Während der angelsächsische Brauch Halloween immer mehr Kinder verkleidet durch Straßen und Gassen treibt, ziehen in Schrozberg die Christen durch den Ort. Schon seit Jahren gibt es dort die Tradition des Lutherlaufs. „Wir haben das damals gerade wegen Halloween angefangen“, erklärt Helmut Moser, der als Erzähler an diesem Abend Details aus dem Leben Luthers berichtet. Schließlich will man auf den Reformationstag aufmerksam machen.
Trotz eisigen Winds und Temperaturen um fünf Grad sind etliche Interessierte aus allen Altersschichten der Einladung der evangelischen Kirchengemeinde Schrozberg gefolgt – und warten nun auf dem Kirchplatz, dass es losgeht. Für die Besucher gibt’s Fackeln, die kurz darauf eine besondere Atmosphäre schaffen. „Es sind nicht so viele Besucher gekommen wie das letzte Jahr“, verrät Bernd Lutz.
Er schlüpft wieder als Laienschauspieler in die Rolle des Martin Luther. Jedes Jahr erlebt das Publikum eine etwas abgewandelte Form des Schauspiels. „Diesmal haben wir mehr Betonung auf den Textteil gelegt“, so Lutz. Außerdem wurde die Veranstaltung etwas verkürzt.
Zwei Schläge auf der Trommel – und alle sind aufmerksam. Moser warnt vor den Gefahren der Fackeln insbesondere für Kinder, das muss sein. „Seid alle willkommen“, ruft er. Und dann gibt es viele Details und Daten, beginnend mit Luthers Geburt 1483 in Eisleben und seiner strengen Erziehung. „Früh haben sich seine Eltern um seine Bildung bemüht“, berichtet Moser.
Das führt zu Station 2, dem Marktplatz gegenüber, und einer Szene in der Lateinschule. Trommler und Kreuzträger ziehen durch den Ort. An Station 3 bei der Raiffeisenbank erleben die Besucher in einem weiteren kleinen Schauspiel, was Luther zum Glauben geführt hat: ein schweres Gewitter im Jahr 1505. In seiner Todesangst hatte er versprochen, Mönch zu werden, wenn er das Unwetter überlebe.
Im Schrozberger Schlosshof erfährt das Publikum, wie der spätere Reformator ins Kloster einzieht, sich täglich mit der Bibel befasst. Wie es ihm bei einer Reise nach Rom ergeht, zeigt die Laienspielgruppe eine Station weiter an der Schlossmauer.
Zurück an der Kirche nagelt Lutz als Luther, der immer mehr Zweifel an der katholischen Kirche hat, die Thesen an die Kirchentür. Vor dem Wormser Reichstag wird er der Ketzerei schuldig gesprochen. In der Kirche gibt’s die letzte Szene: die Hochzeit mit Katharina von Bora am 13. Juni 1525, und die Gemeinde singt gemeinsam „Nun freut euch alle Christen g’mein“. Danach ist Zeit für eine Stärkung mit Reformationswürsten, Ablasspunsch und einer lutherischen Kürbissuppe.