Hirschau · Pilotprojekt: Carsharing-Fahrzeug wird zum Bürgerauto

Schwäbisches Tagblatt
.In Hirschau soll es ab November 2019 einen neuen Service geben: Ein Bürgerauto, gesteuert von ehrenamtlichen Fahrer(inne)n, bringt Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu Zielen im Umkreis. Das könnte ein Besuch auf dem Friedhof oder eine Einkaufsfahrt sein. Fahrgäste melden ihren Fahrtwunsch am Tag vorher an, werden an ihrer Haustür abgeholt und später wieder zurückgefahren. Das kostenlose Angebot kann von Hirschauern gebucht werden, die nicht gut zu Fuß sind. Eine Spende ist erwünscht, nicht aber Bedingung.
„Über diese sehr charmante und elegante Lösung freue ich mich“, so Ortsvorsteher Ulrich Latus in einer Pressemitteilung. Entstanden ist die Idee im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprozesses, der im März 2018 in Hirschau ins Leben gerufen worden ist. Hugo Piendl, Werner Müschenborn, Franziska Holl und Miriam Fecker von der Initiativgruppe Bürgerauto: „Wir wollen unseren Mitmenschen helfen, so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben bei uns in Hirschau zu führen.“ Der Bedarf wurde 2018 per Umfrage ermittelt.
Das Konzept beruht auf einer Kooperation mehrerer Partner: Der Kreisseniorenrat wird Kunde bei der Genossenschaft Teil-Auto Neckar-Alb. Deren in Hirschau vorhandenes Carsharing-Fahrzeug wird zusätzlich als Bürgerauto genutzt; die Infrastruktur ist gegeben und das Fahrzeug wird besser ausgelastet. Dadurch profitieren alle Projektbeteiligten, so Anita Gaiser, Projektmanagerin bei Teil-Auto Neckar-Alb. Ehrenamtliche übernehmen die Fahrdienste im Auftrag des Kreisseniorenrates und sind dabei versichert. „Wir vom Kreisseniorenrat sehen in dem Konzept eine große Chance“, sagt der Vorsitzende Michael Lucke. „Wenn das Modell in Hirschau funktioniert, könnte es Schule machen und zum Vorbild werden für andere Ortschaften.“ Jetzt suchen die Initiatoren Menschen, welche die ehrenamtlichen Fahrdienste und die Einsatzplanung sporadisch oder regelmäßig übernehmen wollen. Wer sich angesprochen fühlt, kann sich melden im Rathaus Hirschau unter Telefon 07071/2046050.
Insgesamt stehen Hirschau im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprozesses 70000 Euro an Landesmitteln zur Verfügung. Aus diesem Topf bekommt das Bürgerauto eine Anschubfinanzierung für die maximal anderthalbjährige Pilotphase. „Während dieser Zeit sollen Erfahrungswerte gesammelt werden, um zu prüfen, wie das Projekt verstetigt werden kann“, so Claudia Stöckl von der Stadtverwaltung, die den Bürgerbeteiligungsprozess begleitet.
Der Hirschauer Bürgerbeteiligungsprozess ist Teil der Tübinger Pflegestrategie, deren Fokus auf der Entwicklung der Stadtteile und Teilorte liegt. Ziel ist es, dass die Bürger/innen auch im Alter und bei Pflegebedarf in ihren Stadtteilen und Teilorten wohnen bleiben können.