Mehr als zehn Monate sind ins Land gegangen, seit das siebenjährige Mädchen Tara R. mit seiner Mutter verschwunden ist. Beide waren zuletzt im Gaildorfer Teilort Ottendorf wohnhaft. Doch noch immer gibt es keine heiße Spur zu den beiden, wie eine Nachfrage bei der Polizei zeigt. „Der Aufenthaltsort des Kindes ist aktuell nicht bekannt, weshalb die Polizei in alle Richtungen ermittelt“, erklärt Polizeioberkommissar Jonas Ilg von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit im zuständigen Präsidium Aalen.
Komplett im Dunkeln tappen die Ermittler jedoch offenbar nicht: So seien „Hinweise zum Aufenthaltsort Taras eingegangen“. Allerdings müssten diese geprüft und bewertet werden. „Um den polizeilichen Ermittlungserfolg nicht zu gefährden, können wir Ihnen nichts näheres zum Ermittlungsstand mitteilen.“
Die Geschichte von Taras Verschwinden ist komplex und außergewöhnlich. Ihre leibliche Mutter Inka R. hat sie nach Überzeugung der Ermittlungsbehörden Anfang September 2020 einer Inobhutnahme des Haller Jugendamts entzogen. Seitdem ist sie mit ihrer Tochter auf der Flucht. Ihr war zuvor das Aufenthaltsbestimmungsrecht für Tara richterlich entzogen worden, nach zahlreichen Hinweisen auf eine Kindeswohlgefährdung, die von ihr ausgehe. Mehrmals wurde Inka R. daraufhin aufgefordert, das Kind herauszugeben. Dies blieb jedoch ohne Ergebnis, weshalb die Polizei schließlich eine öffentliche Fahndung nach dem Kind einleitete.

Haftbefehl erlassen

Anfang April wurde unserer Redaktion schließlich bekannt, dass gegen Taras Mutter Haftbefehl erlassen wurde. Dieser fußt aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest auf dem Vorwurf der Entziehung Minderjähriger, was nach Paragraf 235 StGB strafbar ist. Herrin des Ermittlungsverfahrens ist die Staatsanwaltschaft Schwäbisch Hall. Man arbeite eng mit dem Haller Kriminalkommissariat zusammen, erklärt Oberstaatsanwalt Harald Lustig. Während die Polizei für die Fahndung nach dem Mädchen zuständig sei, kümmere sich die Staatsanwaltschaft um die Strafsache bezüglich der Mutter. „Wir schöpfen mit Nachdruck alle Maßnahmen aus“, betont Lustig, wenngleich seit Monaten die Frage im Raum steht, weshalb nur nach dem Kind öffentlich gefahndet wird, nicht aber nach der Person, die es entzogen hat. Die Staatsanwaktschaft, lässt Lustig durchblicken, setzt in diesem Fall eher auf Ermittlungen, die jenseits der Öffentlichkeit stattfinden. Man ergreife „Maßnahmen wie bei vergleichbaren Fällen“.

Anwalt auf Malta

Unklar erscheint derzeit, ob sich Mutter und Tochter in Deutschland aufhalten oder ob sie sich ins Ausland abgesetzt haben. Möglicherweise waren sie auch vorübergehend im Ausland und sind inzwischen wieder zurückgekehrt. Der vom EU-Inselstaat Malta aus operierende deutsche Anwalt Kai Jochimsen hat bereits Anfang des Jahres die Mandantschaft für Mutter und Kind erklärt. Ausführungen auf seiner Internetseite legen nahe, dass er in Kontakt mit beiden steht und zumindest in der Vergangenheit Informationen zum Aufenthaltsort hatte. Der jüngste Eintrag datiert jedoch von Ende April.
Jochimsen ist schon mehrfach in Fällen von Kindesentzug in Erscheinung getreten. Die maltesische Polizei befragte ihn im Februar in Sachen Tara. Zu Inhalt und Ergebnissen des Gesprächs äußerte sich die Polizei auf Nachfrage unserer Zeitung nicht.

Die Polizei bittet um Hinweise

Seit dem 1. September 2020 wird die siebenjährige Tara R. aus Gaildorf-Ottendorf vermisst. Sie dürfte sich in Begleitung ihrer 47-jährigen Mutter befinden, da beide im September ihren gewohnten Lebensbereich gemeinsam verlassen haben. Es wird von der Polizei nicht ausgeschlossen, dass sich beide im Ausland befinden oder zwischenzeitlich befanden.
Das Kind wird wie folgt beschrieben:
· ca. 1,15 bis 1,25 Meter groß
· schlank
· dunkelblonde lange Haare
· blaue Augen
Wer hat das vermisste Kind gesehen oder kann Informationen zu seinem Aufenthaltsort geben? Hinweise an das Kriminalkommissariat Schwäbisch Hall, Salinenstraße 18, 7 45 23 Schwäbisch Hall, Telefon 07 91 / 40 00 (rund um die Uhr erreichbar), E-Mail: schwaebischhall.prev@polizei.bwl.de