Vernunft sollte man nicht erwarten. Es spielt keine Rolle, dass genügend Fahrradständer „zu Fuß nur zwei Minuten“ weg vom Bahnhof sind, wie die beiden Vertreter der Stadt, Sandra Clauß und Harald Walter, sagen. Gefühlt sind es für die morgendlichen Pendler wesentlich längere Wege. Offensichtlich sind auch die meisten nicht bereit, die Routine ihres Alltags zu durchbrechen und „zwei Minuten“ mehr für Anfahrt und Umstieg in den Zug einzukalkulieren. Selbst, wenn sie dafür einen freien und sicheren Abstellplatz bekommen.
Das Kopfschütteln kann man aber bleiben lassen: Radfahrer sind nicht anders als Autofahrer, die bis vor jede Tür fahren wollen, und nicht anders als Fußgänger, die auf Grünflächen diagonale Wege ins Gras trampeln, weil sie eine Ecke nicht auslaufen wollen. Der Mensch ist einfach so. Und er ist es so gewohnt.
Nur, dann müssen die, die ein Stück Weg nicht in Kauf nehmen wollen, halt auch die Konsequenzen tragen: Unter Umständen ist der Drahtesel abends weg, sprich gestohlen. Oder das teure Stück liegt verbogen unter anderen Rädern begraben.
Im Zuge der Baustelle eine wirksame Verbesserung zu fordern, ist utopisch. Freilich aber muss Radfahrern in Ulm künftig viel mehr Platz eingeräumt werden – in jeder Hinsicht, in der ganzen Stadt und vor allem am Verkehrsknotenpunkt Bahnhof.
Nur: Auch das wird über kurz oder lang Konsequenzen haben. Sehr gut zu sehen in Holland und Dänemark, wo man Radfahren seit langem fördert und es dafür Tiefgaragen und viele Plätze mehr gibt. Zu Fuß gehen muss man dort trotzdem: Wer sein Rad an nicht ausgewiesenen Plätzen parkt, bekommt einen saftigen Strafzettel.