Bei Ulms neuster Werbekampagne fühlt man sich wie das Känguru aus den Geschichten von Marc-Uwe Kling: Bei diesem Entscheidungsmoment wäre man gerne dabei gewesen. Wie lief das bei den PR-Zuständigen der Stadt Ulm? „Hey, wir brauchen jetzt mal eine Kampagne für junge Leute. Damit die wählen gehen. Muss schnell gehen. Und soll nicht viel kosten.“
Aber wie erreicht man die jungen Leute, welche Sprache verstehen sie? Genau, Jugendsprache. Und von wem erfährt man, wie die Kids von heute so talken? Genau, vom Langenscheidt-Verlag, der jedes Jahr in einer minutiös durchorchestrierten PR-Aktion das „Jugendwort des Jahres“ kürt. Ehrenmann! Das klingt hip und im Zweifelsfall versteht es auch die Oma. Und wer möchte kein Ehrenmann/keine Ehrenfrau sein? Wer da nicht wählen geht - dem kann man halt auch nicht mehr helfen.

Die Stadt Ulm hat es sich mit ihrer Kampagne zu einfach gemacht

Spaß beiseite: Das Anliegen der Stadt, junge Menschen an die Urne zu locken, ist verständlich und angesichts einer Wahlbeteiligung von 37,5 Prozent der 16- bis 29-Jährigen bei der letzten Kommunalwahl auch dringend nötig.
Aber warum gehen junge Menschen nicht wählen? Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg hat dazu 16- bis 21-Jährige befragt. Von 1273 Personen gaben rund 55 Prozent an, es gebe keine Partei, die ihre Interessen vertritt. 43 Prozent sind nicht überzeugt von den Kandidaten. Diese Wahrnehmung lässt sich doch nicht mit bunten Plakaten und flotten Sprüchen beeinflussen.
Natürlich kann es nicht Aufgabe der Marketing-Abteilung der Stadt Ulm sein, das politische Profil der Parteien zu schärfen. Dennoch haben die Verantwortlichen es sich hier zu einfach gemacht. Warum nicht eine Kooperation mit Youtubern aus der Region? Oder man bezieht die Zielgruppe selbst gleich mit ein und gibt der Kampagne ein echtes Gesicht, statt einen generischen (und im Übrigen nicht gerade wie 20 wirkenden) Bartträger auf Plakate und Postkarten zu klatschen.

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