Es geht um viel Geld, genauer um 400.000 Euro: Deshalb hatte sich der katholische Dekan  Ulrich Kloos in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Orgelbaufördervereins im November 2016 sehr gefreut über einen Anruf von Ronja Kemmer. Die CDU-Bundestagsabgeordnete teilte ihm mit, dass der Bund  den Bau einer Hauptorgel für die Klosterkirche mit 400.000 Euro bezuschusst. Die Kosten für das Instrument belaufen sich auf rund 850.000 Euro.

In einer Pressemitteilung schrieb Kemmer: „Die große Summe ist außergewöhnlich, unterstreicht gleichzeitig aber auch die kulturelle Bedeutung des spätbarocken Klosters Wiblingen. Durch den Bau einer Hauptorgel wird in der Klosterkirche eine schmerzliche optische und klang­liche Lücke gefüllt, die bereits über Jahrhunderte besteht. (...) Diese Auffassung habe ich auch gegenüber dem Haushaltsausschuss des Bundestags vertreten. (...) Damit ist der Grundstock für die Finanzierung gelegt.“

Inzwischen aber ist es bittere Wahrheit, dass es kein Geld dafür gibt. Für die CDU-Politikerin ist das Zurückrudern „bedauerlich und mehr als ärgerlich“. Kemmer betont, dass der Haushaltsausschuss des Bundestags das Geld im Etat 2017 eingestellt und beschlossen habe. Für die Auszahlung aber sei das Kultusministerium zuständig. „Ich bin davon ausgegangen, dass das eine reine Formsache ist“, so Kemmer.

Im Dezember 2016 hatte Kloos vom Kultusministerium einen Brief bekommen, in dem er aufgefordert wurde, das Wiblinger Orgelbau-Projekt als „Vorhaben von erheblichem Bundesinteresse“ darzustellen. „Um die Förderwürdigkeit des Vorhabens ,Errichtung der Hauptorgel der Wiblinger Klosterkirche’ nach diesen Kriterien prüfen zu können, ist zunächst Ihrerseits ein formloser Projektantrag erforderlich“, hieß es in dem Schreiben.

Monatelang Funkstille

Der Wiblinger Pfarrer formulierte den Antrag, schickte ihn ab – und hörte monatelang nichts mehr. Dann sickerte durch, dass es im Ministerium rechtliche Bedenken gebe. Denn im „Programm zur Sanierung und Modernisierung national bedeutsamer Orgeln“ – das in Folge der Ernennung des Orgelbaus und der Orgelmusik als immaterielles Unesco-Kulturerbe aufgelegt wurde ­ – werden ausdrücklich nicht der Neubau oder die Rekonstruktion, die einem Neubau gleichkommt, unterstützt. Weiter heißt es: „In begründeten Einzelfällen können für die Sanierung oder Modernisierung einer Orgel Ausnahmen zugelassen werden.“ Das heißt: Es gibt einen Ermessensspielraum.

Auf den hatte Kloos gehofft. Für ihn ist Wiblingen ein Sonderfall: „Für die Basilika war immer eine Hauptorgel vorgesehen.“ Er kann das mit historischen Quellen belegen. Aber in den Wirren der Säkularisation und der Auflösung des Klosters kam es nicht mehr dazu. Für Kloos ist klar: „Es handelt sich nicht um einen Neubau, sondern um die Vollendung eines Kulturobjekts. Wenn man guten Willens gewesen wäre, kann man das so werten.“

Aber in Berlin wird es anders ausgelegt. „Das ist unschön und ein herber Dämpfer für uns“, bedauert Kloos. Interventionen blieben erfolglos. „Ich glaube, dass die Sache vielschichtig ist“, sagt er im Blick auf Spannungen zwischen den Ministerien. Ronja Kemmer bedauert die Entscheidung des Kultusministeriums, die auch andere Projekte „in der Schwebe hängen“ lasse. Für die Verantwortlichen sei das „ärgerlich“, weil sie Sicherheit in ihren Planungen verlören.

Für die Wiblinger ist die Entscheidung bitter – aber sie tragen sie mit Fassung. „Wir lassen uns davon nicht aus der Spur bringen“, betont Ulrich Kloos, „wir müssen unsere Aktivitäten umso mehr steigern.“ Denn seit 2014 hat der Förderverein 340.000 Euro auf die hohe Kante gebracht. Darunter sind feste Zusagen für Zuschüsse über jeweils 85.000 Euro von der Stadt Ulm  und der Diözese Rottenburg-Stuttgart. „Ich bin sehr froh, dass dieses Geld fließt“, damit rechnet Kloos fest.

Ausschreibung beschlossen

Der Kirchengemeinderat hat letzte Woche die Ausschreibung der Orgel beschlossen. Die Vorgaben der Diözese erlauben das, wenn eine Gemeinde 40 Prozent der Kosten auf dem Konto hat. Kloos ist zuversichtlich: „Das Procedere braucht seine Zeit, da werden zwei, drei Jahre ins Land gehen. Bis dahin haben wir hoffentlich weitere 40 Prozent zusammen.“

43 Register soll das Instrument haben. Vier Orgelbauer werden angeschrieben. „Wir haben auf unseren Orgelfahrten genaue Klangvorstellungen bekommen. Ich war selbst erstaunt, wie groß die Unterschiede sind“, berichtet Kloos. Die Verkleidung, der so genannte Orgelprospekt, muss übrigens nicht frühklassizistisch gestaltet sein. Der Denkmalschutz erlaubt für Wiblingen auch eine moderne Formensprache.

„Der Orgelbau läuft“ beim Einstein-Marathon

Aktion Das katholische Dekanat Ehingen/Ulm stellt zum Einstein-Marathon am 23. September ein eigenes ökumenisches Laufteam auf die Beine unter dem Motto „Der Orgelbau läuft“. Das Besondere daran: Pro Läufer spendet das Orga-Team des Marathons einen Teil der Teilnahmegebühren für den Bau der neuen Wiblinger Orgel. Das heißt: Je größer das Team ist, desto mehr Geld bekommt der Förderverein. Dabei werden alle Disziplinen gewertet. Interessierte geben bei der Anmeldung einfach den Teamnamen „Der Orgelbau läuft“ an. Wer mitmacht, bekommt ein eigens gestaltetes Funktionsshirt, einen Gutschein für einen Kirchenführer der Basilika und kann das Teamquartier am Weinhof nutzen.