Von wegen Land der Biertrinker. Kaffee ist der Deutschen liebstes Getränk – der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2020 bei durchschnittlich 168 Liter, meldet der Kaffeeverband. Vor dem „Tag des Kaffees“ am 1. Oktober ein kleiner Faktencheck:
Behauptung: Die Deutschen gehören zu den führenden Kaffeekonsumenten. Das ist zweifelhaft. International wird der Kaffeekonsum im Verbrauch von Kaffeebohnen gemessen – mal als Rohkaffee, mal als Röstkaffee. In Deutschland wiederum rechnet der Kaffeeverband in getrunkenen Litern pro Person und Jahr.
Ein genauer Vergleich ist damit fast unmöglich. Als Weltmeister unter den Kaffeetrinkern rühmen sich die Finnen – ihr Kaffeeverband meldet für das Jahr 2018 einen Konsum von etwa 10 Kilo gerösteten Kaffees pro Person – da sind Kinder mit eingerechnet. Auch nach den Recherchen des Portals „Worldatlas“ liegt Finnland deutlich an der Spitze, gefolgt von skandinavischen Ländern wie Norwegen, Island und Dänemark. Deutschland dagegen liegt diesen Angaben zufolge eher Mittelfeld.
Behauptung: Kaffeesatz ist der beste Gartendünger.  Das stimmt nur bedingt. Was nach dem Aufbrühen im Filter oder der Kaffeekanne übrig bleibt, ist kein nutzloser Müll. Der Kaffeesatz enthält Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium sowie nützliche Antioxidantien. Das haben Forscher nachgewiesen. Gartenexperten empfehlen deshalb oft, das ausgelaugte Pulver als Pflanzennahrung zu nutzen. Wichtig dabei: Es sollte getrocknet werden, damit sich keine Schimmelsporen bilden. Frühlingsblüher wie Krokusse, Narzissen oder Tulpen bevorzugen zudem einen kalkhaltigen Boden – da droht beim Einsatz von zu viel Kaffeesatz eine Übersäuerung des Bodens.
Behauptung: Bambusbecher machen Coffee-to-go umweltfreundlich. Das stimmt nicht. Der Kaffee zum Mitnehmen („to go“) ist allgegenwärtig – die gebrauchten Pappbecher samt Plastik-Deckeln auch. Als Alternative werden wiederverwendbare Becher mit Bambusfasern angepriesen. Sie bestehen in der Regel aus einem Verbund mit Melamin-Formaldehyd-Harz (MFH). Deshalb ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Vorsicht geboten: Bei höheren Temperaturen können gesundheitlich bedenkliche Mengen an Melamin und Formaldehyd vom Geschirr in die Lebensmittel übergehen. Für kalte oder lauwarme Speisen und Getränke sei das MFH-Geschirr also gut geeignet – für heißen Kaffee aber eben nicht. Zudem sei MFH ein Kunststoff, der nicht biologisch abbaubar sei – „auch dann nicht, wenn ihm natürliche Füllstoffe zugesetzt sind“, so das BfR.
Behauptung: Kaffee-Kapseln sind eine Umweltsünde. Das ist richtig. Nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe kommen auf jede Kaffeekapsel zur Zubereitung einer einzelnen Tasse durchschnittlich circa 2,5 Gramm Aluminium oder Kunststoff und noch mal 1,5 Gramm Papier für die Umverpackung. Ein Recycling der Kapseln ist nach Aussage der Umweltschützer kaum möglich, weil Müllanlagen die wertvollen Rohstoffe nicht vom Kaffeesatz trennen können. Auch Kapseln aus biologisch abbaubarem Kunststoff böten keinen Vorteil: In den Kompostierungsanlagen könnten diese nicht wie Biomüll abgebaut werden, sie würden deshalb als „Störstoffe“ aussortiert und landen wieder beim Restmüll. Die Berliner Stadtreinigung bestätigt zwar die mögliche Wiederverwendung der Kapsel-Rohstoffe, weist zugleich aber auf den enormen Aufwand beim Wiederverwerten hin.
Behauptung: Kalter Kaffee macht schön. Es ist kaum noch ­zu ­belegen, woher diese angebliche Weisheit kommt. Eine Version ­besagt, dass es im Zeitalter des Barock üblich war, den Kaffee abgekühlt zu schlürfen. In vornehmen Kreisen trug man im 17. und 18. Jahr­hundert dicke Schminke – die wäre durch heiße Dämpfe aus der Tasse ins Laufen geraten. Insofern ist der Schönheitstipp wohl vor allem „kalter Kaffee“ – also abgestanden und kaum genießbar.
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