Auf den Straßen am Oberelchinger Ortseingang reiht sich Auto an Auto, es geht nur noch im Schritttempo voran. Ein Parkplatz ist an diesem windigen Sonntagnachmittag dort schwer zu ergattern – und vor dem Konstantin-Vidal-Haus wächst die Schlange junger Menschen immer weiter. Für ahnungslose Passanten könnte es fast den Anschein machen, als habe sich ein Pop- oder Filmstar in den beschaulichen Ort verirrt. Der Grund, warum gestern so viele nach Oberelchingen kamen, ist jedoch ein ganz anderer. Für den 17-jährigen Lukas aus Unterfahlheim, der an Leukämie erkrankt ist, wird ein Stammzellenspender gesucht.
Der Aufruf für die Typisierungsaktion, die Lukas Kollegen vom Fischereiverein Elchingen organisiert haben, löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Schnell war klar: Selbst die optimistischen Erwartungen wurden angesichts dieser Masse an Freiwilligen übertroffen. „Da gab es für mich nicht viel zu überlegen“, sagt Benjamin Hock, der ursprünglich aus dem Langenauer Stadtteil Göttingen kommt und in Giengen an der Brenz lebt. Auch seine Kumpels haben mitgemacht, berichtet er. Am Ende sind es insgesamt 1323 Menschen, die sich typisieren lassen.

So läuft die Typisierung ab

Wie alle hat er am Eingang einen Fragebogen bekommen, in den er zuerst einige persönliche Daten eintragen muss. Danach heißt es anstellen. „Es ist toll, dass so viele Leute mitmachen“, freut sich Hock. Auch für Martin aus dem Leipheimer Stadtteil Riedheim war sofort klar, dass er mitmachen will, als er von der Aktion hörte. „Wenn man selber in so einer Situation ist, ist man auch froh, wenn einem jemand hilft“, sagt er.
Im ersten Stock werden die Fragebögen dann von Mitarbeitern der Stefan-Morsch-Stiftung überprüft, die für die Kosten der Aktion aufkommt. Dann folgt die eigentliche Typisierung, bei der mittels eines Wattestäbchens ein Abstrich der Mundschleimhaut gemacht wird. Mitglieder des Fischereivereins nehmen die Proben und die Bögen entgegen. Wie Elisabeth Pfaff von der Stefan-Morsch-Stiftung erklärt, werden im Labor dann die genetischen Merkmale des blutbildenden Systems, die sogenannten HLA-Daten, jedes Spenders erfasst. Nicht nur die Stefan-Morsch-Stiftung hat eine Datei mit potenziellen Spendern aufgebaut. Vielmehr gebe es 26 davon in Deutschland, erklärt Pfaff. Gesammelt werden alle Dateien aber in Ulm beim Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD), wo die Daten anonymisiert verwaltet werden. Dass die Aktion in der Nähe des Wohnortes von Lukas stattfinde, erhöhe die Chancen auf einen Treffer, erklärt Pfaff. Denn dort könnten mehr gleiche genetische Merkmale auftreten. Spender, die für andere Betroffene infrage kommen, würden aus der Aktion sicher hervorgehen, sagt Pfaff. Was die Freunde von Lukas in Oberelchingen auf die Beine gestellt hätten, sei überwältigend.

Lukas verfolgte Aktion per Messenger

Das findet auch Silvia H., die Mutter von Lukas. „Wir sind sprachlos. Das ist Wahnsinn“, sagt sie. Lukas, der während der ganzen Aktion per Messengerdienst auf dem Laufenden gehalten wird, sei gerührt und begeistert. „Wir haben alles mobil gemacht, was gegangen ist“, betont Silvia H. Jedoch habe sie nicht mit einer derartig großen Resonanz gerechnet. Feuerwehren, Faschings- und Fußballverein: Ganze Gruppen sind zur Typisierungsaktion angereist. Neben Lukas Umfeld haben auch Firmen die Werbetrommel gerührt.
Auch die Initiatoren der Aktion aus Lukas’ Fischereiverein waren überaus zufrieden. Rund 35 Helfer hatten alle Hände voll zu tun. Wie Jugendleiter Michael Steck erklärt, habe man nicht tatenlos zusehen wollen, nachdem Lukas die Diagnose erhalten hatte. Ein Jugendleiterkollege sei schließlich bei Recherchen auf die Stefan-Morsch-Stiftung gestoßen, mit der die Aktion nun gestemmt wurde. „Es war für alle eine Selbstverständlichkeit zu helfen.“ Dass aus einem spontanen Gedanken eine so große Unterstützungsaktion werden kann, machte am gestrigen Nachmittag allen Anwesenden Hoffnung.

Info Mit dem Verein „Heart for Life“ organisiert die Stiftung „Aktion Knochenmarkspende Bayern“ (AKB) in Senden eine Typisierungsaktion für Lukas und andere Betroffene. Termin: Sonntag, 17. Februar, von 11 bis 16 Uhr, im Bürgerhaus.

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