Die Initiatoren der „AktionLandSchafft“ waren selbst überrascht: Rund 100 Interessierte waren ihrem Aufruf gefolgt und nahmen an einer Veranstaltung in der „Krone“ in Nellingen teil. Sie zeigten damit ihre Solidarität mit den Gegnern des vom Zweckverband Region Schwäbische Alb geplanten interkommunalen Gewerbeparks zwischen Merklingen und Nellingen, der 50 Hektar groß und auf 100 Hektar erweiterbar sein soll. Lea Baumann bekräftigte am Ende ihres einstündigen Vortrags mit Fakten, Bedenken, Fragen und Argumenten: „Wir sind nicht gegen Wachstum in unseren Gemeinden, sondern wir wollen ein geregeltes Wachstum, und vor allem ein eigenes.“
Unter den an diesem Abend gelieferten Informationen blitzte allerdings immer wieder manches Unwissen auf. Basis für Interpretationen in alle mögliche Richtungen, weshalb Klaus Kaufmann, der in seiner Funktion als Verbandsvorsitzender als Zuhörer gekommen war, appellierte: „Holen Sie sich alle Informationen, bevor Sie sich entscheiden.“  Gelegenheit gäbe es bei einer Veranstaltung, die der Verband derzeit vorbereite. Er versicherte, dass der Verband die Sorgen ernst nehme.
Die Botschaft dieser Besorgten an den Verband, vor allem jedoch an die Bürgermeister und Gemeinderäte ihrer Dörfer Merklingen und Nellingen, ist klar: Sie wollen, dass ihre Kommunen Dörfer bleiben, sie befürchten einen städtischen Charakter mit noch mehr Verkehr, Lärm und Luftverschmutzung. Vor allem befürchten die Aktionsmitglieder Folgekosten, die dieses ihrer Meinung nach überdimensionierte Gewerbegebiet nach sich ziehen wird. Sie stellen infrage, ob die Gewerbesteuererlöse die Unkosten zur Erschließung decken. Sie ziehen Vergleiche zu anderen interkommunalen Gewerbegebieten. In Laichingen seien erst Jahre später alle Grundstücke verkauft worden, in Geislingen-Türkheim stünden noch immer Flächen leer.

Wer soll das bezahlen?

Aber auch ein Erfolg des Gewerbegebiets schreckt sie ab: „4000 Arbeitsplätze sollen entstehen, wo jetzt schon die ansässigen Betriebe kaum Fachkräfte bekommen, wo kommen die her, wo leben die?“, fragte Lea Baumann und spielte das Szenario durch: neue Wohngebiete, zusätzliche Kindergärten, größerer Bauhof, Ausbau von Feuerwehr und Rettungsdienst. „Wer bezahlt das alles?“, fragte sie und mutmaßte: „Das interessiert keine der anderen Verbandsgemeinden.“
Obendrein sehen die Gegner des Gewerbeparks nicht ein, dass ihre Gemeinden die Hauptlasten zur Errichtung des Industriegebietes tragen, aber an den Erlösen nur anteilig partizipieren sollen. „Wir stellen sämtliche Flächen, die Landwirte müssen danach teils auf andere Gemarkungen ausweichen, das kostet Zeit und Geld.“
Bestärkt vom Beifall der Versammlungsgäste, kritisierten die Initiatoren auch ihre örtlichen Gemeinderäte. „Wir wissen, dass nicht alle Räte diesen Gewerbepark wollen, aber keiner hat das mit seinem klaren Nein zum Ausdruck gebracht“, meinte Hans-Dieter Ruhland. Und von ihren Bürgermeistern hätten sie sich mehr Transparenz gewünscht, vieles hätten sie aus der Presse erfahren. Dagegen wehrten sich zwei Gemeinderäte, die sich bis dahin ruhig die Standpunkte angehört hatten. Sie verwiesen auf die öffentlichen Ratssitzungen. „Dort hätten Sie auch über einige Punkte, die heute falsch wiedergegeben waren, die richtigen Fakten erhalten“, sagte Gemeinderätin Brigitte Burghardt aus Merklingen. Einige Fehlinformationen und Fragen klärte Kaufmann noch direkt, verwies aber auf die geplante Infoveranstaltung.

Fragen an die Bürgermeister

Die Aktionsmitglieder sammeln nun Unterschriften, werben um Mitkämpfer, die ihren Standpunkt bekräftigen. Fast erschrocken reagierten sie, als sie von Kaufmann hörten, dass die Verbandsversammlung bereits am 12. Dezember über den Standort entscheiden werde – der Termin war allerdings schon mehrfach öffentlich gemacht worden. An ihrem Ziel halten sie dennoch fest, wollen als Nächstes mit einem Fragenkatalog auf die Bürgermeister zugehen. Auch ein Bürgerbegehren halten sie nicht für ausgeschlossen.

Dörfer damals bei Plänen für Teststrecke gespalten

Eigenentwicklung Die Aktionspartner wollen ein maßvolles, selbstständiges Wachstum der Gemeinden Merklingen und Nellingen. Sie sind davon überzeugt, dass die bereits ausgewiesenen Gewerbegebiete sowie die vorhandenen Möglichkeiten zur Eigenentwicklung genügen.
Start Eine Infoveranstaltung des Bauernverbands in Merklingen zum geplanten Gewerbegebiet war der Auslöser zur Gründung von „AktionLandSchafft“ durch 15 Gleichgesinnte, berichtet Roland Salzmann. Der Gruppe gehören neben Landwirten vor allem Gewerbetreibende und Handwerker an. Die Gründe, weshalb die Initiatoren anfangs anonym auftraten, liegen Salzmann zufolge in schlechten Erfahrungen, die gemacht wurden, als Daimler vor einigen Jahren eine Teststrecke am selben Standort geplant hatte. Damals seien die Dörfer gespalten gewesen, es sei zu unschönen Ereignissen gekommen.