Gestern Vormittag hat Bürgermeister Jochen Ogger ein Päckchen bekommen, auf das er lieber verzichtet hätte: Unterschriften gegen den Bebauungsplan "An der Lone". Etwa 400 Bürger haben nach Angaben der Initiatoren in den vergangenen Monaten unterschrieben, die damit ihr erstes Etappenziel erreicht haben dürften: Wenn mindestens sieben Prozent der wahlberechtigten Lonseer unterzeichnen, das sind derzeit nach Angaben der Gemeinde 272, ist das Bürgerbegehren erfolgreich. Offiziell feststellen werde das der Gemeinderat in seiner Sitzung am 9. Mai, sagt Ogger. "Ich gehe davon aus, dass das Begehren zulässig ist", meint Ogger. Dann kann sich die Verwaltung bis zu vier Monate Zeit lassen, um die Lonseer über folgende Frage abstimmen zu lassen: Sind Sie gegen die Aufstellung eines Bebauungsplans für Gebiete, die im heutigen Landschaftsschutzgebiet Lonetal liegen? Damit wäre Lonsee die erste Gemeinde im Alb-Donau-Kreis, in der die Einwohner über einen Bebauungsplan abstimmen. Das ist in Baden-Württemberg seit dem 1. Dezember 2015 möglich. Wenn dann die Mehrheit, mindestens aber 20 Prozent der Wahlberechtigten ihr Kreuzchen bei Ja machen, ist der Bebauungsplan "An der Lone" Geschichte.

Dessen Aufstellung hat der Gemeinderat am 18. Januar bei zwei Gegenstimmen beschlossen. Der Plan soll zum einen die Voraussetzungen schaffen für ein Wohngebiet mit etwa 26 Bauplätzen für freistehende Einfamilienhäuser oder Doppelhäuser. Das fragliche Areal wird bislang landwirtschaftlich genutzt. Zudem soll ein landwirtschaftliches Anwesen abgerissen werden, um dem "neuen Zentrum" Platz zu machen. Dieses "neue Zentrum" soll aus drei Gebäuden bestehen, in denen unter anderem betreutes Wohnen und eine Tagespflege angeboten werden. Mit einem Investor und einem Betreiber sei bereits "alles startklar", sagt Bürgermeister Ogger.

Gegen das "neue Zentrum" haben die Initiatoren des Bürgerbegehrens nichts einzuwenden, sagt ihr Sprecher Gunther Bott. Dieses zu realisieren, wäre auch auf anderem Weg als zusammen mit dem Wohngebiet möglich, meint er. "Das ist alles lösbar." An dem geplanten Wohnungsbau kritisieren Bott und seine Mitstreiter - zumeist Anwohner, "die direkt konfrontiert sind" - in erster Linie, dass das Gebiet aus dem Landschaftsschutzgebiet "Lonsee" herausgelöst werden soll (siehe Infokasten). Zum Zweiten verweisen sie auf den moorigen Untergrund, der viele hydrogeologische Unwägbarkeiten berge. Die Gemeinde will, wie Bürgermeister Ogger sagt, demnächst ein hydrologisches Gutachten in Auftrag geben, doch kommt dieses nach Ansicht von Gunther Bott zu spät: "Hier wird der zweite Schritt vor dem ersten getan." Anstatt das Gelände an der Lone mit großem Aufwand aufzuschütten - die Gemeinde rechnet mit 15 000 bis 20 000 Kubikmetern -, wäre es sinnvoller, das Wohngebiet "Vogeläcker Süd" am östlichen Ortsrand zu erweitern, meint Bott.

Bürgermeister Ogger dagegen hält den Aufwand für vertretbar, zumal die Gemeinde für die geplante Auffüllung der Zufahrtsstraße nicht nur das Material, sondern auch noch Geld bekommen würde. In Lonsee sei das Interesse an den Bauplätzen im Gebiet "An der Lone" bereits "gigantisch", den bisher genannten Preis von 170 Euro pro Quadratmeter bezeichnet der Bürgermeister "auch im Vergleich zu den Nachbargemeinden" als angemessen. Zumal in unmittelbarer Nähe des Ortskerns gebaut werde. "Das läuft unter Innenentwicklung."

Vorläufig steht hinter der Planung ein großes Fragezeichen. "Wir müssen abwarten, wie die Bürgerschaft entscheidet", sagt Ogger und betont, dass der Entscheid - sobald die Zulässigkeit des Begehrens festgestellt ist - nicht lange auf sich warten lassen werde. Das wäre auch im Sinne der Initiatoren. Möglichst noch vor den Sommerferien sollten die Lonseer über das Schicksal des Bebauungsplans "An der Lone" abstimmen, meint Gunther Bott.

Öffentlich ausgelegt

Verfahren Für den Bebauungsplan "An der Lone" sollen 1,6 Hektar (16 000 Quadratmeter) aus dem etwa 2280 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet "Lonsee" herausgenommen werden. Zu diesem Zweck hat das Landratsamt Alb-Donau die Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet geändert und den Entwurf öffentlich ausgelegt. Bis gestern konnten dazu Einwände und Anregungen vorgebracht werden.

SWP