Farbige Blitze zucken rhythmisch in die Luft, Lichtstrahlen erschaffen geometrische Formen und illuminieren das Unterwöhrd ganz neu. Beim Sommernachtsfest ist am Samstagabend vier Mal eine etwa achtminütige Lasershow mit Musikuntermalung auf dem Grasbödele gezeigt worden. Zur Showtime hat es auf dem Steinernen Steg und am Kocherrand des Unterwöhrds kaum noch einen freien Platz gegeben.

Meinungen über das fehlende Feuerwerk gehen auseinander

„Der erste Teil war eher wie eine Dia-Show“, kritisiert Roy Eckhardt aus Schwäbisch Hall. „Der zweite Teil war besser, auch wenn man es von weiter weg nicht so gut sehen konnte.“ Er findet es nicht schlimm, dass es kein Feuerwerk gab. Auf dem Steinernen Steg hört man beim Vorübergehen bei der zweiten Lasershow andere Töne. „Das bringt echt nix hier“, sagt eine Frau zu ihren Freundinnen. Stephania Tiberio von den Siedern steht nach dem Fackeltanz am Großen Gockel und unterhält sich. „Also mir hat die Lasershow wirklich gut gefallen. Ein Feuerwerk habe ich nicht vermisst“, antwortet sie auf die Frage des Reporters.
Lichterfest auf dem Unterwöhrd und in den Ackeranlagen

Sommernachtsfest 2019 Lichterfest auf dem Unterwöhrd und in den Ackeranlagen

„Eigentlich  mag ich Feuerwerk gern, aber ich finde es auch verständlich, dass diesmal drauf verzichtet wurde“, sagt Arthur Kouzinski aus Tüngental. Das Sommernachtsfest bestehe ja auch nicht nur aus dem Feuerwerk, es gehe ja auch darum, Freunde und Bekannte zu treffen. „Ich bin immer mal wieder dabei. Vor allem, wenn ich eingeladen werde“, sagt er und lächelt seine Freundin an. „Ich kann dazu gar nichts sagen, ich bin zum ersten Mal hier“, sagt Norbert Czernicky aus dem fränkischen Wörnitz, der auf der Suche nach einer Bekannten. „Aber ich muss schon sagen: Hier ist es ja schöner als in unserem Rothenburg.“
Robert Spoden hat das Sommernachtsfest wie schon in langen Jahren zuvor mit seinem Team organisiert. „Die Entscheidung, auf ein Feuerwerk zu verzichten, hat nichts mit der Feinstaubdebatte zu tun“, stellt der Chef des Stadtmarketings klar. Er ist gerade in den Ackeranlagen unterwegs und beobachtet die rund 440 freiwilligen Helfer, die kurz vor acht die 25.000 speziellen Teelichter in ihren Bechern und die 2500 Lampions entzünden. „Es ist einfach so, dass das Feuerwerk vor allem aus den Ackeranlagen wirklich nicht gut zu sehen ist. Und eine Lasershow kann man auch mehrmals am Abend zeigen“, sagt Spoden. „Außerdem hat es auch was mit einem stärkeren Sicherheitsbewusstsein zu tun. Wir wollen ja nicht für den nächsten großen Stadtbrand in Hall verantwortlich sein.“
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Beim Sommernachtsfest ist die Stimmung gut

So gehen die Meinungen auseinander. Doch schlechte Stimmung ist am Samstag nirgends zu spüren, ganz im Gegenteil. Die Besucher – viele sind laut Spoden Stammgäste, sie kämen aus der ganzen Region – flanieren durch die Ackeranlagen, genießen die Musik auf den drei Bühnen und gönnen sich was Gutes zu essen oder zu trinken an einem der zahlreichen Stände.
An den vier Eintrittskassen kontrollieren die zwölf von der Stadt engagierten Securitymitarbeiter den ganzen Abend akribisch die Taschen der Gäste. Das Mitbringen von Getränken ist nämlich verboten. Neben den Kassen stehen zahlreiche konfiszierte Flaschen – vornehmlich leichte aus Plastik. „Die jungen Leute versuchen es eben Jahr für Jahr wieder“, sagt Spoden. Polizisten in Zivil seien zudem unterwegs, um für Sicherheit zu sorgen. Dann rauscht sein Funkgerät. „Die benutzen wir seit vergangenen Jahr“, erklärt Spoden. „Wenn später alle gleichzeitig ihre Bilder auf Facebook posten, bricht schon mal das Handynetz zusammen.“
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Vier gute Jahre, ein schlechtes

Nachdem das Fest 2018 durch das durchwachsene Wetter ein Misserfolg war, freut sich Spoden über den guten Zulauf in diesem Jahr: „Vergangenen Mittwoch waren schon 2600 Eintrittsbänder im Vorverkauf weg – 2018 waren es um die Zeit gerade 400.“ Er sieht es ganz pragmatisch: Auf vier gute Jahre folge eben ein schlechtes. Er geht davon aus, dass es am Ende zwischen 10.000 und 11.000 Besucher gewesen sein werden. Genaueres könne man aber erst montags sagen.

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Plastikbecher lösen Facebook-Diskussion aus

Am Sonntag ist auf Facebook auf einer privaten Hall-Gruppenseite zum Sommernachtsfest eine weitere Diskussion entbrannt: Es geht um die Nutzung von Plastikbechern für die Teelichter in den Ackeranlagen. Warum man nicht wie früher Becher aus Papier nutze, fragt der Initiator der Diskussion in die Runde. Er bekommt zwar Zuspruch, aber die meisten Kommentare drücken Verständnis für die Entscheidung aus, Kunststoff zu verwenden.
Darauf angesprochen sagt Cheforganisator Robert Spoden: „Ja, besonders nachhaltig ist das nicht. Wir haben uns aber bewusst für die Plastikbecher entschieden. Papierbecher weichen zu schnell auf, außerdem sind die feuerempfindlich.“ Und darüber hinaus könnten die Plastikbecher auch Jahr für Jahr wiederverwertet werden – sie würden keineswegs im Abfall landen. noa