Randvoll mit Kippenstummeln ist der transparente Plastikeimer von Verena Geiger. Zwei Stunden lang ist sie durch die Gaildorfer Innenstadt getingelt und hat sich nach jedem Überrest einer Zigarette gebückt, der ihr in die Augen fiel.
Müll sammeln für die Umwelt. Das tut sie seit August mit neun weiteren Menschen für die Initiative „Natürlich Gaildorf“. Für unsere Aktion „Hier sind wir zu Hause“ erzählt sie von ihren Beweggründen. Geiger hat die Initiative eigens ins Leben gerufen. „Ich wollte dem Engagement, das bereits bestanden hatte, einen Rahmen geben“, erzählt sie. Denn Müll sammelt sie nicht erst seit Kurzem. „2018 habe ich damit angefangen. Ich habe gemerkt, dass etwas im Argen liegt und dachte, ich muss etwas tun.“ Und für Sauberkeit bei sich in der Umgebung sorgen, ist nicht schwer.

Kippenstummel liegen überall

Das hat auch Elke Feistel aus Unterrot dazu bewogen, eines Tages auf ihren Spaziergang einen Müllbeutel mitzunehmen. Nun geht sie wöchentlich, manchmal sogar mehrmals, auf Beutezug. Meistens ist sie bei sich in der Umgebung unterwegs. Sie sieht mehrere Vorteile: „Ich bleibe fit, weil ich mich bewege, und tue etwas für die Umwelt.“ Doch in der Gaildorfer Innenstadt sammeln zu gehen, das sei eine größere Hemmschwelle. Deshalb hat sie sich mit Verena Geiger verabredet.
Nach Müll suchen müssen die beiden Frauen, ausgerüstet mit Eimer und Gummihandschuhen, nicht lange. Vor allem die Kippenstummel auf dem Pflaster liefern konstant einen Anlass, sich zu bücken. „Mit einer Müllzange kann man die nicht so leicht aufheben“, erzählt Geiger. Deswegen sind die Handschuhe essenziell. Manch einer hat sich wohl bereits an die orangenen Stückchen auf Straßen, in Fußgängerzonen, an Parkbänken und an Bushaltestellen gewöhnt. „Das hat etwas mit selektiver Wahrnehmung zu tun“, sagt Geiger. Sie und Elke Feistel können inzwischen gar nicht mehr wegschauen, wenn ihnen eines ins Auge fällt.
Dabei sind Zigarettenstummel nicht einfach nur Müll, der nicht auf die Straße gehört. Sie gefährden zudem die Umwelt. Bis zu 4000 schädliche Stoffe sind in einer einzigen Kippe zu finden. So kann auch eine einzige Kippe 40 bis 60 Liter Wasser verunreinigen und das Pflanzenwachstum negativ beeinflussen. Zudem kommt der Stoff, aus dem die Filter bestehen: Celluloseacetat. Es dauert bis zu sieben Jahre, bis sich dieser Kunststoff abgebaut hat.
Dass Straßenkehrmaschinen die Stummel nicht beseitigen, zeigt das Stadtbild. „Das Argument, dass man ja dafür Steuern bezahle, dass saubergemacht würde, zählt deshalb nicht“, findet Geiger. Zigarettenstummel sollten vielmehr in den Aschenbechern an Mülleimern entsorgt werden. Außerdem hat Geiger noch eine andere Empfehlung: Kleine Metallschälchen mit Deckel, die in jede Hosentasche passen und wo der Kippenrest aufbewahrt werden kann, bis ein Mülleimer in Sicht ist. Davon, noch glühende Reste in Mülleimer zu werfen, ist besonders im Sommer wegen der Brandgefahr abzuraten.

Kein Ärger, keine Wut: Müllsammeln macht Spaß

Und wie fühlt es sich an, den Müll anderer aufzusammeln? „Mit Groll oder Wut gehen wir da nicht mehr ran“, sind sich die beiden Frauen einig. „Die meisten Raucher schmeißen die Stummel sicher gedankenlos weg“, meint Feistel. Sie hat selbst jahrelang geraucht, weiß, wovon sie spricht. „Man kann aber auch nicht immer Verantwortung abwälzen, sondern muss selbst etwas tun.“
Mit ihrem öffentlichen Engagement wünscht sie sich, Aufmerksamkeit für das offensichtliche Problem zu wecken. Das gelingt: Leute, die vorbeilaufen, schauen interessiert, lächeln und sprechen teilweise sogar ihren Dank aus. Generell beschreibt Feistel das Müllsammeln als „befriedigende Tätigkeit“. „Man sieht danach definitiv ein Resultat“, ist sie überzeugt. Noch schneller sehe man ein „spürbares Ergebnis“, wenn die Müllpaten mehr würden und regelmäßig sammeln, ergänzt Geiger.
Für alle, die der Rappel packt, gibt es ein paar Dinge zu beachten: Vorsicht ist in der Nähe von viel befahrenen Straßen und bei Gegenständen geboten, die man schwer einschätzen kann. Das können Behälter mit undefinierbarer Flüssigkeit, Problemstoffe und scharfe und sperrige Gegenständen sein. In diesem Fall kann der Baubetriebshof über den Fundort informiert werden. Für die Sammlung gibt es reißfeste Müllsäcke. Sie können an Mülleimern mit Hundekotbeuteln in der Gemarkung Gaildorf abgestellt oder direkt beim Bauhof abgegeben werden.

Info Kontaktaufnahme zu den Müllpaten ist per E-Mail an natuerlich-gaildorf@web.de möglich.

Nehmen Sie auch an unserer Umfrage teil und bewerten Sie Gaildorf: https://www.meinerundschaugaildorf.de/gaildorf/

Info „Hier sind wir zu Hause“ geht weiter. Am 11. September ist die Rundschau in Gaildorf anwesend. Los geht es um 11.30 Uhr.

Engagement

Im Einsatz für Natur und Tiere ist auch die Gaildorfer Ortsgruppe des Naturschutzbunds (NABU). Gegründet wurde der NABU Gaildorf-Limpurger Land 1903, er zählt heute etwa 450 Mitglieder. Der NABU kümmert sich neben praktischer Landschaftspflege auch um Weiterbildung: Es gibt Vorträge, Exkursionen durch die Natur, Ausstellungen und Kinderferienprogramme. Vorsitzender ist Karl-Heinz Johe.
Umweltschutz im Verbund mit Bewegung gibt es bei der Gaildorfer Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins. Sie gibt es seit 1891. „Wandern, Natur- und Umweltschutz sowie die Heimat- und Kulturpflege“ sind die Ziele des Vereins. Die Ortsgruppe unterhält 108,4 Kilometer Albvereins-Wanderwege im Limpurger Land – 55,2 Kilometer Wege gemeinsam mit der Stadt Gaildorf. Gemeinsame Wanderungen stehen regelmäßig auf dem Programm. Auch Vorträge und Ausfahrten gibt es. Der Verein hat eine Seniorenwandergruppe. Vorsitzende ist Irmtraud Bauer.
Die Obst- und Gartenbauvereine in Gaildorf und Unterrot fördern die Gartenkultur, den landschaftsprägenden Streuobstbau, die Heimatpflege und Ortsverschönerung. Generelles Ziel ist die Förderung eines wirksamen Landschafts-, Umwelt- und Naturschutz.
Der Fischereiverein Gaildorf bedeutet mehr als nur Angelngehen. Er kümmert sich um die Pflege von Gewässern, dazu gehört beispielsweise die Wiederansiedelung von verdrängten Fischarten wie der Quappe und der Nase. Der Verein wurde 1882 gegründet und hat heute 215 Mitglieder.