Der Kultursaal war fast voll. Das Publikum war bereit, sich mit vorwiegend US-amerikanischer Weihnachtsmusik berieseln zu lassen. Und die achtköpfige Jazzcombo um den Posaunisten Ale­xander Katz war bereit, mit ihrem Spiel für einen stimmungsvollen Abend zu sorgen.
Sängerin Rebecca Katz eröffnete mit Jule Stynes „Let It Snow“, zusammen mit den anderen Musikern mit viel Drive und Flow dargeboten. Mit warm getönter Stimme nahm sie mit Hugh Martins leicht kitschig-schönem „Have Yourself A Merry Little Christmas“ gleich wieder Tempo heraus. Dem kurzfristig eingesprungenen Pianisten Paul Weiner bot es die Möglichkeit, in einem kleinen Chorus für Tastenglitzern zu sorgen.

Sanfter Gesang

Etwas seltener ist Irving Berlins „I’ve got my love to keep me warm“ zu hören. Alexander Katz sorgte wieder für Drive, was ­Pierre Paquette auf dem Altsaxofon für druckvolles Spiel nutzte. Helmut Engelhardt beantwortete dies mit aufgerauten Tenorsaxofontönen im nachfolgenden „I’ll be home for christmas“ von Walter Kent. Andy Lawrence konfrontierte Rebecca Katz’ sanften Gesang mit der bluesigen „Hot Intonation“ seiner Trompete.
Paquette verschaffte mit seinem Spiel auf dem Baritonsaxofon Gerhard Froboess’ „Hei, hei, hei, so eine Schneeballschlacht“ jazzigen Groove. Als Kontrast gab’s Mel Tormés zart intonierten „The Christmas Song“.
Von Alexander Katz wohlig weich gesungen war später Mickey Rooneys „My Little Christmas Tree“ zu hören. Aus der Soundwolke holte die Zuhörer vor allem Drummer Peter Schmidt mit seinem stolpernden Rhythmus zu John Frederick Coots’ „Santa Claus is coming to town“ heraus, während Rebecca Katz sie schmachtend mit „Santa Baby“ von Philip Springer wieder zurückführte. Temporeich klang das erste Set mit Louis Jordans „Choo Choo Ch’Boogie“ und ­Lawrence als Sänger aus.
Mehr Swing bestimmte dann vor allem das zweite Set. Neben Leroy Andersons „Sleigh Ride“ , Johnny Marks’ „Rudolph, the red-nosed reindeer“, Joseph Carleton Beals „Jingle Bell Rock“ und Walter „Jack“ Rollins’ „Frosty the snowman“ fanden sich aber auch ein paar ruhigere Töne. Dazu gehörten wie im ersten Set auch weihnachtsfremde Töne. So erklang etwa Alexander Katz’ stimmungsvoller „Blue Hour Blues“, der sein groovendes Pendant im ersten Set mit „The Roaring Tigers“ hatte. Die Tiger waren vor allem Engelhardt und Paquette mit ihren Tenorsaxofon-Chorussen und Schmidts aufgeregte Beats zum Schluss hin. Katz hatte auch ein eigens für das Konzert geschriebenes Arrangement seiner „Weihnachtsgans“ auf einen Text von Heinz Erhardt besorgt, mit Witz von seiner Tochter vorgetragen, die, nur von Weiner am Klavier einfühlsam begleitet, Georg Kreislers schwarzhumoriges „Weihnachten ist eine schöne Zeit“ nachfolgen ließ.

200 Jahre „Stille Nacht“

Für den Höhepunkt an „Hot Intonation“ sorgten die „Roaring Tigers“ im zweiten Set mit dem ­Jungle-Sound Duke Ellingtons zu „The Mooche“. Peter Schmidt schuf mit Filzschlegeln einen Klangteppich, auf dem Alexander Katz und Andy Lawrence in ihren Chorussen mit Dämpfern und Wahwah-Effekten den 1920er-Jahren nachspürten.
Dem Weihnachtslied „Stille Nacht“ wurde angesichts seines 200-jährigen Bestehens – englische Fassung eingeschlossen – in leichter Jazzmanier gedacht. Zum Abschluss brachten Alexander und Rebecca Katz gemeinsam mit sanft getönten Stimmen Irving Berlins „White Christmas“ zum Klingen. Für den lang anhaltenden Beifall bedankten sich die Musiker beim Publikum mit zwei Zugaben, darunter Felix Bernards schön lässig swingendes „Winter Wonderland“, vom Katz-Duo zusammen mit Andy Lawrence vorgetragen.