Ich weiß nicht, was der Mensch alles aushalten kann“, sagt Beate K. Ausgezehrt und blass sitzt sie am schlichten Esstisch, einem der wenigen Möbelstücke im Zimmer. Dabei sind sie und ihr Lebensgefährte Martin M. (alle Namen geändert) froh, dank der Mitarbeitenden verschiedener Hilfsorganisationen überhaupt eine Wohnung gefunden und notdürftig eingerichtet zu haben. Ein Dreivierteljahr lang haben sie in der Ulmer Notunterkunft im Mähringer Weg gelebt.
„Wir hatten buchstäblich gar nichts mehr, keinen Teller, keine Kleider und keine Klobürste“, sagt der 69-Jährige. Einst baute er selbst Wohnungen. Er arbeitete als selbstständiger Architekt mit Firmen zusammen, die sich mit Projekten im Osten übernommen hatten. Das wurde auch ihm wirtschaftlich zum Verhängnis. Aus der Bahn geworfen hat das Paar aber der plötzliche Tod der Tochter von Beate K. „Sie war mein Augapfel“, sagt die 72-Jährige. Sie wollte selbst nicht mehr leben, versuchte, sich umzubringen und landete in der Psychiatrie. „Da hab´ ich dann auch durchgedreht“, erzählt Martin M. Er wurde ebenfalls stationär behandelt.

Während des Klinikaufenthalts Türschlösser ausgetauscht

Als er aus der Klinik kam, habe er vor vollendeten Tatsachen gestanden:  Der Hauseigentümer habe die Schlösser ausgetauscht und die Wohnung komplett ausräumen lassen, da M. und K. Mietschulden hatten. Bisher ist es ihnen nicht gelungen, die Wertgegenstände wiederzubekommen. Sie wüssten zwar, wer sie eingelagert haben soll, doch die Person sei nicht mehr zu erreichen. „Heute heul´ ich den Sachen nicht mehr nach“, betont Beate K. Schlimm sei jedoch, „dass uns unsere Vergangenheit gestohlen wurde“, ergänzt Martin M.: „Fotos, Urkunden – alles weg.“ Für seine Partnerin war es ein schwerer Schock, als sie direkt von der Klinik in die Notunterkunft gefahren wurde. Ein paar Tage lang sprach sie kein Wort.  Dann wurde sie aktiv, putzte Klo, Bad und Küche in der Gemeinschaftsunterkunft und nahm Kontakt auf zu den Geflüchteten, die im Haus wohnen. Gemeinsam mit Martin M. half sie ihnen, Deutsch zu lernen.
Sie selbst wurden und werden unterstützt von sozialen und karitativen Organisationen, mit deren Hilfe sie eine kleine Wohnung fanden. Dort leben sie seit einem Jahr mehr oder weniger aus Koffern – und mit minimaler Rente. „Unsere Betreuer und Freunde schenkten uns das Nötigste“, berichtet M. Anfangs wusch er das Geschirr in der Badewanne, mittlerweile hat die Küche eine Spüle samt funktionierendem Wasserhahn. Die Kosten dafür stottern die Beiden ab. Die Waschmaschine, die sie geschenkt bekamen, funktionierte nicht. M. kaufte eine gebrauchte, weil er weiß, wie viel es seiner Lebensgefährtin bedeutet, die Kleider richtig waschen zu können. Notfalls verzichte er aufs Essen. Das wird in der kleinen, ebenfalls notdürftig ausgestatteten Küche zubereitet. Beate K. erinnert sich wehmütig: „Kochen und Backen waren mein Hobby.“ Daran kann sie aber momentan nicht denken.

Auf Spenden angewiesen

In erster Linie geht es für sie und M. darum, den Alltag und das Leben trotz psychischer und körperlicher Erkrankungen wieder in den Griff zu bekommen. Therapeuten und Fachleute helfen ihnen dabei. Beim Einrichten der Wohnung sind sie auf Spenden angewiesen.

Direkte Hilfe für Martin M. und Beate K.

Gezielte Unterstützung Wer Martin M. und Beate K. helfen möchte, weiterhin im Leben Fuß zu fassen, vermerkt auf dem Überweisungsformular unter Verwendungszweck das Stichwort „Martin und Beate“.