FRIZZ: Du bist mit einer alten Mühle durch Ostafrika gefahren.
Jonas: Das Auto ist nur ein Jahr älter als ich. Ich bin mit dem Pajero von Deutschland über Frankreich nach Marokko und dort die Westküste entlang bis nach Südafrika. Auf dem Auto hatte ich ein Dachzelt. Mal übernachtete ich im Regenwald, mal in der Sahara.
Wie ist es, im Dschungel zu schlafen?
Es kann schön und schrecklich sein. In Gabun, direkt am Äquator, ist es stickig und feucht. Ich erinnere mich an eine Nacht, ich war gerade mit einer anderen Reisenden unterwegs. Sie hatte ihr Zelt unten. Mitten in der Nacht ging auf einmal eine Motorsäge an. Wir wissen bis heute nicht, wer das war. Ich hatte davor noch gescherzt: Du wirst als erste vom Löwen gefressen. Wir waren den Rest der Nacht wach. Das kannst du mir glauben.
Und in der Wüste?
Sehr kalt in der Nacht. Als ich in der Sahara war, hat es übrigens geregnet.
Wie lief die Verständigung?
In Afrika sprechen viele Französisch, das kann ich nicht … auch von Vorteil, so musste ich mich nicht groß unterhalten. Wenn man alleine ist, kommen die Einheimischen schnell auf einen zu. Die Menschen sind so gastfreundlich! Man wird immer gleich gefragt, ob man etwas essen möchte. Und mauretanischen Nomadentee trinken – in großen Mengen. In Mauretanien gab es Fisch, Hühnchen und Reis. In Gabun dann drei Töpfe: Elefant, Krokodil, Affe …
Und? Hast du probiert?
Es hätte mich schon interessiert, wie so ein Elefant schmeckt. Ich war allerdings vorsichtig, weil es nicht frittiert war. Deshalb gab es für mich nur Reis.
Wo lag dein genaues Ziel und wie war das Gefühl, anzukommen?
Der südlichste Punkt von Afrika war mein Ziel. 50 Kilometer von Capetown entfernt. Nachdem ich dort war, fiel der ganze Stress von mir ab. Ich fühlte mich eher schlecht, weil ich wusste: Jetzt ist die Reise vorbei. Für die Heimreise wollte ich dann auf einem Segelboot anheuern und mein Auto zurückverschiffen lassen. Der Plan ging fast auf, doch dann kam Corona. Ich bin mit dem allerletzten Flieger nach Deutschland zurück. Pünktlich zum ersten Lockdown … (verzieht die Miene)
Sprechen wir von einem weiteren Abenteuer. Du bist 820 Kilometer auf der Donau bis nach Budapest gepaddelt. Im Winter. Bei einer Wassertemperatur von vier Grad. Wie kamst du darauf?
Meistens fahr ich über die Donau zur Arbeit nach Neu-Ulm. Da dachte ich eines Tages: Wo geht die Donau eigentlich hin? So kam mir die Idee mit der Kajak-Tour.
Bist du ein erfolgreicher Kajakfahrer und hast die Eskimorolle drauf?
Wir haben so ein Zwei-Sitzer-Kanu zuhause, mit dem ich als Kind die Blau schon hoch und runter gepaddelt bin. Ansonsten hatte ich vom Kajakfahren nicht viel Ahnung. Anfangs überlegte ich, eine Eskimorolle in der Blau zu testen was mir dann zu kalt war. Ich habe dann beschlossen: Das muss auch so gehen.
Wie hast du dich ausgerüstet?
Wasser zwischen vier und fünf Grad ist das Schlimmste, was passieren kann. Bei dieser Temperatur hast du genau 10 Minuten Zeit dich umzuziehen, um ohne Erfrierungen davonzukommen. Ich hatte also einen Neoprenanzug an und hinter mir einen wasserfesten Kleider- und Schlafsack. Für den Fall, dass ich kentere, hätte ich so den Sack mit den Klamotten noch retten können. Außerdem eine Schwimmweste mit Biwaksack …
Ein Biwaksack?
… eine Plastikfolie, in der man übernachten kann. Und eine Seenotfackel, um mir im Ernstfall ein Feuer zu machen. Du ziehst vorne an der Schnur und bekommst sofort ein Feuer hin.
Lief alles gut?
Ja. Doch der Gedanke zu kentern, war trotzdem immer da. Als ich in Regensburg war, hatte es bereits tagelang ziemlich viel geregnet. Wegen des Hochwassers durften die Schiffe schon nicht mehr fahren. Dort bin ich unter einer Brücke mit Strudel und Rückstrom durchgepaddelt – das war ein bisschen knapp, aber es hat funktioniert. Gefährlich war außerdem der Aus- und Einstieg.
Welche Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn man tagelang alleine ist?
Ich habe mich darauf eingestellt, dass Gedanken kommen würden, aufzugeben. Wenn es dann schneit und pausenlos regnet, fängt man tatsächlich an, ans Aufhören zu denken. Ich bin dann einfach weitergerudert und habe öfter einen Kaffee gemacht. Sobald ich abends in meinem Zelt im Schlafsack war, dachte ich: Der Tag war ja doch ganz schön.
Wie geht man mit extremer Ruhe um?
Ich habe darauf geachtet, die ersten Tage weder Musik noch Hörbücher zu hören. Denn ich wusste: Irgendwann kommt der Punkt, an dem ich darauf angewiesen sein werde.
Was hast du dann gehört?
Rock. Quer durcheinander. Und Hörbücher, an die ich mich schon gar nicht mehr erinnere. Denn irgendwann schaltet man einfach komplett ab. Ich hatte auch nicht mehr das Bedürfnis, Nachrichten zu sehen.
Wie denkst du über Leute, die Pauschalurlaub machen?
Ist ja auch schön, mal einen Tag am Strand zu verbringen. Doch nach einem Tag müsste ich weiterziehen.
Was rätst du anderen Abenteurern?
Ich hatte keine Ahnung von Autos, konnte kein Französisch, kaum Englisch und bin die afrikanische Westküste entlanggereist. Beim Kajak verlief das ähnlich. Keine Erfahrung mit Kajaks, keine Eskimorolle und so weiter. Viele finden für sich eine Ausrede: Ich kann aber dieses und jenes nicht. Ich denke, es ist ganz einfach: Einfach machen!