Die Zeit um Weihnachten bietet immer tolle Gelegenheiten, mit Freunden und Verwandten kräftig zu feiern. Nur: Irgendwann ist das traditionelle Klassentreffen am 23. Dezember vorbei, der Heilige Morgen am 24. Dezember ist ebenfalls abgefestet, und Heiligabend und die Feiertage bei der Familie sowieso - was nun?
Kein Grund bis Silvester ins tiefe, schwarze Loch der Langeweile zu fallen: Es gibt ja noch das Christbaumloben. Hier gibt es alles Wissenswerte über diesen alten und ziemlich lustigen Brauch.

Was ist das Christbaumloben?

Dabei handelt es sich um eine Tradition vor allem in Teilen Baden-Württembergs und Bayerns: Man besucht in den Tagen nach Weihnachten seine Nachbarn im Ort - entweder auf Einladung oder auch organisiert in Gruppen. Im Wohnzimmer wird dann die Schönheit des jeweiligen geschmückten Christbaums gepriesen. Im Gegenzug gibt es dafür vom Gastgeber ein Schnäpsle oder einen Likör.

Woher kommt der Brauch des Baumlobens?

Die Wurzeln sind unklar. Den Brauch soll es schon geben, seit der Christbaum allgemein hierzulande populär wurde - also Ende des 19. Jahrhunderts. Der Brauch diente wohl der Geselligkeit und Kontaktpflege in den Dörfern. Außerdem gilt ganz profan: Das Christbaumloben ist eine tolle Gelegenheit, mit Freunden um die Häuser zu ziehen. Schließlich gibt es jedes Mal ein Schnäpsle, bei großzügigen Gastgebern auch zwei, oder drei. Und zuweilen kann man auch selbst gebackene Weihnachtsplätzchen schnorren.

Christbaumloben in Corona-Zeiten nur mit Regeln

Allerdings: In Corona-Zeiten sollten die aktuellen Corona-Verordnungen und Regeln für Baden-Württemberg und Bayern berücksichtigt werden, schließlich handelt es sich um private Treffen, bei denen Ansteckungen vermieden und die Ausbreitung des Virus und seiner Varianten vermieden werden muss.
 
Das Christbaumloben wird allmählich auch überregional populär, vor allem durch das Internet und Social Media. Der Zeitraum der Tradition: Zwischen Weihnachten und Dreikönig - also vom 24.12. bis 6.1.

Wie kommt man zum Christbaumloben?

Oft bilden sich Gruppen, zum Beispiel aus der Nachbarschaft, Vereinen, dem Büro oder der Clique, die einander besuchen. Man kann auch gerne eine neue Gruppe gründen. Das Christbaum loben muss nicht immer in Gruppen stattfinden. Es ist durchaus üblich, als Paar oder Familie eingeladen zu werden.

Was muss man als Besucher oder Gastgeber beachten?

Eigentlich nichts. Es lohnt allerdings, sich vorher ein paar Gedanken zu passenden Lobeshymnen auszudenken, hier ein paar Beispiele:
  • „Mensch, das ist aber mal ein strammer Bursche!“
  • „Was für ein schöner Wuchs - bolzengerade!“
  • „Das muss ja ewig gedauert haben, den so toll zu schmücken!“
  • „Habt ihr schon darüber nachgedacht, das professionell zu machen?“
  • „Raffiniert, wie die Farbe der Kugeln mit dem Sofa harmoniert“.
  • „Also mal ehrlich - der vom Nachbarn ist lange nicht so schön!“
Bei der Lobhudelei darf gerne hemmungslos übertrieben werden - es nimmt eh keiner wirklich ernst. Allerdings lohnt sich eine gewisse Steigerung beim Lobpreisen des Bäumles. Also lieber anfangs sparsam loben, bis der erste Schnaps eingeschenkt ist. Danach Schritt für Schritt anziehen. Profis zocken so locker drei bis vier Runden ab.

Bloß keine lallenden Besucher im Wohnzimmer

Aber: Ein No Go ist, zum Christbaum loben schon völlig bedudelt anzutreten - keiner hat gern lallende Lobhudler im Wohnzimmer stehen. Das ist schnell passiert, aus einer Tour kann ruckzuck ein veritables Besäufnis werden. Vor allem, wenn man in der Gruppe durch die Gemeinde zieht und viele Stationen abklappert.
Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Gastgeber und eitle Christbaumschmücker sich für die Tage nach dem Fest ordentlich mit Spirituosen eindecken sollten - nichts ist peinlicher, als „trockengelobt“ zu werden.
Und wenn das Zeug etwas taugt, kommen alle im nächsten Jahr gerne wieder – und loben umso euphorischer. Selbst wenn das dürre Ding noch vom letzten Jahr stammen oder gar aus Plastik sein sollte.