Samstags um elf auf dem Münsterplatz. Egal, ob Sonne oder Regen – zur Mittagszeit reicht die Schlange vor dem Wachter-Imbiss bis in die Platzgasse hinein. Schon von Weitem ist der typische Imbissduft zu riechen. Rote, Weiße, Currywurst und Burger – Christian Wachter und sein Team verkaufen Essen im Minutentakt. Der 46-Jährige begrüßt Stammgäste mit Namen, fragt nach dem Nachwuchs, ruft einer jungen Frau hinterher und behält gleichzeitig stets die Würste und Fleischküchle im Auge. Man könnte glauben, er sei in der Imbissbude großgeworden – was zum Teil auch stimmt.

Zeit genutzt, um auszumisten

Denn schon, als sein Vater den Stand noch betrieb, half er oft mit, als Kind wollte er sogar Metzger werden und die Metzgerei der Familie in Erbach übernehmen. Gelernt hat er dann allerdings Feinmechaniker, da hat er sogar einen Meistertitel. Als sein Vater aus gesundheitlichen Gründen kürzer trat, übernahm Christian Wachter den Imbiss. Mittlerweile stehen auch seine Töchter regelmäßig am Grill. Ein weiteres Standbein sind Caterings – wobei man wohl eher sagen muss „waren“ Caterings. „Seit Corona hatte ich keinen einzigen Auftrag mehr.“ Allerdings findet Wachter das gar nicht so schlimm: „Ich habe die Zeit genutzt, um auszumisten. Früher bin ich Motorradrennen gefahren, da habe ich jetzt einige Maschinen verkauft. Und auch ganz viel anderes Zeug.“ Ein weiteres Projekt in der corona-Pandemie: Meine Hündin Fanny hat Welpen bekommen, neun Stück. Leider ist einer gestorben, aber die anderen acht haben wir gemeinsam hochgepäppelt.“

Wer eine Weile mit „dem Wurst-Wachter“ spricht, merkt ihm seine Rastlosigkeit an. Mit den Gedanken ist er immer einen Schritt voraus, sprudelt nur so vor Gesprächsthemen und Ideen. Ein Beispiel dafür: Als vor etlichen Jahren die Umweltzone in Ulm eingerichtet wurde, durfte er mit seinem Laster nicht mehr in die Innenstadt fahren. Kurzerhand legte er sich ein altes Feuerwehrauto zu. Für das gab es als Oldtimer eine Ausnahme. Er druckte ein Bild von sich auf die Seitenwand – und hatte so auch noch eine fahrende Werbetafel. Das „Feierwehr“-Auto gibt es nicht mehr. Anfang Oktober verkaufte Wachter es. In dem Allround-Talent reifen schon wieder neue Ideen, die viel mit Fahrrädern zu tun haben. Eine mobile Fahrrad-Werkstatt ist eine davon. Die andere: Wachter will einen Wochenmarkt-Stand entwickeln, den man mit dem Fahrrad ziehen kann – und das passende Fahrrad dazu. Ob es klappt – wir werden es sehen, nächstes Jahr, auf dem Ulmer Wochenmarkt.