Ulm hat etwas getan für seine Luft: In der Umweltzone dürfen seit 2013 nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette fahren. Die B 10 wurde nachträglich in die Umweltzone einbezogen, und innerorts und außerhalb wurden auf der Bundesstraße Tempolimits von 50, 70 und 100 Stundenkilometer zur Luftreinhaltung eingeführt. Die Fernwärme wurde ausgebaut, alte Ölkessel ausgetauscht. Das sind alles Maßnahmen, die innerhalb von sechs Jahren dazu geführt haben, dass die Luft besser geworden ist. Wobei der 35-Tage-Grenzwert der Feinstaubbelastung sogar schon seit 2011  unterschritten und deshalb seit 2014 gar nicht mehr gemessen wird.
Überschreitungen gab es jedoch Jahr für Jahr weiterhin bei den Stickoxidgehalten. Nun bewegen sich diese erstmals bloß noch knapp über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und pro Kalenderjahr. „Deshalb ist eine Fortschreibung des Luftreinhalteplans derzeit nicht mehr erforderlich“, sagte Ulrich Willmann von der städtischen Abteilung Strategische Planung im Fachbereichsausschuss Stadtentwicklung, Bau und Umwelt des Gemeinderats.

Werte nicht repräsentativ

Das für die Luftreinhalteplanung zuständige Regierungspräsidium Tübingen stufe den Halbjahres-Messwert von 44 Mikrogramm in der Zinglerstraße nicht mehr „als repräsentativ“ ein, weil immer noch Baufahrzeuge fahren. Und aufgrund der Umleitungen seien sowieso zehn Prozent mehr Verkehr unterwegs als sonst. „Die Grenzwerte werden fast eingehalten, so ist vorerst mit keinem schärferen Fahrverbot zu rechnen“, sagte Willmann. Ein solches wäre die blaue Plakette gewesen, die auch Euro-4-Kraftfahrzeuge ausschließt, aber die Plakette gibt es bundesweit noch gar nicht.

Werte seit Ende der Baustelle gesunken

An der Messstelle in der Karlstraße wurde der Grenzwert bereits zum zweiten Mal in Folge unterschritten. Der Halbjahreswert für 2018 liegt bei 33 Mikrogramm. Dies hänge auch mit dem Ende des Straßenumbaus und dem Rückbau von vier auf zwei Spuren zusammen. Da aber der Verkehr dadurch drei Meter von der Messstelle abgerückt ist, hätten die Messwerte nur noch „einen orientierenden Charakter“. Deshalb müsse die weitere Entwicklung der Luftschadstoffe in Ulm weiter beobachtet werden, warnt das Regierungspräsidium.
Zumal auch in der Vergangenheit die Messungen in Baustellenzeiten unterbrochen worden waren: in der Karlstraße von 2015 bis 2017 und in der Zinglerstraße von Anfang 2016 bis Ende 2017.
Die IHK begrüßte schon mal die Entscheidung, den Luftreinhalteplan in Ulm einzustellen. „Das ist eine sehr gute Nachricht für die betriebliche Mobilität, also an alle Wirtschafts- wie Pendler- oder Lieferverkehre in der Region“, teilte Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm, in der Sache mit.

Fuhrparks werden erneuert

Denn Fahrverbote, wie sie woanders „mit zweifelhaftem Nutzen durchgesetzt werden“, führten nur zu einer Verlagerung der Verkehre, zusätzlichen Belastungen im Straßennetz und in Summe zu höheren Gesamtemissionen. „Zudem kann sich nicht jeder Haushalt oder Betrieb nach ein paar Jahren schon wieder ein neues Fahrzeug leisten.“
Zur weiteren Verbesserung der Luftsituation hätten auch die Fortschritte bei Lkw und Bussen beigetragen, denn dort werde stetig der Fuhrpark erneuert, lobte Sälzle. Willmann hatte ebenso betont, dass die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (wie berichtet) vermehrt Hybridbusse anschaffen.

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Ulm

Wo die Grenzwerte klar unterschritten werden

Feinstaub An maximal 35 Tagen im Jahr darf der Grenzwert von 50 µg/m3 überschritten werden. In Ulm liegen die Werte seit 2010 darunter.
Stickoxid Dies wird auch an der „Hintergrund“-Messstelle im Dichterviertel gemessen. Dort wird der Grenzwert sogar seit 2008 unterschritten.