Junge, motivierte Menschen auf einem Haufen. Da vibriert alles“, beschreibt Lehrer Joachim Kern vom Haller Gymnasium bei St. Michael (GSM) die Stimmung bei „Jugend forscht“. 126 Teilnehmer, 65 Projekte und 15 Erstplatzierungen, darunter drei aus Hall, so lautet das Ergebnis des 21. Regionalwettbewerbs Heilbronn-Franken am Campus Künzelsau.
Joachim Kern und Achim Knaak vom GSM haben jeweils ihre Tochter in der Forscher-­AG betreut. Marlene Kern (12) aus Ilshofen und Kara Knöller (13) aus Sulzdorf haben sogar zusammen ein Projekt bei der Juniorensparte „Schüler experimentieren“ (bis 14 Jahre) angemeldet – und einen ersten Platz im Bereich Biologie gemacht.
Die Schülerinnen haben sich mit der Wahrnehmung von Fischen bei der Fütterung beschäftigt. Viele Versuche mit Geräuschen, Farben und Formen haben sie mit den Fischen im Schulaquarium gemacht. Kara und Marlene waren sehr überrascht, als ihre Namen bei der Verkündung aufgerufen wurden. Beide freuen sich nun auf den Landeswettbewerb in Balingen. Ob sie nächstes Jahr wieder mitmachen, wissen sie nicht. „Es kommt darauf an, ob wir noch mal ein Thema finden, das uns genauso interessiert“, sagt Marlene.

Auf sich alleine gestellt

Kern ist stolz auf seine Tochter. Auch, weil sie sich alleine so tapfer geschlagen hat. „Beim Auf­bauen der Stände sind wir noch dabei, aber dann sind die Schüler auf sich alleine gestellt. Abseits des Wettbewerbs – die Teilnehmer müssen täglich vier Stunden an ihrem Stand sein – gibt es ein Rahmenprogramm, wie einen Kinobesuch oder Sportaktivitäten, das von der Patenfirma ebm-papst aus Mulfingen, die den Wettbewerb ausrichtet, angeboten wird.
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Das Programm hat auch GSM-Schüler Marcus Lay (17) aus Sulzdorf gefallen. Anstrengend seien nur die Fragen der Besucher gewesen. Marcus hat zum ersten Mal bei Jugend forscht teilgenommen und gleich einen ersten Platz (Physik) gemacht. Zusammen mit seiner Freundin Deborah Bach aus Künzelsau ist er der Frage nachgegangen, wie man die Leistung messen kann, die man beim Fahrradfahren erbringt. Die beiden sind Triathleten. Marcus und Deborah haben eine Kurbel entwickelt, mit der sie die Trittfrequenz und den Drehmoment ermitteln können. Eingesetzt in eine Formel kommt dann die Leistung des Radfahrers in Watt heraus. Marcus hat das Projekt bereits bei der Schüler-Ingenieur-Akademie angefangen. „Da war es aber noch ein Prototyp und viel zu instabil“, sagt er. Nun kann er den Kurbelarm an fast jedes Fahrrad montieren. Chancen auf eine Platzierung hatte er sich im Vorfeld ausgerechnet, mit dem ersten Platz habe er aber nicht gerechnet.
Nun gilt es für ihn und Deborah, weitere Messungen vorzunehmen und Fehler auszumerzen. „Beim Landeswettbewerb wird schon mehr verlangt“, betont der 17-Jährige. In diesem Jahr schreibt er auch Abitur. Eine ganz schöne Doppelbelastung. „In den Faschingsferien hänge ich mich in das Projekt rein, und dann lerne ich fürs Abi“, skizziert Marcus.
Auch vom Haller Erasmus-­Widmann-Gymnasium konnten sich zwei Schülerinnen über einen ersten Platz freuen. Ava Rübenstrunk (13) aus Hall und Anni Ring (14) aus Untermünkheim haben mit ihrer Untersuchung des Roggenmehl-Shampoos (Chemie) überzeugt. Eigentlich wollten sie gar nicht gewinnen, geben die Achtklässlerinnen zu. Sie wollten sich vor der Arbeit drücken, die dann noch auf sie zukommen würde. Nach der Verkündung waren die beiden aber doch glücklich über den ersten Platz.

Unterstützung der Eltern nötig

Eine kleine Vorahnung hatten sie bereits nach dem Vortrag vor der Jury. „Ein Mitglied war besonders begeistert, und hat uns für unsere Ausarbeitung gelobt“, sagt Anni. Diese hat den beiden Jungforscherinnen besonders Kopfzerbrechen bereitet. „Zwischendurch hatte ich echt keine Lust mehr“, blickt Ava zurück. Ihre Mutter Ina Rübenstrunk hat sie aber ermutigt weiterzumachen. Sie ist auch Lehrerin am EWG und betreut die Forscher AG. Hatten Ava und Anni dadurch einen Vorteil? „Es ist hilfreich, wenn die Eltern ihre Kinder zu Hause unterstützen. Bei ,Schüler experimentieren’ geht das fast nicht anders“, sagt Rübenstrunk. Ihre Tochter fügt an: „Wir konnten viel daheim machen, und meine Mutter hat einfach viel Erfahrung als Projektbetreuerin.“
Und wie hat ihre Mutter den Wettbewerb in diesem Jahr wahrgenommen? „Ich war schon aufgeregter als sonst, und emotionaler war es auch“, beschreibt Rübenstrunk. Aber sie habe genauso mitgefiebert, ob ihre anderen Schützlinge eine Platzierung erreichen. Felix Müssig hat mit seinem Roboterarm den zweiten Platz im Bereich Technik gemacht. „Seine Arbeit war noch nicht ganz fertig. Wenn er nächstes Jahr noch mal damit antritt, hat er sicher gute Chancen auf einen ersten Platz.
Wettbewerbsleiterin und GSMLehrerin Silvia Böhler ist sehr zufrieden. Sie freut sich über die vielen Platzierungen der Haller Projekte, aber ebenso über die anderen Gewinner aus Heilbronn-Franken. Böhler hat den Wettbewerb in diesem Jahr besonders „harmonisch“ empfunden. Sie erklärt sich das so: „Viele haben schon mehrfach teilgenommen und kennen sich dann schon aus den vergangenen Jahren. Die Schüler geben sich gegenseitig Anregungen.“ Auch die betreuenden Lehrkräfte unterstützten sich im Vorfeld gegenseitig.

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Weitere Platzierungen von Haller Schülern

Es gibt sieben Bereiche, zu welchen die einzelnen Projekte zugeordnet werden. Jeweils die Erstplatzierten qualifizieren sich für den Landeswettbewerb. Es ist auch möglich, dass ein Platz mehrmals besetzt ist. Folgende Projekte bei „Schüler experimentieren“ sind unter den ersten drei Plätzen ihrer jeweiligen Fachrichtung gelandet:
Erasmus-Widmann-Gymnasium:
- „Entstehung der Krater auf Himmelskörpern“ von Julius Achilles und Jonah Rehnitz, Geo- und Raumwissenschaften, Platz 2
- „Eier-Aufschlag-Maschine“ von Lukas Hess, Benedikt Lenz und Tim Kiesel, Arbeitswelt, Platz 3
Gymnasium bei St. Michael
- „Salz, der heimliche Killer“ von Claudio Lehmann und Thorben Ambacher, Biologie, Platz 3
- „Die perfekte Salat­soße“ von Klara Bauer und Amelie Gritzki, Chemie, Platz 2
- „Lotuseffekt“ von Lea Egetemeyer und Klara Schweizer, Physik,
Platz 3
- „Klangrohre: Töne in Abhängigkeit von der Länge“ von Marie Sophie Wenger und Elisabeth Bergmann, Physik, Platz 2
- „Biegefestigkeit von Metallproben“ von Micha Zipperer, Technik, Platz 3 (Jugend forscht)
Hector-Kinderakademie unter der Leitung von Dr. Kerstin Kern:
- „Schwarze Löcher“ von Christian Pastille und Christian Brockmann sowie „Kristalle“ von Lars Herwarth und Levin Hinderer, Geo- und Raumwissenschaften, Platz 3 ena