Einfach helfen – hinter diesen zwei schlichten Worten steckt so viel Eifer, so viel Selbstlosigkeit, so viel Nächstenliebe. Einfach helfen, wo es nötig ist: Das ist für Heiko Schmidt eine Selbstverständlichkeit, eine Lebensaufgabe. Kurz nach Kriegsausbruch in der Ukraine am 24. Februar 2022 stand für den 40-jährigen Gaildorfer sofort fest, dass er was tun muss. Und genauso schnell waren Torsten Reupke (44) aus dem Schwarzwald, Michael Alkan (44) aus Stuttgart, Matthias Wiedenmann (36) aus Aalen und Christian Kandzia (64) aus Gaildorf im Boot.

Zusammen in Afghanistan

Bis auf Christian Kandzia sind alle Männer ehemalige Bundeswehr-Soldaten, die unter anderem 2009 zusammen in Afghanistan stationiert waren. Eine eingeschworene Truppe, die viel zusammen erlebt hat, die immer zur Stelle war, schwierige Situationen meisterte, immer eine Lösung fand. Von den amerikanischen Soldaten bekam die Vierer-Gruppe daher den Namen „Easy“ (leicht, einfach).
Der Einsatz in Afghanistan und die Bundeswehrzeit liegen Jahre zurück. Der Tatendrang und die Hilfsbereitschaft sind geblieben – ebenso der Name der Gruppe, der sich Christian Kandzia und weitere Gaildorfer angeschlossen haben. Seit März 2022 sammeln sie unaufhörlich Sach- und Geldspenden und fahren diese persönlich in die Ukraine. Rund 50 Grenzübergänge, 25 000 Kilometer: Acht Hilfstransporte liegen bereits hinter den Männern. Sie haben hilfreiche Kontakte geknüpft, wissen, wo sie die Grenze schnell überqueren und wo sie große Mengen an Lebensmitteln kaufen können. Heiko Schmidt spricht von einer gewissen Routine, die sich eingespielt hat, wenngleich alle wissen, welcher Gefahr sie sich auch aussetzen. „Es kann immer etwas passieren, das wissen wir, aber darüber denken wir nicht nach“, betont Schmidt.
Das erste Sammellager der Sachspenden wurde in der Körhalle eingerichtet, dann kam der Umzug in die Viehhalle. Mittlerweile haben die „Easys“ ein festes Domizil im alten Bauhof von Unterrot, wo sie jeden Sonntag Spenden annehmen. Tatkräftige Unterstützung kommt von Janina Bohn (34) sowie Darius (22) und Andrea Dirksmann (49) aus Gaildorf. Darius war auch schon zweimal in der Ukraine dabei.
Zusammen haben die acht „Easys“ seither weit mehr als 10 000 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet. Sie sammeln nicht nur Spenden, sondern helfen zum Beispiel auch beim Einrichten von Flüchtlingswohnungen in Gaildorf. Mit vereinten Kräften wurde im Mai 2022 ein Benefizkonzert veranstaltet, beim Gaildorfer Samstag wurde Salzkuchen verkauft. Immer wieder lassen sich die „Easys“ etwas Neues einfallen. Bisher sind weit über 50 000 Euro auf dem Spendenkonto eingegangen. Hinzu kommen zahlreiche Sachspenden.
Das Engagement der „Easys“ reicht aber weit über die Hilfe für Menschen in der Ukraine und die Geflüchteten im Landkreis Hall hinaus. Die Gruppe hilft überall, wo sie gebraucht wird. Mit einer Schrottsammlung wurden Opfer der Flutkatastrophe im Ahrtal unterstützt. Dort bekamen Kinder persönlich Weihnachtsgeschenke überreicht. Auch der Unterroter Kindergarten wurde beschenkt. Die Pfadfinder unterstützten sie beim Altpapiersammeln. Für das Tierheim in Michelfeld organisieren sie dringend benötigtes Tierfutter.

Motivation der „Easys“ bleibt

Die nächste Tour in die Ukraine ist über Pfingsten geplant. Je länger der Krieg andauere, desto schlimmer werden die Verhältnisse, desto mehr Hilfe werde benötigt, weiß Heiko Schmidt. Gleichzeitig schwinde leider das Interesse der Bevölkerung: „Die Menschen haben sich an die Bilder im Fernsehen gewöhnt.“ Die Motivation der „Easys“ hingegen bleibt. „Wir helfen weiter.“ Die Dankbarkeit und Herzlichkeit der Menschen in der Ukraine sei Lohn genug und werden ihnen immer in Erinnerung bleiben.
Zum Start des Hilfsprojekts betonte Heiko Schmidt, dass die Spendenbereitschaft der hiesigen Bevölkerung überwältigend sei. Heute, rund ein Jahr später, ist es an der Zeit, ihm und seiner Truppe zu danken und zu sagen: Was die „Easys“ für Menschen in Not leisten – das ist überwältigend. Ein Zeichen wahrer Solidarität und Nächstenliebe.

Zur Person

Heiko Schmidt wurde 1983 in Hall geboren und ist in Unterrot aufgewachsen. Er besuchte dort die Hauptschule und machte eine Ausbildung zum Metzger. Mit 20 Jahren verpflichtete er sich für acht Jahre für die Bundeswehr. Ihn habe die Herausforderung und das Unbekannte gereizt. Schmidt war in Ellwangen stationiert, aber in ganz Deutschland unterwegs.
2009 flog er für einige Monate nach Afghanistan. Mit dabei waren Torsten Reupke, Michael Alkan und Matthias Wiedenmann. Im Rahmen der Präsidentschaftswahlen war die Truppe für den geschützten Personentransport zuständig. Noch während der Bundeswehrzeit absolvierte Schmidt eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Seit 2011 fährt er für die Firma Emil Kunz GmbH in Ruppertshofen-Birkenlohe. In seiner Freizeit macht der 40-Jährige Holz, außerdem ist er seit 13 Jahren Vorsitzender der SpVgg Unterrot. Der Großteil seiner Freizeit und Urlaubstage stehen im Zeichen seines Engagements für die „Easys“. ena