In Sachen Klavierbau ist der Flügel die Krone der Schöpfung. In und um Heidenheim herum kann man mehr oder weniger regelmäßig ein gutes Dutzend Flügel im öffentlichen Konzerteinsatz erleben. Diese im Rahmen einer Serie vorzustellen, ist ein Fall für die „Flügelflüsterer“, die der Weg heute nach Steinheim führt.

Und obwohl man mit Namen gemeinhin keinen Scherz treibt, sind sich die Flüsterer nicht zu schade, sich die Anfahrt mit ein wenig Herumgealbere zu versüßen. Und da beißt die Maus ja auch keinen Faden ab: In Steinheim steht – und was sollte dort sonst stehen? – selbstverständlich ein Steinway. Und zwar ein B-Flügel des Baujahrs 1989.
 


 

Dieser verkörpert, unter anderem, gleichzeitig auch den Beweis dafür, dass ein Steinway nicht nur ein Klavier ist, sondern auch eine Kapitalanlage sein kann. Heute zum Beispiel kostet die drittgrößte Hausnummer von sieben bei Steinway gefertigten Modellen als Neuanschaffung um die 90 000 Euro. Als sich die Musikschule Steinheim 1990 ihren B-Flügel kaufte, musste sie dafür 65 000 Mark hinlegen.

Unter Investmentberatern gilt als sicher, dass, wer einen Steinway als Kapitalanlage betrachtet, ihn nach zwölf bis fünfzehn Jahren, in denen er ihn ja auch als Flügel spielen und genießen konnte, ohne Wertverlust wiederverkaufen kann. Wer noch etwas mehr Geduld aufbringt und länger zuwartet, erlöst dann für einen Steinway oft mehr, als er dafür bezahlen musste.

Wobei die Musikschule Steinheim nicht im Verdacht steht, ihren Steinway als Kapitalanlage gekauft zu haben. Hier galt's von vornherein der Kunst, als der Flügel, zur Feier des Einzugs in die damals nagelneuen Musikschulräume, angeschafft worden war. Und Dieter Eisele, seinerzeit Bürgermeister der Albuchgemeinde, war in Sachen Flügel tatsächlich richtiggehend betteln gegangen. Bei den Bürgern und in Steinheims Firmenwelt. Kaum jemand schlug ihm dabei die Tür vor der Nase zu – und so waren am Ende 85 000 Mark an Spenden zusammengekommen. Genügend Geld, um zum neuen Flügel auch noch zwei Pianinos zu kaufen. Eingeweiht wurde der neue Flügel übrigens anlässlich eines Klavierabends mit dem finnischen Painisten Juhani Lagerspetz, der, die Ankündigung des Konzerts ist erhalten, bei dieser Gelegenheit Chopin und Beethoven reichte.

Wie der ausschließlich für Konzerte und zur Vorbereitung auf „Jugend musiziert“ verwendete Steinway damals klang, ist nicht überliefert. Wie er heute klingt, testet Oberflüsterer Eric Mayr mit dem obligatorischen Haydn in A und dem ebenso unverzichtbaren Brahms in d. Und? „Ein wirklich feines Instrument und gut in Schuss. Ein schöner Steinway, auch für den Steinway-Standard, und die machen ja bekanntlich keine schäbigen Instrumente.“

Da strahlt auch Günter Flumm, der Musikschulleiter, von Haus aus ein Mann für Trompete und Horn, also fürs Blech und weniger fürs Klavier. Und als dann „sein“ Flügel auch noch den von Mayr milde belächelten, von Manfred Kubiak allerdings vehement verteidigten C-5-Test besteht, hat der Steinheim bewiesen, dass man in Steinway am Albuch zurecht stolz auf ihn ist. „C-5-Test“?, hatte Arthur Penk gefragt, als er zum ersten Mal davon hörte und diese Erklärung dafür bekommen hatte: Beim C-5-Test wird die Taste des höchsten auf dem Flügel zur Verfügung stehenden Tones angeschlagen. Die Bandbreite dessen, was es dann zu hören gibt, reicht von einem hässlichen Klicken im schlechtesten bis zu einem beinahe als rein zu bezeichnenden c.

Info Wer die „Flügelflüsterer“ in Ton und Bild bei der Arbeit erleben möchte, findet alle erschienenen Texte, Bilder und Videos auf www.hz-online.de/kultur. Per Smartphone und Tablet erreicht man die Seite über den im Bild eingeblendeten QR-Code.