14 000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sind zwischen 1939 und 1944 nach Ulm verschleppt worden, um die deutsche Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten und die Zivilbevölkerung zu entlasten. Sie wurden auf Baustellen und Bauernhöfen, in Rüstungs- und Industriebetrieben, Haushalten und öffentlichen Einrichtungen ausgebeutet.
Eine von ihnen war Waclawa Galazka. 1929 in Lodz geboren, musste sie mit gerade mal 14 dort im Telefunkenwerk arbeiten und erlebte die brutalen Repressionen durch die deutschen Besatzer mit. In Lodz stellte Telefunken Radioröhren her, die in fast allen Waffengattungen der Wehrmacht benötigt wurden. Für die Herstellung der Röhren waren kleine Hände erforderlich, so dass vor allem junge Mädchen hierzu herangezogen wurden.
Im August 1944, als die Ostfront näher rückte, wurden Teile des Werks nach Ulm in die Wilhelmsburg verlagert und mit ihnen auch die Zwangsarbeiterinnen.
Bis zu 12 Stunden täglich musste das Mädchen unter albtraumhaften Bedingungen arbeiten. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Festung waren geprägt durch miserable hygienische Verhältnisse, Enge und Ungeziefer, chronische Mangelversorgung und dadurch Krankheiten. Für die Firmenleitung von Telefunken ging es nur um die volle Produktivität des Werks.
Nach dem Krieg konnte Waclawa Galazka nach einer Zeit in einem Lager für Displaced Persons in ihre Heimat zurückkehren. Es dauerte lange bis sie bereit war, noch einmal nach Deutschland zu kommen, zu tief saßen die Ängste und Verletzungen.
Glücksmomente: Waclawa Galazka nach der Befreiung 1945.
Glücksmomente: Waclawa Galazka nach der Befreiung 1945.
© Foto: Privat
1996 war Waclawa Galazka erstmals wieder in Ulm. Und 60 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs – am 1. September 1999 – kehrte sie mit einer Delegation zurück: für die Anbringung einer Gedenktafel am Eingang der Wilhelmsburg, begleitet von ihrer Tochter Katarzyna Bilicka. Bei ihrem letzten Besuch in Ulm 2013, stellte sie die Aussöhnung in den Vordergrund.
In diesem Jahr ist Waclawa Galazka gestorben. Ihr ist die Gedenkstunde am Volkstrauertag, Sonntag, 13. November, 11 Uhr, gewidmet, wenn in der KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg den Widerstandskämpfern von 1933 bis 1945 und den Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gedacht wird.
Im Mittelpunkt stehen Lesung und Gespräch mit Waclawa Galazkas Tochter Katarzyna Bilicka. Sie hat auf der Grundlage der Erinnerungen der Mutter ein Kriegstagebuch verfasst. Passagen werden auf der Gedenkfeier gelesen. Danach folgt ein ­Gespräch über die Familiengeschichte und die Perspektiven der zweiten Generation zum Thema Krieg und Zwangsarbeit.
Die Veranstaltung wird durch die Vereinsvorsitzende Elke Reuther eröffnet. Die Leiterin der Gedenkstätte, Nicola Wenge, führt in die historischen Hintergründe ein. Im Anschluss an die Gedenkstunde bietet Vorstandsmitglied Martin König eine Sonderführung durch die Gedenkstätte an. Um 14.30 führt Carmen Spalj durch die ehemaligen Häftlingsunterkünfte und die ehemalige KZ-Kommandantur. Die Gedenkstätte ist bis 17 Uhr geöffnet.