Solidarität wird bei uns groß geschrieben!“ Es sind keine leeren Worte, die Hans-Jörg Müller, der Betriebsratsvorsitzende von Evobus in Neu-Ulm, da in den Mund nimmt. Im Gegenteil: Unfassbare 82 000 Euro spendet die Belegschaft des Bus­herstellers dieses Jahr der Aktion 100 000 und Ulmer helft der SÜDWEST PRESSE – so viel wie noch nie. Wahrlich ein „gewichtiger Betrag“, wie Müller bei der Scheckübergabe im Werk 8 sagte.
Das Reisebusgeschäft liegt in der Pandemie am Boden, in der Produktion ist noch mindestens bis März Kurzarbeit angesagt, in der Belegschaft kursieren Sorgen: Doch gerade in dieser Situation haben die Evobus-Beschäftigten einmal mehr ein ganz großes Herz gezeigt.

Unternehmen legt was drauf

Wie seit vielen Jahren haben fast alle Mitarbeiter eine halbe Stunde für die Aktion 100 000 und nicht für den eigenen Gehaltszettel gearbeitet. „Daumen hoch für diese Belegschaft“, sagte Müller sichtlich stolz, „und Daumen hoch für dieses Unternehmen, das ja noch was draufgelegt hat.“
Dem Betriebsratsvorsitzenden war es wichtig, dazu noch eine positive und kämpferische Botschaft zu setzten: zur Lage und zur Stimmung im Unternehmen. „Wie’s uns geht? Eigentlich gut! Wir machen uns nicht schlechter, als wir sind. Die erfolgreichen Zeiten kommen wieder.“ Schließlich habe die von der Pandemie ausgelöste Krise „erstmal nichts mit uns zu tun“. Das Reisebusgeschäft müsse eben wieder in Schwung kommen, „und wir sind bereit“. Damit das möglichst bald so sein wird, hat Müller auch noch einen Appell: „Nur die Impferei hilft uns, die Pandemie zu überwinden.“
Ins gleiche Horn blies Produktionschef Michael Klein: „Das Busgeschäft ist kein totes Pferd. Wir werden weitermachen, weil wir ein erfolgreiches Geschäftsmodell haben.“ Es gebe keine Existenzsorgen, zumal der Daimler-Konzert fest zum Standort Neu-Ulm stehe. Daher investiere man auch jetzt in die Zukunft: in die E-Mobilität, in moderne Produktionsstätten, in die Qualifizierung der Mitarbeiter.
„Wir versuchen seit mehr als eineinhalb Jahren, das Beste aus der Situation zu machen“, ergänzte Müller. „Wir haben gute Produkte, und wenn der Markt wieder da ist, sind wir auch wieder die Nummer eins.“
Die Nummer eins ist Evobus sowieso, in mehrfacher Hinsicht. Nämlich der größte gewerbliche Arbeitgeber in der Region – mit der größten Einzelspende eines Unternehmens für die Aktion 100 000. Entsprechend strahlte Aktionsleiter Karl Bacherle über das „großartige Weihnachtsgeschenk“, durch das er wiederum an Heiligabend Schecks an Bedürftige verteilen kann.

„Jeder Euro hilft“

Es handle sich um eine „unglaubliche Solidaritätsaktion, Jahr für Jahr“, dankte Bacherle Evobus. Und er weiß das angesichts der Lage bei Evobus umso mehr zu schätzen: „Jeder Euro – und der tut Ihnen auch weh – hilft!“
Hoffnung auf positive Nachrichten für Evobus hat SWP-­Chefredakteur Ulrich Becker. Der Standort sei für die ganze Region enorm wichtig, mehr als 3500 Mitarbeiter und ihre Familien hängen daran. „Wenn es Ihnen gut geht, geht es der Region gut.“ Und dank des Engagements der Evobus-Belegschaft kann die Aktion nun auch vielen in dieser Region eine Freude machen.

Gibt es einen neuen Spenden-Rekord?

Benefiz Rekordverdächtige 2100 Einzelanträge hat die Aktion 100 000 diesmal mit Spendenbeträgen von 150 bis 400 Euro bedient. Die Zuwendungen wurden allen Antragstellern vor Heiligabend weitergeleitet. Nach Weihnachten wird Spendengeld für die 106 Projekte karitativer Einrichtungen aus der Region gebraucht, sodass auch weiterhin jeder Euro auf unseren Spendenkonten willkommen ist.
Veranstaltungen Rekordverdächtig ist diesmal – im negativen Sinne – auch die Anzahl der durchgeführten Benefizveranstaltungen: Die „Christmas Night“ in der Pauluskirche und das Konzert Ende November in der Nikolauskapelle konnten Corona Paroli bieten.
Versteigerung Großartig verlief dagegen die Benefizversteigerung. 100 000 Euro kamen zusammen – neuer Rekord. Ob es einen neuen Spenden-Rekord geben wird? „Das ist in keinem Jahr unser Ziel, aber für die vielen Menschen und sozialen Projekte, die es ohne unsere Hilfe nicht schaffen, wäre es ein wunderbares Signal“, sagt Aktionsleiter Karl Bacherle.