Aber er bringt nichts, wie eine junge Frau nach wenigen Augenblicken feststellt. Die Lenker und Pedale verkeilen sich mit den anderen Rädern. „Ich krieg es da nicht rein“, stellt sie fest. Man merkt, sie hat es eilig. Sie muss auf den Zug nach Aalen, wo sie arbeitet. Also stellt sie das Rad kurzerhand neben den Radständer, ohne es irgendwo anzuschließen.

Alle haben es eilig

Ja klar, das sei nicht besonders sicher. Das weiß sie. Weder gegen Diebstahl noch gegen Beschädigungen. Oftmals fallen die Räder um. „Manchmal liegt es abends unter anderen drunter.“ Aber es gebe halt keine Alternative momentan. Wegen der Baustelle gebe es zu wenig Fahrradständer. „Gut ist das nicht“, meint sie noch und hastet Richtung Bahnhof. Sie ist nicht die einzige, die den morgendlichen Umstieg vom Rad in den Zug möglichst kurz halten will. Alle Radler, die in der nächsten halben Stunde ankommen, scannen bei der Anfahrt kurz die Umgebung und nehmen, was irgendwie geht: Ein 41-Jähriger etwa, der täglich nach Oberkochen pendelt, stellt sein Rad an der Wand des Hauptpostgebäudes ab. „Toll ist das nicht, aber es ist ein altes Modell. Ich hoffe, niemand klaut es.“ Dass es in den Arkaden der Landeszentralbank in der Olgastraße ausreichend freie Abstellplätze gibt, ist für ihn kein Trost: „Das ist mir zu weit weg.“ Seine Zeit sei knapp bemessen: „Ich muss ja auf den Zug.“
Auch einer 55-jährigen Pendlerin, Dozentin an einer Hochschule in Schwäbisch Gmünd, ist das zu weit entfernt. „Da kann ich ja gleich zu Fuß gehen. So weit wohne ich gar nicht weg“, meint sie und schließt ihr Rad an die Stahlkette, die zwischen Betonpfeilern gespannt ist und sich gegenüber dem Postamt befindet. Dort reiht sich ebenfalls bereits Rad an Rad. Seitens der Stadt weiß man um das Problem, sieht aber keine Lösung. „Da ist nun mal die Baustelle, es gibt keinen Platz für weitere Anlagen“, sagt die Fahrradbeauftragte Sandra Clauß. Man habe bereits nachgerüstet: Eben unter den Arkaden bei der Landeszentralbank, auch am Theater gebe es Möglichkeiten. Und natürlich hinter dem Kaufhaus C&A – „da gibt es viele“. Sowie beim ZOB Ost und am Bahnhofssteg in der Schillerstraße, zählt sie auf. Dort ist ein zweistöckiger Fahrradständer installiert, der zurzeit allerdings etwas marode sei, sagt Sandra Clauß: „Der Winter hat ihm zugesetzt.“ Aber man kümmere sich darum.

Schwierig ausreichend Radständer aufzubauen

Die Bequemlichkeit einer Vielzahl der Pendler, wie man rund um die Hauptpost sieht, erzeugt Kopfschütteln: „Man muss doch nicht bis ans Gleis fahren können.“ Von der Bank bis zum Bahnhof seien es „zwei Minuten zu Fuß“, sagt Sandra Clauß. Dieser Ansicht ist auch Harald Walter, Leiter der Koordinierungsstelle Großprojekte bei der Stadt: „Vom ZOB und C&A ist man ruckzuck beim Bahnhof.“ Vor allem seitdem die Aufzüge zu den Gleisen in Betrieb genommen wurden. Das Leben sei zu kurz, um Zeit für Fußwege zu verplempern, sagt ein Mann, der täglich vom Eselsberg kommt. „Man will einfach direkt hierher fahren.“ Auch er schließt sein E-Bike an der Kette fest. „Sonst ist es nicht versichert.“ Es fehlten Plätze, da müsse man mehr tun. Denn es sei doch gut, mit dem Rad zu fahren, meint er. Parkplätze für Pkw gebe es immer. Die Dozentin in Schwäbisch Gmünd „akzeptiert, dass es aufgrund der Baustellen schwierig ist, ausreichend Radständer dort aufzubauen“. Aber sie erwarte, dass nach Bauabschluss endlich genügend Abstellmöglichkeiten vorhanden sind.

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Wo man Räder abstellen kann

Newsletter Immer mal wieder werden die Fahrradständer wegen der Baustelle versetzt. Und es gibt mehr als man denkt. Einen aktuellen Stand liefert der Newsletter der Stadt „Ulm baut um“. Neuigkeiten werden auch auf die Stelen geschrieben und manchmal werden extra Flyer verteilt, sagt Harald Walter.