Die Wohnung ist blitzsauber, kein Stäubchen darf es sich bequem machen auf den Möbeln. Doris L. (Name geändert) legt großen Wert auf Sauberkeit. Schließlich hat sie jahrzehntelang als Reinigungskraft gearbeitet. Dabei hat sie sich „den Rücken kaputtgemacht“, wie sie sagt. Als sie vor zwei Jahren in der eigenen Küche ausrutschte, war sie daher schon einige Zeit wegen Erwerbsunfähigkeit in Rente. „Zum Glück hatte ich damals Besuch, der den Rettungsdienst alarmierte“, erinnert sich die allein lebende Frau.

Komplizierter Bruch beeinträchtigt Funktion des Handgelenks

Beim Sturz zog sie sich einen komplizierten Bruch des Handgelenks zu, der sie bis heute im Alltag stark einschränkt. „Alles, wozu man zwei Hände braucht, kann ich nicht allein machen“, sagt sie. Der Medizinische Dienst stufte sie unbefristet in Pflegegrad 2 ein, sie ist auf Pflege und hauswirtschaftliche Hilfe angewiesen.  Nach wie vor werden ihre Schmerzen behandelt.
Da Doris L. eine kleine Rente und Grundsicherung bezieht, war ihre ursprüngliche Wohnung mit 80 Quadratmetern zu groß und zu teuer. „Das Jobcenter machte Druck wegen der Größe und wegen der Heizkosten“, sagt die 67-Jährige, die seit 16 Jahren an der Lungenkrankheit COPD leidet. „In der alten Wohnung bin ich im Winter nachmittags um vier ins Bett gegangen, um Heizkosten zu sparen“, erzählt sie. „Ich war immer erkältet.“ Ihre Bekannten hätten sie in der kalten Jahreszeit nie besucht, weil das große Wohnzimmer gar nicht richtig warm wurde.

„Es ist alles schiefgelaufen“

Zu sparen ist sie von klein auf gewohnt. Die Kindheit war nicht einfach. Die Eltern hatten sich früh scheiden lassen, Doris L. und ihre vier Geschwister wuchsen bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf. „Wir litten oft Hunger“, sagt die Rentnerin, die ein Buch schreiben könnte über ihre Erlebnisse. Sie selbst wurde mit 17 Jahren zum ersten Mal Mutter, bekam in großen Abständen zwei weitere Kinder und ist mittlerweile zweimal geschieden. „Es ist alles schiefgelaufen“, resümiert sie und sagt: „Ich habe nichts Schönes gehabt im Leben.“ Wenigstens hatte die Wohnungssuche Erfolg. Fast zwei Jahre nach ihrem häuslichen Unfall konnte sie in eine Neubauwohnung in einem Ulmer Stadtteil ziehen. Doch für die Kaution und neue Möbel musste sie sich Geld leihen. Die alte Einrichtung passte nicht in die kleinen Räume.

„Große Angst, nie wieder aus dem Schuldenloch herauszukommen“

Ihre Hoffnung, für die gebrauchten Stücke zumindest noch einen kleinen Betrag zu bekommen, zerschlug sich. „Die alten Möbel wollte niemand kaufen.“ Sie verschenkte das Mobiliar an eine gemeinnützige Organisation und kaufte so günstig ein wie möglich – auf Raten und zweite Wahl. Daran, dass die Schranktüren unterschiedlich stark ausgebleicht sind, dürfe sie sich nicht stören. Mit viel Geschick richtete sie Wohn- und Esszimmer ein, Platz für Deko und Schnickschnack bleibt nicht – schon gar nicht für einen Christbaum.  Sterne an den Fenstern sollen für weihnachtliche Stimmung sorgen. Ob die aufkommt, ist für Doris L. fraglich. Sie sagt: „Ich habe große Angst, nie wieder aus dem Schuldenloch herauszukommen“.

Gezielte Hilfe für Doris L.

Direkte Unterstützung Wer Doris L. mit einer Geldzuwendung fördern möchte, notiert auf dem Überweisungsformular unter Verwendungszweck das Stichwort „Doris L.“.