Mit seinen Aussagen zum umstrittenen Ballermann-Song „Layla“ hat OB Gunter Czisch den Unmut des Ulmer Frauenforums auf sich gezogen. In einem offenen Brief an den OB äußern sich die Sprecherinnen des Forums enttäuscht über Czischs Gleichgültigkeit.
Der Song der Interpreten „DJ Robin und Schürze“ macht aktuell wegen vor allem seines frauenfeindlichen Textes Schlagzeilen. Es geht um eine „Puffmutter“, Städte wie Würzburg und Düsseldorf haben das Abspielen des Songs auf öffentlichen Festen verboten. OB Czisch hatte sich in der SÜDWEST PRESSE klar gegen ein solches Verbot ausgesprochen und gesagt, er finde „die gesamte Debatte daneben“ und habe „kein Verständnis für so eine Diskussion“.

Grenzen aufzeigen

In ihrem Brief an Czisch äußern die Sprecherinnen des Ulmer Frauenforums darüber ihr „völliges Unverständnis“. Es gehe ihnen nicht darum, den moralischen Zeigefinger zu heben, schreiben Gülay Kul, Ditte Endriß, Samira Nakhaeizadeh, Sevim Öztürk und Gudrun Schmid. Allerdings sei es notwendig, klare gesellschaftliche Grenzen aufzuzeigen. „Wir haben den Standpunkt, dass über sexistische Texte, die Frauen beleidigen, diskutiert werden muss. Hier erinnern wir daran, dass in unserer Stadt schon seit längerem ein runder Tisch zum Thema Menschenhandel und Prostitution stattfindet.“
Im Herbst 2021 sei sogar die internationale Fachkonferenz „Wege aus Menschenhandel und sexueller Ausbeutung im Donauraum“ in Ulm abgehalten worden. Und auf dem gerade erst zu Ende gegangenen Donaufest habe es zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Menschenhandel und Prostitution gegeben.
Die Frauen weiter: Einstimmig habe der Gemeinderat vor wenigen Tagen das Konzept für „Chancengleichheit und Vielfalt“ beschlossen. Zudem gebe es ein aktives Ulmer Bündnis gegen Zwangsprostitution und ein aktives Frauenforum.

Stellung beziehen

Zwar habe der OB keine Handhabe, dieses „hochgradig sexistische Lied auf Ulmer Festivitäten zu verbieten“, schreibt das Frauenforum: „Aber es wäre sehr wünschenswert, wenn wichtige Personen des öffentlichen Lebens in dieser Debatte eine klare Haltung und Stellung beziehen würden. Von Ihnen, Herr Czisch, erwarteten wir, dass Sie, wenn Sie das Lied nicht verbieten können, wenigstens eine Empfehlung für die kommenden Festlichkeiten ausgesprochen hätten.“
Auch Czischs Aussage zur Kunstfreiheit wollen die Frauen nicht unwidersprochen stehen lassen, „wenn die Kunstfreiheit dazu führt, Menschenrechte infrage zu stellen“.
Fazit des Frauenforums: „Nein, wir können dieses schlechte Lied nicht verbieten. Aber wir können etwas dafür tun, dass Schrott in Ulm nicht erwünscht ist.“ Und abschließend: „Wir hoffen, dass wir bei ähnlichen Vorkommnissen von Ihnen als Stadtoberhaupt Aussagen hören, die 50 Prozent der Stadtbevölkerung betrifft, nicht beleidigt. In unserer Stadt ist kein Platz für menschenverachtenden Sexismus!“