• Häuslebauer in Baden-Württemberg müssen sich auf höhere Preise und Unsicherheiten bei der Kostenkalkulation einstellen, heißt es bei der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.
  • Die Baubranche habe mit Materialengpässen und starken Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen zu kämpfen.
  • Bauunternehmen können derzeit kaum kalkulieren, wie sich die Preise in der Zukunft entwickeln.
  • Sind Kunden noch in der Lage, Immobilien zu bezahlen und was werden Banken finanzieren?

    Die Zinsen steigen, die Kosten für Neubau oder Renovierung wachsen in den Himmel – beendet das den Immobilienboom? Zumindest in den 14 deutschen Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern sieht es so aus – auch in Ulm gibt es erste Hinweise darauf. Einer Schätzung des Immobilienportals Immowelt zufolge werden bis zum Jahresende die Kaufpreise für Bestandswohnungen stagnieren oder sogar sinken.
In Ulm kühlt sich der Markt derzeit ein wenig ab. „Wir merken, dass die bisherige extrem hohe Nachfrage etwas nachlässt“, berichtet Klaus Zell, Immobilienexperte bei der Volksbank Ulm-Biberach. Vor allem Interessenten, bei denen die Finanzierung schwierig wäre, zum Beispiel weil sie wenig Eigenkapital mitbringen, werden weniger.
Die Preise sinken dadurch noch nicht, berichtet Zell, aber „die Zeit der großen Preisexplosionen dürfte vorbei sein.“ In den vergangenen Jahren seien die Preise über alle Ulmer Stadtteile hinweg jährlich um 5 bis 10 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung könnte laut Zell jetzt beendet sein.
Vorsichtig werden die Interessenten bei Objekten, in die man noch viel Arbeit stecken müsste. „Wenn viel saniert werden muss, überlegen die Käufer ein bisschen mehr und suchen vielleicht auch nach Alternativen“, berichtet Zell. Manche würden auch die notwendigen Renovierungen über mehrere Jahre verteilen. Also zum Beispiel die Fassade neu dämmen, aber die Modernisierung des Badezimmers erst mal aufschieben.

Immobilien in Ulm: Finanzierung wird schwieriger

Für die Trendumkehr am Immobilienmarkt, die sich damit abzeichnet, sorge die Kombination aus stark gestiegenen Zinsen für Baudarlehen – diese betragen bei zehnjähriger Laufzeit inzwischen um die 3 Prozent – die Unsicherheiten durch den anhaltenden Krieg gegen die Ukraine und die derzeit hohe Inflation. Durch die steigenden Kosten sind die Käufe stärker limitiert, können eine Finanzierung unter Umständen nicht mehr so einfach stemmen – und entscheiden sich in manchen Fällen gegen den Hauskauf.
Während bundesweit in vielen Städten darum die Immobilienpreise stagnieren, beziehungsweise leicht in die eine oder andere Richtung schwanken, kommt es laut Immowelt-Schätzung in Frankfurt zu einem spürbaren Rückgang. Bis Ende des Jahres sinken die Kaufpreise voraussichtlich um 5 Prozent – das ist die stärkste Veränderung der untersuchten Städte.
Neben Frankfurt zählt auch Berlin zu den Städten, in denen der Preisboom in diesem Jahr zunächst endet. Für die Hauptstadt wird ein Minus von 3 Prozent bis Dezember erwartet. Auch für die Märkte in Nürnberg (-2 Prozent), Stuttgart und Dortmund (je -1 Prozent) wird mit leichten Rückgängen gerechnet.
Die Preiskorrekturen werden vermutlich nicht bei allen Wohnungssegmenten gleichermaßen stark sein. Besonders bei älteren, oftmals unsanierten, Wohnungen dürfte die Nachfrage aber deutlich zurückgehen. Denn neben den gestiegenen Zinsen erschweren die hohen Sanierungskosten sowie der Handwerkermangel den Kauf zusätzlich.
Weiter nach oben gehen laut der Prognose die Preise in München und Hamburg. Allerdings soll die Preiskurve hier deutlich abflachen: Für München rechnet das Immobilienportal mit einem Anstieg von einem Prozent, in Hamburg werden zwei Prozent erwartet. Untersucht wurden jeweils die Angebotspreise von Bestandswohnungen mit 75 Quadratmeter, drei Zimmer im ersten Stock, in den 1990er-Jahren gebaut.

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Alle Infos zu Bauplätzen in der Region, Bauvorgaben und dem Hauskauf finden Sie unter swp.de/traumhaus.

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Prozent beträgt der Zins für ein Baudarlehen inzwischen. Für viele Käufer wird die Finanzierung eines Eigenheims damit deutlich schwieriger.