Es war ein heißer Sommertag. Der Mann von Carolin S. (Name geändert) zog zur Feier seines Geburtstags wieder einmal von einer Kneipe zur nächsten. Als er endlich nach Hause wollte, schöpfte Carolin S. Hoffnung. „Aber daheim trank er weiter“, berichtet die 31-Jährige. Er schüttete Alkohol in sich hinein, bis er völlig betrunken war. Wie so oft zuvor wurde er im Suff ausfällig, beleidigte und beschimpfte seine Frau. Sie erinnert sich an Worte, die sie nicht wiedergeben könne und wolle. Damals versuchte sie, ihm gut zuzureden, ihn zu besänftigen.  Doch er schleuderte ihr den nächstbesten Gegenstand ins Gesicht. Sie blutete  und wusste: Jetzt ist es genug.
Sie flüchtete mit ihrem Sohn zu Bekannten. Dass sie nicht zurückkehren wollte, wurde ihr in dem Moment klar, als eine Nachbarin sie anrief und ihr mitteilte, dass ihr Mann im Haus weiter randaliert habe. Diesmal wollte sie ihm keine „letzte Chance“ geben, „auch wenn ich nicht wusste, wie es weitergehen sollte“.

Viel Gewalt in elf Jahren Ehe

Gewaltausbrüche hat Carolin S. in ihren elf Ehejahren häufig erlebt, irgendwann gab es fast nur noch „schreckliche Tage“. Alles Geld floss in den Alkohol- und Cannabis-Konsum des Mannes, der über Zeitarbeit beschäftigt war, wenn er nicht gerade wieder entlassen worden war.
Carolin S. war sehr jung, als sie ihren Partner kennenlernte. Mit 17 Jahren bekam sie ein Kind von ihm, ein Jahr später heiratete das Paar. Sie holte den Schulabschluss nach, absolvierte eine Ausbildung und arbeitete in ihrem Beruf einige Jahre als Springerin. Lange habe sie um eine feste Stelle gekämpft. Die hat sie vor einem Jahr bekommen, allerdings in Teilzeit. Der Job mache ihr große Freude. Umso mehr bedauert sie, dass sie aufgrund der Trennung die Stelle wohl aufgeben und eine Ganztagsarbeit suchen müsse.

Nicht mal 200 Euro zum Leben für Mutter und Sohn

Nach Abzug der Miete für die Drei-Zimmer-Wohnung, die sie glücklicherweise für sich und ihren 14-jährigen Sohn schnell gefunden hatte, bleiben ihr keine 200 Euro von ihrem Lohn. Einige Möbel bekam sie geschenkt, ein Bett kaufte sie auf Raten. Formulare auszufüllen, um staatliche Leistungen zu bekommen, „das ist alles neu für mich“, sagt sie. „Dann sitz´ ich am Abend da und heul´ nur noch.“
Das Jobcenter hat ihr inzwischen Unterstützung zugesagt. Viel mehr als die Fixkosten decken kann sie damit aber nicht, zumal sie momentan auch noch Telefon- und Internetanschluss für die alte Wohnung bezahlen muss, weil sie den Vertrag mit der Telekom damals unterschrieben hatte.

Rad des Sohnes für Drogen versetzt

Von ihrem Ehemann sei nichts zu erwarten, im Gegenteil. Das Fahrrad des 14-jährigen Sohnes habe er verkauft, um sich Stoff besorgen zu können. Am Rad von Carolin S. hat er seine Aggressionen ausgelassen, sodass es deshalb nicht mehr fahrtauglich ist. Das schränkt ihre ohnehin kaum vorhandene Mobilität noch weiter ein.
Ihre Sehnsucht sei, einmal etwas Anderes zu sehen als Ulm. Sie und ihr Sohn seien – bis auf ein einziges Mal – noch nie aus der Stadt beziehungsweise der näheren Umgebung herausgekommen. Daher war es wie eine Befreiung für sie, als sie ihren Mann verließ und erstmals Bekannte im Nachbarlandkreis besuchte. Da habe sie sich gefragt, wie dumm sie eigentlich all die Jahre gewesen sei. „Am Anfang war es Liebe“, sagt sie. „Aber dann war es nur noch Angst – und eine Scheißzeit.“ 

Gezielte Hilfe für Carolin S.

Direkte Unterstützung Wer der alleinerziehenden Mutter und ihrem 14-jährigen Sohn helfen möchte, notiert auf dem Überweisungsformular unter Verwendungszweck das Stichwort „Carolin S.“.