Brüder Johannes (Gitarre/Gesang), Sebastian (Gesang/Gitarre) und Sascha benannte, nutzte nur die Gelegenheit, den Support persönlich vorzustellen.

Rapper Ferris MC (bürgerlich Sascha Reimann), der Ende der 1990er zusammen mit Afrob den Hit „Reimamonster“ landen konnte und eine Dekade lang festes Mitglied bei Deichkind war, als die gerade ihre erfolgreichste Zeit erlebten, würde man eher nicht auf einem Rockkonzert erwarten. Nun hat Reimann aber wohl ernst gemacht und seine Rapper-Karriere zugunsten der Rockmusik beendet. Und das mit Hilfe von Madsen, die das Album „Wahrscheinlich nie wieder vielleicht“ (Arising Empire/Warner) produzierten, das in zwei Wochen in die Läden kommen soll. Mit Begleitung einer eigenen Band rotzte Ferris MC fast alle 14 Songs dieser Platte runter. Stilistisch bewegte er sich dabei zwischen Pop-Punk und Neuer deutscher Härte, textlich könnte etwa „Amok Amok Amok“ auch als Nachfolger des Tote-Hosen-Songs „Bonnie und Clyde“ durchgehen. Alles recht simpel gehalten, von der Gesangsleistung her allenfalls ok, aber sehr effektiv zum Party-Machen.

Akute Platznot

Mit Madsen selbst ging die Rakete dann endgültig ab durch die Decke. Schon mit dem Intro „Wenn es einfach passiert“, wie etwa gut die Hälfte der Setlist von der aktuellen Platte „Lichtjahre“, holte Sebastian die Fans direkt zum Mitsingen ab. Anderthalb Stunden lang hauten die Jungs, die auf der Bühne von Lisa Nicklisch am Keyboard und Gesang unterstützt werden, einen Mitsingkracher nach dem anderen unter das ausgelassene Volk. Zum neuen Material gesellten sich alte Hits wie „Nachtbaden“ oder „Die Perfektion“, das Klaus Lage-Cover „1000 und 1 Nacht (Zoom!)“ brachte Abwechslung und im Zugabenblock feierte „Keiner“ Livepremiere. Obwohl die Gäste bereits wie die Ölsardinen eingepfercht waren, bildete sich immer wieder mitten in der Halle ein großer Moshpit, in dem gepogt wurde. Da war für viele Besucher akute Platznot programmiert, ein Einsatz des Sanitätsteams kam nicht überraschend.

Die Veranstalter sollten sich vielleicht generell Gedanken machen, ob weniger nicht manchmal mehr wäre. Ordentlich geflogen ist die Rakete Madsen aber allemal.