Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) steht dem geplanten interkommunalen Gewerbegebiet zwischen Merklingen und Nellingen äußerst kritisch gegenüber. Das Gebiet westlich der Landesstraße 1230 „sprengt mit 50 Hektar Fläche alle Dimensionen“. Das sagte Christian Killius, der Vorsitzende des BUND-Kreisverbands Alb-Donau, vor Pressevertretern. Und bei dieser Größe – 50 Hektar entsprechen mehr als 70 Fußballfeldern – ­sei vielleicht noch nicht einmal Schluss.
Das Gelände nördlich der A-8-Anschlusstelle Merklingen hat Killius zufolge auch deshalb den Zuschlag als Gewerbestandort erhalten, weil es noch erweiterbar sei. Laut BUND ist dies auch die Absicht des zuständigen Regionalverbands Donau-Iller. Dessen Planungsausschuss hat bei der Festlegung der „Schwerpunkte für Industrie, Gewerbe und Dienstleistungseinrichtungen“ dem interkommunalem Industrie- und Gewerbepark sogar 70 Hektar eingeräumt.
Auch wenn der Laichinger Bürgermeister und Vorsitzende des Zweckverbands Region Schwäbische Alb, Klaus Kaufmann, auf der jüngsten Verbandsversammlung versichert habe, 50 Hektar seien die maximale Größe, habe der BUND Zweifel, dass dies tatsächlich so bleibt.

Zweifel an Zahl der Arbeitsplätze

Die Umweltschützer kritisieren ferner, dass das neue interkommunale Gewerbegebiet die zwölf Mitgliedskommunen des Zweckverbands nicht daran hindere, ihrerseits eigene Gewerbegebiete zu erschließen. Die Kommunen könnten so den ansässigen Unternehmen weitere Flächen zur Verfügung stellen, während im neuen interkommunalen Gewerbegebiet großflächige Ansiedlungen ab einem Hektar entstehen sollen. Killius: „Es darf gefragt werden, wo all die Arbeitskräfte dafür herkommen sollen, denn viele Firmen auf der Laichinger Alb finden bereits jetzt keine neuen Mitarbeiter.“ „Maßlos übertrieben“ erschienen dem BUND daher die 4000 Arbeitsplätze, die durch das interkommunale Gewerbegebiet entstehen sollen: „Wenn man an die schlechten Erfahrungen mit dem bereits Bestehenden denkt, wo viel Fläche verbraucht, aber wenige Arbeitsplätze geschaffen wurden.“
Als fragwürdig bezeichnete Killius außerdem die seiner Ansicht nach ineffiziente Nutzung bisheriger Gewerbeflächen durch lediglich eingeschossige Gebäude. Der Umgang mit Flächen, auf denen Parkplätze angelegt werden sei geradezu „verschwenderisch“. Statt großflächiger Parkplätze anzulegen, sei es sinnvoller Parkhäuser zu bauen. Was das Verkehrsaufkommen betrifft, sei mit jeder Gewerbeansiedlung eine Zunahme zu erwarten, im Fall des interkommunalen Gewerbegebiets sogar „eine erhebliche“.
Weiter kritisiert der BUND das „Wachstums um jeden Preis“. Killius: „Wie will die Politik jemals im Kampf gegen Klimawandel, Flächenversiegelung und Verkehrsinfarkt erfolgreich sein, wenn auf kommunaler und regionaler Ebene nichts zu deren Vermeidung unternommen wird?“  Als negatives Beispiel nannte er eine weiteres interkommunales Gewerbegebiet: im Rißtal bei Biberach (siehe Infokasten). Dort sei ein großer potenzieller Investor, die Firma Handtmann, zwar inzwischen abgesprungen. Ungeachtet dessen betreibe der dortige Zweckverband das Planfeststellungsverfahren weiter. Killius: „Der BUND wird zusammen mit den anderen Naturschutzverbänden die zu erwartenden Detailplanungen sehr kritisch prüfen.“

Das könnte dich auch interessieren

Vier Kommunen planen Industriegebiet

Umwelt Bis zu 60 Hektar sieht der Regionalverband Donau-Iller für ein Industriegebiet Rißtal nördlich von Biberach vor. Vor der so genannten Strategischen Umweltprüfung waren sogar 80 Hektar für möglich gehalten worden. Diese Prüfung hatte dann „erhebliche Umweltauswirkungen“ auf das Schutzgut Boden in einem Teil des Untersuchungsgebiets ergeben. In diesem Teil befindet sich zudem „ein nutzungswürdiges Grundwasservorkommen“. Außerdem wurden Biotopflächen aus dem möglichen Industriegebiet herausgenommen.
Zweckverband Um das Industriegebiet auszuweisen, haben die Stadt Biberach und die Gemeinden Maselheim, Schemmerhofen und Warthausen den Zweckverband IGI Rißtal gegründet. Anlass war ein akuter Bedarf der Firma Handtmann in Biberach, die noch im August von 10 bis 15 Hektar gesprochen hatte, um zusätzliche Produktions- und Büroflächen unterzubringen.
Rückzieher Mitte September gab Handtmann bekannt, die Kapazitäten an seinen Standorten Annaberg-Buchholz und Königswalde (Sachsen) zu erweitern. Dadurch bestehe kein Zeitdruck mehr, im Rißtal zu bauen. Trotzdem bestehe Interesse Vorratsflächen im Raum Biberach.
Widerstand Wie auf der Alb die „Aktion LandSchafft“ kritisieren auch Bürger im Kreis Biberach die Gewerbe-Pläne. Dort hat sich die „Schutzgemeinschaft Rißtal“ gebildet.