Rückschlag für ein Herzensprojekt der Grünen: In einer Online-Umfrage haben sich Baden-Württembergs Studierende mehrheitlich gegen die Einführung eines landesweiten Semestertickets ausgesprochen. Die bisher unveröffentlichten Ergebnisse liegen unserer Zeitung vor. 51,5 Prozent der Teilnehmer sind gegen das Drei-Stufen-Modell, das mit den Verkehrsverbünden verhandelt wurde. Die Vollversion stößt auf vernichtende Resonanz: Mehr als 95 Prozent der Studierenden lehnen sie ab. Insgesamt haben knapp 35 000 Teilnehmer abgestimmt, gut zehn Prozent der eingeschriebenen Studenten.

Freie Fahrt im gesamten Land

Abgefragt wurde ein System mit drei Optionen. Grundsätzlich wird Studierenden dabei zusätzlich zum Semesterbeitrag der Studierendenwerke ein Solidarentgelt von 71,75 Euro abverlangt. Mit der Basisversion hätten sie werktags nach 18 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen in Baden-Württemberg freie Fahrt. Modell zwei sieht zusätzlich die unbegrenzte Nutzung des örtlichen Verkehrsverbunds vor; entsprechend kommen die Kosten des lokalen Studierendentickets hinzu.
Das dritte Modell sattelt noch einmal 198,25 Euro drauf. Dafür haben die Inhaber zwar freie Fahrt im gesamten Land. Im Stuttgarter VVS-Gebiet würde das laut der zuständigen Arbeitsgruppe in der Landes-Astenkonferenz (LAK) allerdings 525,60 Euro kosten. „Das teuerste Landesstudierendenticket in der Bundesrepublik“, wie Sprecher Florian Wondratschek unserer Zeitung erklärte. Für ihn ist die Ablehnung eine Konsequenz aus „Preiswucher“. Die Arbeitsgruppe will die Auswertung diese Woche noch vorstellen.

Teilnehmer gegen landesweites Semesterticket

Über das Projekt wird letztlich per Urabstimmung an den Hochschulen entschieden; die Online-Umfrage sollte zuvor sicherstellen, dass der Aufwand nicht ohne Chancen erfolgt. Da die ursprünglich für Juni angekündigten Resultate auf sich warten ließen, haben vier Hochschulen schon Urabstimmungen abgeschlossen.  Der LAK zufolge fiel die Ablehnung mit 51 Prozent an der PH Heidelberg knapp aus. An den Universitäten Heidelberg und Ulm stimmten je 77 Prozent der Teilnehmer gegen  ein landesweites Semesterticket. An der PH Ludwigsburg votierten gut 80 Prozent dagegen. Insgesamt setzen die Verkehrsbetriebe bei den Urabstimmungen eine Zustimmung von mindestens zwei Dritteln voraus. Für den Dezember sei auch an der Uni Hohenheim eine solche geplant, sagte Wondratschek. Sollte es dort zu einer neuerlichen Ablehnung kommen, könne die Hürde schon gerissen sein. 

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