Die Hilfsbereitschaft am 24. Juni 2018 war riesig: Sage und schreibe 1658 Menschen kamen ­seinerzeit in die Gerabronner Stadthalle, um sich für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) als potenzielle Stammzellenspender registrieren zu lassen. Sie alle waren angerührt vom Schicksal der kleinen Alexa Heckmann, damals gerade einmal fünf Monate alt. Das Mädchen leidet an Thrombozytopenie, einem Mangel an Blutplättchen. Diese sind für die Blutgerinnung von entscheidender Bedeutung. Fehlen sie, drohen innere wie äußere Blutungen. Alexa brauchte dringend einen Spender, um eine Überlebenschance zu haben.

Frohe Botschaft

Und Alexa bekam einen Spender: Drei Tage nach der Typisierung teilte die DKMS der Familie mit, dass sogar drei potenzielle Lebensretter gefunden worden waren – nicht bei der Aktion in Gerabronn, sondern in der Datenbank bereits länger registrierter Menschen. „An dem Tag hätte ich Lotto spielen sollen“, sagt Alexas Mutter Maria Gelrod und lacht. Schon die Hilfsbereitschaft der Hohenloher hatte sie „überwältigt“, „da haben wir noch wochenlang drüber geredet“. Jetzt gab es echte Hoffnung auf Heilung.
Schon der erste Spender, der angeschrieben wurde, unterzog sich tatsächlich der obligatorischen Untersuchung, bei der sich herausstellte: Das passt. Im September wurde Alexa noch einmal von Kopf bis Fuß medizinisch durchgecheckt, am 30. des Monats kam sie in die Würzburger Uniklinik. Ihre Eltern sind bei ihr, sie schlafen in einem nahen Wohnheim, das die Elterninitiative Würzburg finanziert.
Bei Alexa übernachten dürfen sie nicht, die Infektionsgefahr für die Kleine wäre zu groß. Denn vom 1. Oktober an musste sie sich einer achttägigen Chemotherapie unterziehen, ihr Immunsystem wurde auf null heruntergefahren. „In ihrem Zimmer muss totale Hygiene herrschen“, verrät Maria Gelrod. „Alle, die reinkommen, brauchen Spezialklamotten, Spezialschuhe, einen Mundschutz. Wir dürfen Alexa nicht küssen. Es ist ein bisschen wie im Gefängnis.“ Ans Verlassen des Raums, einen Spaziergang gar, ist momentan nicht zu denken.
Einen Tag Pause gab es nach der Chemo, dann bekam Alexa die Stammzellen zugeführt – aus einem Infusionsbeutel. „Das sah aus wie eine normale Blutkonserve“, sagt die Mutter. „Ganz unspektakulär.“

Hochs und Tiefs

Die Zeit des Bangens begann: Würde Alexas Körper die Stammzellen annehmen? „Wir hatten die höchsten Hochs und die tiefsten Tiefs“, sagt Gelrod. Denn, klar: Besserung von jetzt auf gleich gibt es in diesem Fall nicht, Alexa geht einen steinigen Weg. Das Mädchen kämpfte mit Sauerstoffmangel, Wassereinlagerungen, einer Bindehautentzündung, offenen Schleimhäuten, sie verlor ihre Haare. All das sind normale, erwartbare Nebenwirkungen. „Die Ärzte sind mit der Entwicklung zufrieden, diese Sachen gehören einfach dazu“, sagt Gelrod. Aber woher soll ein neun Monate altes Kind das wissen? „Alexa hat natürlich gelitten, es gab viel Geschrei, wir Eltern waren manchmal am Rande der Verzweiflung“, erzählt Gelrod. „Aber es gibt hier auf der Station zum Glück eine Erzieherin, seelische Betreuung und ganz nette Krankenschwestern.“
Das Wichtigste: Nachdem die Blutwerte am Anfang nicht wirklich besser wurden, haben die Stammzellen jetzt wohl angeschlagen. Von Tag zu Tag steigt mittlerweile die Zahl der weißen Blutkörperchen – ein Hinweis, dass Alexa auf dem richtigen Weg ist. „Die Hoffnung ist groß“, sagt ihre Mutter. Sie sehnt den Tag herbei, an dem die Isolation aufgehoben werden kann, an dem wieder mehr Nähe möglich ist. Und sie fügt scherzhaft hinzu: „Hoffentlich erkennt sie mich noch ohne Mundschutz.“ Ganz bestimmt tut Alexa das.

DKMS sucht immer Stammzellenspender

Den Blutkrebs besiegen – das ist das erklärte Ziel der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Seit ihrer Gründung im Jahr 1991 wurden bereits mehr als acht Millionen potenzielle Stammzellenspender registriert. Wer dabei sein will, muss nicht auf eine Typisierungsaktion in der Nähe warten, sondern kann im Internet
unter www.dkms.de ein Registrierungs-Set bestellen.