Erwächst da quasi aus dem Stand und aus der akademisch-bürgerlichen Mitte der Stadtgesellschaft heraus Konkurrenz für die etablierten Parteien, speziell für die Freien Wähler? Erst vor wenigen Monaten hatte sich die neue kommunalpolitische Bewegung „Ulm für alle“ gegründet. Auf der Nominierungsversammlung für die am 26. Mai stattfindenden Kommunalwahlen präsentierten die Initiatoren am Donnerstagabend im Ratskeller nun eine Liste mit 40 Gemeinderatskandidaten – darauf viele bekannte Namen. Zu nennen wären da etwa die ehemalige Ruderclub-Vorsitzende Johanna Kienzerle, Ex-Grünen-Stadträtin Ulrike Lambrecht, Architektin Anja Stemshorn, der Neu-Ulmer City-Manager Florian Fuchs, Bethesda-Chefarzt Michael Denkinger, der Ulmer BUND-Vorsitzende Martin Denoix oder Verleger Hermann Genth.

Formale Hürde

Man habe die Liste „mühelos“ vollbekommen und erfreue sich überdies starker Unterstützung aus allen Teilen der Bevölkerung, sagte Günter Zloch, der „Ulm für alle“ gemeinsam mit Karin Hartmann und René Michels aus der Taufe gehoben hatte. Entsprechend selbstbewusst gehe man deshalb auch in den Wahlkampf: „Wir peilen drei Sitze im Ulmer Gemeinderat an.“
Allerdings muss die Gruppierung nach der einstimmig erfolgten Listennominierung jetzt noch eine weitere formale Hürde nehmen, um überhaupt zur Wahl zugelassen werden. Bis zum nächsten Donnerstag, 28. März, müssen im Rathaus 150 Unterstützerunterschriften abgegeben werden. Das sei aber spielend zu schaffen, glauben die beiden Spitzenkandidaten Günter Zloch und Karin Hartmann.
Der Name „Ulm für alle“ deutet schon an, dass man sich als offene Liste ohne jede parteipolitische Bindung versteht. Auch die Inhalte kann man getrost als Kessel Buntes bezeichnen. Sie reichen von der Forderung nach „Schaffung von bezahlbarem Wohnraum“ über die „Weiterentwicklung von Schulen und Kindergärten“ bis hin zur „Verbesserung der Luftqualität in der Stadt“.

Bildung, Umwelt, Kultur

Auf Nachfrage werden die Kommunalpolitiker in spe dann allerdings konkreter. Vor allem in ihrer Eigenschaft als Schulträger müsse die Stadt mehr tun, fordert Zloch, der selbst Lehrer am Wiblinger Albert-Einstein-Gymnasium ist – nicht nur vor dem Hintergrund der jüngsten Debatte um versiffte Schulklos. „Wir müssen wegkommen von der Lehranstalt und Schulen zu Lebensorten mit hoher Aufenthaltsqualität machen.“
Um die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu verbessern, schwebt „Ulm für alle“ ein regelrechtes Aufforstungsprogramm vor. 10.000 Bäume sollen in den nächsten Jahren im Stadtgebiet gepflanzt, die städtische Busflotte auf E-, Gas- und Wasserstoffantrieb umgestellt werden – auf dass Ulm bis spätestens 2030 klimaneutrale Stadt werde. Wo der Unterschied zu den Grünen liegt? „Die Ideologie bleibt bei uns außen vor, wir wollen ganz pragmatisch kleine Schritte gehen.“
Auch in der Kulturpolitik. Vergünstigte oder gar Gratis-Tickets für einkommensschwache Menschen etwa stehen ganz oben auf der Liste der Forderungen. In anderen Städten etwa bestehe für Studenten die Möglichkeit, kostenlos Karten für Restplätze im Theater zu bekommen. „Das muss auch in Ulm möglich sein“, so Michels, dem offensichtlich entgangen ist, dass es genau dieses Angebot seit kurzem gibt.

Nichtwähler abholen

Stimmen holen will die neue Liste vor allem aus dem Lager der Nichtwähler. Bei der vergangenen Kommunalwahl habe die Wahlbeteiligung bei nur 46 Prozent gelegen, was wohl auch an der – seither noch gewachsenen – „Parteienverdrossenheit“ liege, wie Zloch vermutet. „Wenn wir es schaffen, dass durch uns die Wahlbeteiligung steigt, wäre allein das ein Erfolg“. Man hoffe, „eine Plattform zu werden für alle, die sich für Ulm engagieren wollen“.

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23 Frauen und 17 Männer auf der Liste

Kandidatur: 1. Karin Hartmann, Ärztin; 2. Günter Zloch, Gymnasiallehrer; 3. Alexandra Michels,  Ärztin; 4. Christian Hengartner, Student; 5. Johanna Kienzerle, Diplom-Kauffrau; 6. Hermann Genth; Verleger; 7. Ulrike Lambrecht, Religionspädagogin; 8. Klaus Rinkel, Arzt; 9. Anja Stemshorn, Architektin; 10. Florian Fuchs, City-Manager; 11. Julia Hartmann, Agrarwissenschaftlerin; 12. Johannes Zloch, Student; 13. Ayten Yilmaz, Marketing-Fachkauffrau; 14. Lisa Horny, Flugbegleiterin; 15. Martin Denoix, Gymnasiallehrer; 16. Olga Efimkina, Biologin; 17. Elisabeth Sterzig, Logotherapeutin; 18. Daniela Kluthe-Neis, Diätassistentin; 19. Stefan Rapp, Architekt; 20. Michael Denkinger, Arzt; 21. Rudolf Abel, Ingenieur; 22. Cornelia Bald, Ärztin; 23. Katharina Hancke, Ärztin; 24. Anna-Katharina Hengartner, Architektin; 25. Hendrik Hoch, Student; 26. Sabrina Horny, Marketing-Beraterin; 27. Christopher Horny, Soldat; 28. Jens Lück, Pharmaberater; 29. Katrin Maidel, Gynäkologin; 30. Anna Mondine, Lehrerin; 31. Jochen Maidel, Diplom-Ingenieur; 32. Nina-Emily Rudhart, Biologin; 33. Sabine Schönthaler, Übungsleiterin Kinderturnen; 34. Claudia Spannbauer, Studentin; 35. Uta-Maria Stalder, Gymnasiallehrerin; 36. Peter Stenzel, Rentner; 37. Jörg Stimpfle, Diplom-Betriebswirt; 38. Birgit Tümmers, Verwaltungsjuristin; 39. Birte Weber, Studentin; 40. René Michels, Soldat.