Einbahnverkehr mit Maske und alles auf Abstand – unter Beachtung diverser Corona-Regeln zieht der SPD-Ortsverein Gaildorf/Limpurger Land seine Mitgliederversammlung durch. Alle Vorschriften und die Anweisungen des Hausmeisters werden strikt eingehalten. Der gediegene „alte Stall“ im Alten Schloss ist gerade ausreichend groß, um alle Mitglieder und Gäste an Einzeltischen platzieren zu können.

Reichlich Redebedarf

Es gibt viele Themen, welche die Genossen umtreiben, und entsprechend ist an diesem Abend auch der Redebedarf. Es sei ein Hammer, macht Ortsvereinsvorsitzender Karl Eichele gleich zu Beginn seinem Frust Luft, dass die Firma Mahle beabsichtigt, bis in zwei, drei Jahren den Standort Gaildorf aufzugeben. Er sehe es mit Sorge, sagt er, wenn Themen wie Klimaschutz oder Corona herangezogen werden, um Arbeitsplätze abzubauen und Existenzen wegbrechen.

München

Politischer Senkrechtstarter

Herausragender Tagesordnungspunkt war die Vorstellung von Kevin Leiser aus Blaufelden. Der politische Senkrechtstarter will sich im kommenden Jahr um einen Sitz im Deutschen Bundestag bewerben. Zuvor muss er allerdings noch die Nominierungsversammlung, voraussichtlich am 26. November in Schrozberg, hinter sich bringen. Momentan ist er auf Tour durch den Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe, um für sich zu werben.
Vom Ambiente des „alten Stalls“ ist der „junge Hase“ durchaus angetan – und im Gegenzug bringen die hiesigen Genossen dem eloquenten Gast viel Wohlwollen entgegen. Der junge Gymnasiallehrer benennt konkret die Felder, die er vorrangig zu beackern gedenkt: Klima- und Artenschutz, faire Lebensbedingungen und -chancen, Digitalisierung sowie ein Upgrade für die Demokratie. Soziale Gerechtigkeit an erster Stelle, ja, aber grüne Themen wolle er nicht allein den Grünen überlassen. Gerade die Jugend mit ihren Bedürfnissen müsse man ernst und mitnehmen. Auch seine Vorstellungen von transparenter, ehrlicher Politik, einem Lobbyregister, Volksentscheiden oder der Reform des Wahlrechts bergen Charme.
Andere Tagesordnungspunkte wie der Kassenbericht von Schatzmeister Christian Schönemann und die Ehrung von Doris Erika Bauer für 40 Jahre treue Mitarbeit im Ortsverein sind schnell abgehakt.
Dafür nehmen Fragen an den Kandidaten über seine Ansichten auf lokale Aspekte breiten Raum ein. Karl Eichele benennt wichtigste Punkte: Erhalt der Krankenhäuser in Hall und Crailsheim, Stärkung der Murrbahn, Umgehung für Gaildorf, das Projekt Wind und Wasserkraft, das noch nicht läuft, Verkehr und Mobilität, Lärmbelästigung und Geschwindigkeitsüberschreitungen.

An die Strukturen gehen

Verteilmechanismus und soziale Gerechtigkeit, aber auch Landflucht oder neue Medien treiben die Menschen im Limpurger Land um. „Man muss an die Strukturen ran, Denkanstöße geben und Prozesse in Gang setzen“, fordern die SPD-Mitglieder von sich selbst. Kevin Leiser hat für alles ein offenes Ohr. Ideen möge man an ihn herantragen.