Wo heute in Saus und Braus gefeiert wird, wo Millionen Besucher im Vergnügungspark mit leichter Hand Speisen und Getränke ordern, scheinen die bescheidenen Anfänge weit weg zu sein. Wer vor 500 Jahren vom „Wasen“ sprach, meinte „das grüne Ufer eines Flusses“. Damals war die ebene Fläche zwischen Cannstatt und dem Neckar noch eine landwirtschaftliche Fläche, die immer wieder vom Fluss überschwemmt wurde, berichtet Daniel Kuhn. Er hat als Kenner der Materie im neuen digitalen Stadtlexikon  von Stuttgart über den Wasen geschrieben.
Das Gelände „erfuhr 1817 eine prägende Veränderung“ schreibt Kuhn. König Wilhelm I. hatte das Stück Land von der Stadt Cannstatt übernommen und daraus einen Übungsplatz für die Stuttgarter Garnison gemacht, aber auch darauf geachtet, dass das Gelände zivil genutzt werden konnte.
Diese Möglichkeit nutzte Wilhelm im Jahr danach selbst, als er 1818 das „landwirtschaftliche Fest zu Cannstatt“ ausrief. Der König erinnerte laut Kuhn so an den ersten Erntewagen, der nach der  Hungersnot 1816/17  wieder nach Stuttgart kam. Hauptursache des Elends war die Klimakatastrophe nach dem Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im Jahr 1815. „Es war eine ganz furchtbare Zeit“, stellt Wulf Wager fest. Der Autor des neuen Buches „Cannstatter Volksfest“ schildert, dass mit der landwirtschaftlichen Schau auch ein Fest verbunden war. Daher versammelten sich schon im ersten Jahr die Massen rund um die Fruchtsäule.
An diese Anfänge erinnert das historische Volksfest, dass vom 28. September  bis 14. Oktober im Zentrum der Landeshauptstadt gefeiert wird. Mit Quacksalbern, Gauklern, Seiltänzern sowie historisierenden Speisen  und alter Musik bietet der Schlossplatz das Ambiente eines historischen Rummels. Eine Schiffsschaukel, eine Hutwurfbude und andere traditionelle Fahrgeschäfte lassen die Vergangenheit rund um das Traditionszelt lebendig werden. Manche Fahrgeschäfte, wie ein alter Autoscooter, seien Jahrzehnte nicht mehr in Betrieb gewesen und jetzt extra renoviert worden, sagt Christian Eisenhardt von der städtischen Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart an. „So etwas wird in Deutschland und ganz Europa in den nächsten Jahren nicht zu sehen sein“, sagt Jürgen Weiser vom Deutschen Landwirtschaftsmuseum der Universität Hohenheim, über den Rummel und die landwirtschaftliche Schau, die das Museum rund um die Jubiläumssäule von 1841 präsentiert.