Umwelt Ludwigsburg stellt auf 100 Prozent Recycling um

Stuttgart / Uwe Roth 04.06.2018

Die Stadt Ludwigsburg will ab 2019 auf Produkte setzen, die zu hundert Prozent recycelt werden können. Das Prinzip heißt „Cradle-to-Cradle“ (C2C), dahinter steckt eine eingetragene Handelsmarke. Übersetzt spricht man vom „Wiege-zur-Wiege“-Ansatz (in Abwandlung an das Sprichwort „Von der Wiege bis zur Bahre“). Aus Rohmaterialien werden am Ende wieder Rohmaterialien.

Um ihr Konzept der nachhaltigen Stadtentwicklung auszubauen, hat die Ludwigsburger Verwaltung eine Dienstanweisung erlassen. Sie soll von 2019 an umgesetzt werden und verpflichtet die Rathausmitarbeiter dazu, bei der Beschaffung darauf zu achten, ob es neben den üblichen Produkten auf dem Markt solche mit einem C2C-Zertifikat gibt. Sollte es dieses nicht geben, müsste das Produkt zumindest das Ökosiegel „Blauer Engel“ tragen.

Das kommunale Beschaffungswesen nach und nach auf C2C-Produkte umzustellen, ist eine Herausforderung. Die Bundesgeschäftsstelle des C2C-Vereins mit Sitz in Berlin kennt zumindest in Deutschland keine Stadt, die sich selbst eine solche Verpflichtung auferlegt hat. Als Vorbild wird allgemein die Stadt Venlo in den Niederlanden genannt, die ähnlich groß ist wie Ludwigsburg und seit 2012 ein eigenes C2C-Zentrum hat.

Kompostierbare Textilien

Der aus Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) stammende Chemiker Michael Baumgart hat das Konzept einer hundertprozentigen Müllvermeidung gemeinsam mit dem US-amerikanische Architekten William McDonough Anfang der 2000er Jahre vorgestellt. Seither wächst die Zahl der nach diesem Prinzip hergestellten Produkte. So müssen beispielsweise Textilien komplett kompostierbar sein, und auch die enthaltenen Farben dürfen im Erdreich keine Chemikalien hinterlassen. In diesem Bereich und in dem der Reinigungsmittel gibt es bislang die meisten zertifizierten Angebote.

Andere Produkte gehen nach einer bestimmten Gebrauchszeit, für die der Kunde gezahlt an, wieder zum Hersteller zurück. Der ersetzt die Verschleißteile und bietet das Gerät erneut zum Verkauf oder Verleih an. Die Idee dahinter: Der Hersteller verwendet hochwertige Materialien, weil er von der Langlebigkeit seines Produkts direkt profitiert.

Die Rathausspitze versteht die Dienstanweisung an die Mitarbeiter als ein Signal an den Markt. So beschaffe man Güter im zweistelligen Millionenbereich. „Durch die Nachfrage nach diesen Produkteigenschaften geben wir Impulse an die Hersteller“, ist man überzeugt.

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