Diabetes und Parodontitis bedingen sich gegenseitig. „Sie sind eng miteinander verzahnt“, wie Dr. Beate Lerach, niedergelassene Zahnärztin mit Praxis in der Fischergasse, erklärt. Während Diabetes inzwischen als Volkskrankheit in der Gesellschaft angesehen wird, liegen die Risiken und Wechselwirkungen von Parodontitis noch in einer Art Schattenwelt. „Die Bedeutung der Mundgesundheit ist in der Allgemeinmedizin noch nicht vollständig angekommen.“
Die Parodontologieexpertin berichtet von einem Patienten mit sanierungsbedürftigem Zahnzustand.  „Doch nicht etwa aufgrund mangelnder Zahnpflege. Trotz aller Bemühungen des Mannes konnte er seine Zahngesundheit nicht aufrechterhalten. Der Zahnhalteapparat war stark entzündet.“ Die Ursache? „Ein schlecht eingestellter Diabetes!“ Geraten Parodontitis-Bakterien in die Blutbahn, kann das Resultat folgenschwer ausfallen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, untergewichtige Frühgeburten, ein schlecht eingestellter Diabetes – bis hin zu Schlaganfällen.

Das unpopuläre Volksleiden

Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates. Etwa 10 Millionen Bundesbürger haben Parodontitis. Die Crux: Da eine Parodontitis anfänglich keinerlei Beschwerden verursacht, bleiben die Konsequenzen zunächst meist unentdeckt. Es bilden sich Zahnfleischtaschen, in denen sich aggressive Bakterien entwickeln. Der Parodontologin ist es ein Anliegen „ein Bewusstsein im Patienten zu schaffen.“ Dafür greift sie auf Schaubilder zurück, anhand derer sich der schleichende, aber fortschreitende Parodontitisverlauf aufzeigen lässt.Die gute Nachricht: Bei der Parodontitis kann ein entzündungsfreier Zustand durch regelmäßige und prophylaktische Zahnreinigung, sorgfältige häusliche Zahnpflege mit Zahnseide und Interdentalbürstchen, sowie einer langfristigen Ernährungsumstellung erreicht werden.

Die Diabetessprechstunde

Um das Diabetesrisiko abzuklären, findet ab November in der Diabetessprechstunde eine Schnellblutzuckermessung statt. Ein Fragebogen hilft dabei, das Risiko einzugrenzen. Im Anschluss findet eine Ernährungsberatung statt. Grüne Gemüsesmoothies und Omega-3-Fettsäuren, wie in Algenöl enthalten, helfen dabei, vorhandene Ernährungsdefizite auszugleichen. „Gerade bei Diabetes ist es wichtig, das Parodontitisrisiko abzuklären“, betont Lerach. „Diabetespatienten erkranken dreimal so häufig an Parodontitis, weil der erhöhte Blutzuckerwert Entzündungen begünstig. Ist der Blutzuckerwert hingegen richtig eingestellt, sinkt das Risiko.“

Langzeitblutzucker durch Parodontitisbehandlung senken

Eine unbehandelte Parodontitis kann die Insulinresistenz dadurch fördern, dass Entzünddungsprodukte der Bakterien aus den Zahnfleischtaschen in den gesamten Körper gelangen. Dort können sie zum Beispiel die Insulinrezeptoren blockieren. Eine Parodontitisbehandlung hilft dabei, den Langzeitblutzuckerwert zu senken. „Um das zu erreichen, müsste der Diabetespatient über drei Monate täglich 8 Kilometer joggen!“ Die Parodontitis Behandlung sollte also ein fester Bestandteil des Diabetesmanagements sein. Ebenso sei es Parodontitispatienten geraten, das Diabetesrisiko abklären zu lassen, um dem unheilvollen Duo rechtzeitig Einhalt zu gebieten.
Die Immunabwehr sinkt immens, wenn jemand eine schwere Parodontitis hat. „Wir sprechen hier von fast handtellergroßen Entzündungsflächen, vergleichbar mit einer offenen Wunde am Bein.“ Auf diese Weise kann eine Parodontitis außerdem den Verlauf einer schwerwiegenden Covid-19-Erkrankung begünstigen. „Diese Verbindung konnten Autoren internationaler Institute in Qatar, Kanada und Madrid aufzeigen“, sagt Lerach und verweist dabei auf das Journal of Clinical Periodontology (JCP). „Die Studie stellt die Erkrankungsverläufe von 568 Patienten im Zeitraum von Februar und Juli 2020 vor und verweist dabei auf ein höheres Risiko eines schwereren Verlaufs bei Covid-19-Erkrankungen.“

Kontakt

Dr. med. dent. Beate Lerach
Fischergasse 3
89073 Ulm

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Tel.:0731 62060
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