Wer nach der Weihnachtszeit nichts Süßes mehr sehen kann und trotzdem gern nascht, für den könnte sich eine Fahrt zum Albrechtenbauern nach Öllingen lohnen. Denn dort betreiben Carole und Jürgen Hieber ihre Popcorn-Manufaktur. Die Geschmacksrichtungen im Angebot: „Knallmais“ mit Knoblauch, die fruchtig-herbe Sorte Ruby, Paprika-Chili, Bergsalz, aber auch klassisch oder karamellisiert. Die aktuelle Lieblingssorte von Carole Hieber ist eine Mischung mit neun winterlichen Gewürzen.
Vor vier Jahren haben sie das Start-Up als Zweig des Albrechtenhofs aufgezogen. Entstanden war die Idee einst am Mittagstisch im Gespräch mit dem Mitarbeiter eines Saatgut-Vertriebs. Inzwischen läuft das Geschäft mit den meist 60 Gramm schweren Tüten, in denen sich der veredelte Speisemais befindet. Da tun sich ganz neue Verwendungsmöglichkeiten auf, wie Popcorn als Beilage zu Fleisch oder Salat. „Popcorn essen geht immer“, sagt die Schweizerin, deren Mutter aus dem Badischen stammt. Carole Hieber ist anzumerken, wie sehr sie von ihrem Projekt begeistert ist.

Tester sind gefragt

Die drei Kinder Marlene (13), Hannes (10) und Titus (8) sind ihre eifrigsten Helfer, aber auch Kritiker. Beispielsweise wenn es darum geht, eine neue Geschmacksrichtung zu testen wie jüngst die „Adventliche“ oder Maghreb. Neben den Kindern werden auch Freunde zu Testern, die beurteilen, ob etwa das Mischungsverhältnis passt.
Während Hannes und Titus sich ihre eigenen Gedanken zum Thema Popcorn machen und sich in den Hofladen oder beim Online-Shop einbringen, hat Marlene in diesem Jahr das Pflügen für sich entdeckt. Denn bevor das Popcorn in die Tüte kommt, ist natürlich eine Menge zu tun. Auf rund 75 Hektar bauen Hiebers selbst Speisemais an. Ein Teil davon sind Popcorn-Sorten, die zudem noch auf den Feldern einiger Kooperationspartner in der Kirchheimer Gegend wachsen. Insgesamt sind es etwa 25 Hektar Ackerfläche, auf denen die Körner für die Öllinger Mais- und Popcorn-Produktion wachsen.

„Mushroom“-Form oder „Butterfly“

Nicht jede Mais-Sorte ist gleichermaßen geeignet und beim Endprodukt gibt es zudem auch optische Unterschiede. „Mushroom“ etwa ploppe kugelförmig auf, wenn man die Körner mit heimischem Rapsöl erhitze, erklärt Carole Hieber. Das erinnere dann vom Aussehen her an Champignons: „Butterfly-Mais dagegen sieht eher wie ein Schmetterling aus.“
Beiden Sorten gemein ist, dass sie viele Sonnenstunden zum Wachsen brauchen, denn eigentlich sind sie in südlichen Ländern beheimatet. Die Pflanzen werden sehr hoch und durstig seien sie außerdem. „Deshalb stehen sie bis November, Dezember auf den Äckern, um Sonne zu tanken“, erklärt Jürgen Hieber: „Wir haben eine Win-win-Situation bei der Bewirtschaftung, weil nur der Kolben geerntet wird und die Reste der Pflanze auf dem Acker zurückbleiben, sie werden zerkleinert und unterstützen den Humusaufbau.“

Was nach der Ernte passiert

Dadurch könne der Boden besser Nährstoffe und Wasser aufnehmen und speichern, was für die Folgefrucht wichtig sei. Oftmals kommt noch eine Gründüngung hinzu mit Pflanzen wie der Phacelia, über die sich die Bienen vor dem Winter freuen, oder Rettich-Gewächse, die Kanäle in den Boden graben und für eine gute Durchlüftung sorgen.
Nach der Ernte wird der Speisemais mehrmals getrocknet und gedroschen. Dies alles passiert mit der Energie aus den eigenen beiden Blockheizkraftwerken am Albrechtenhof. Diese werden mit Biomethan betrieben. Der Ökostrom wird außerdem in das öffentliche Stromnetz eingespeist, er liefert Strom für etwa 1000 Menschen. Mit der Abwärme des Motors heizen Hiebers die Gebäude, trocknen Holz und setzen es in der Trocknungsanlage ein.

Ein Hof mit Tradition

Den Albrechtenhof gibt es schon seit viele Generationen. Auch Senior Georg Hieber (82) arbeitet noch mit. Aktuell werden auch Schweine gemästet, doch die Mast steht auf der Kippe. Wegen der neuen gesetzlichen Bestimmungen müsste erheblich investiert werden. Zudem sei das am Standort im Dorf wohl nicht mehr zu machen, sondern nur außerhalb.
Carole Hieber hat vor kurzem ihr Fernstudium zur Onlinemarketing-Managerin abgeschlossen. Mittlerweile hat sie mit der Konditorin Jessica Fraser Unterstützung in der Popcorn-Produktion. Die 22-Jährige soll nicht die einzige festangestellte Mitarbeiterin bleiben. Täglich werden Päckchen gepackt und auf Paletten für den Versand gestapelt, denn Carole Hieber hat es mit ihren Popcorn-Tüten geschafft, bei regionalen Kaufleuten wie bei Rewe und Edeka in die Regale zu kommen, nachdem sie die von der Qualität ihrer Ware überzeugen konnte.

Alles aus einer Hand

„Alles aus einer Hand“ ist ihre Devise. Neben allen Rohstoffen bezieht sie möglichst auch Etiketten und Verpackung aus der Region. Und so schaut sie auch darauf, dass ihr Speisemais, den es bei ihr in drei Mahlgraden als Maisgries, Polenta und Bramata gibt, in der Mühle ihres Ver­trauens bearbeitet wird und dann zurückkommt. Das sei nachhaltig, sagt sie. Ihr nächstes Projekt mit persönlicher Note: Popcorn mit feiner Schweizer Schokolade. Es soll zu Ostern auf den Markt kommen.

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Popcorn und mehr

Empfehlung Für die Tage nach überstandener Feiertags-Völlerei empfiehlt Carole Hieber einen Campari Orange mit scharfem Paprika-Chili-Popcorn, denn das rege die Verdauung zweifach an.
Maisgries Wer morgens noch nicht viel essen mag, kann sich am Vorabend einen Maisgries kochen und mit einem Eisportionierer eine Kugel davon auf den Teller tun. Mit einem Löffel voll Marmelade oder frischen Früchten kann man dies kalt und warm verspeisen. Der Vorteil: Es ist eine sättigende Mahlzeit.
Einkauf Der Onlineshop der Familie Hieber ist unter www.hilenta.de zu finden. Samstags, 9.30 bis 11.30 Uhr, wird vor Ort in der Hauptstraße 52 in Öllingen verkauft. Telefonisch erreichbar ist der Shop unter der Nummer (07345) 928 20 98 zwischen 9 und 16 Uhr.