Ein belgischer SUV auf dem Schulhof. Dieses ungewöhnliche Bild gab es am Mittwoch in Kellmünz zu sehen. Grund war, dass wegen eines Loches unter der Fahrbahn die A 7 gesperrt war. Und das führte in den umliegenden Ortschaften verkehrstechnisch zum Ausnahmezustand.
Mitarbeiter der Straßenmeisterei Memmingen hatten zunächst nichts Außergewöhnliches vermutet, als sie bei einer Streckenkontrolle am Freitag den Schaden auf dem östlichen Standstreifen der A 7 auf Höhe von Dettingen entdeckten. Die zuständige Dienststelle der Autobahndirektion Südbayern in Kempten ließ sicherheitshalber in dem Bereich eine Geschwindigkeitsbeschränkung ausschildern und verschwenkte mit Warn­baken den Verkehrsfluss. Der Bereich um das Loch wurde anschließend mit einem Georadar untersucht, übers Wochenende ein Gutachten erstellt. Vermutet wurde eine „Schichtstörung“ (siehe Infokasten).

Ursache Pressbohrarbeiten

„Ein erster Sanierungsvorschlag war, den Hohlraum zu verfüllen und den Standstreifen und den äußeren Fahrstreifen zu asphaltieren“, sagte der Leiter der Kemptener Dienststelle Olaf Weller auf Nachfrage. Doch als die Fahrbahndecke geöffnet war, zeigte sich ein wesentlich größerer Hohlraum als vermutet: etwa 60 Zentimeter breit und 40 Zentimeter tief  – und fünf Meter lang, quer unter der Fahrbahn. Die Fahrbahndecke bestehe aus 30 Zentimeter dickem Asphalt, erläuterte Weller: „Um sicher zu gehen entschieden wir, Untergrund und Asphalt über beide Fahrspuren zu erneuern.“
Als Ursache für das Loch stehen Pressbohrarbeiten fest, mit denen im vergangenen Herbst ein Kanalrohr unter der Straße hindurch verlegt worden ist. Dabei könnten die Feinanteile des Bodens in den Untergrund versickert und der leicht ins Rollen zu bringende Kies nachgerutscht sein, vermutet der Baudirektor. Ausgeführt hatte die Arbeiten ein renommiertes regionales Bau­unternehmen – die Geschäftsführung beziehungsweise die zuständige Sprecherin waren am Mittwoch nicht zu erreichen.
Keine Frage für die Verantwortlichen war, dass der Schaden umgehend behoben werden musste. Zunächst sollte jede der vier Fahrspuren einzeln saniert werden. Am Dienstag aber entschloss sich die Autobahndirektion, je eine Fahrspur voll zu sperren. In Fahrtrichtung Ulm geschah dies um 14.30 Uhr. „Mit Hochdruck“ sägten der Leutkircher Roland Uhrebein und sein Team einen sechs Meter breiten Streifen aus der Straße, verfüllten und verfestigten den Abschnitt bis in die Morgenstunden des Mittwochs. Kurz nach 11 Uhr kippte die erste Baggerschaufel Asphaltgemisch in das Loch.
Stau durch Sperrung auf A7

Verkehr Stau durch Sperrung auf A7

Ausnahmezustand für die Gemeinden in der Umgebung

Weller war froh, überhaupt ein offenes Mischwerk – ein Ulmer Unternehmen – gefunden zu haben: „Bei uns im Allgäu haben die noch Winterruhe.“ Nach dem Wechsel von Füllen und Verfestigen zeugte bald nur noch ein schwarzer Streifen von der Nacht-und-Nebel-Aktion. Kurz nach 14 Uhr konnte der Verkehr am Mittwoch dann wieder ungestört in Richtung Ulm rollen. Gegen 16 Uhr nahmen die Arbeiter die Fahrbahn in Richtung Süden in Angriff – diese wurde gesperrt. Am Donnerstag soll der Hohlraum auch dort verfüllt sein.
Für die Gemeinden in der Umgebung bedeutete die Umleitung des Verkehrs den Ausnahmezustand. Von der Abfahrt Dettingen ging es durch Dettingen nach Kellmünz und über Filzingen zur Auffahrt Altenstadt. So sah es zumindest die „U 91“ vor. Nach anderthalb Stunden Stau auf der A 7 wollten etliche Autofahrer aber einfach nur noch weg. Immer wieder scherten welche aus und nahmen Wege, die sie als Ortsunkundige offenbar überhaupt nicht abschätzen konnten – wohl im Glauben, das Navi werde schon helfen: Am Ende führte es die allermeisten wieder zurück in die Kolonne auf die A 7.

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Kanalrohr Das Kanalrohr unter der A 7 hat einen Durchmesser von 60 Zentimetern, sagte Dettingens Bürgermeister Alois Ruf auf Nachfrage. Es ist die Schutzhülle für eine Wasserhauptleitung für den Teilort Kleinkellmünz und das Gewerbegebiet an der A 7 sowie für Glasfaserkabel.